Reisen mit Angina pectoris: Gut vorbereitet unterwegs
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina pectoris ist ein Warnsignal des Herzens. Dabei bekommt der Herzmuskel vorübergehend zu wenig sauerstoffreiches Blut. Typisch ist ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, das oft bei körperlicher Belastung auftritt und in Ruhe wieder verschwindet. Angina pectoris ist kein Herzinfarkt, aber ein ernstzunehmendes Zeichen, das ärztlich abgeklärt werden muss.
Wichtige Fakten
- Mit guter Vorbereitung ist Reisen mit Angina pectoris für viele Menschen möglich.
- Besprechen Sie jede Reise vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Nehmen Sie alle Medikamente in ausreichender Menge mit ins Handgepäck.
- Vermeiden Sie schwere Koffer, Hetze und extreme Kälte.
- Bei anhaltenden Brustschmerzen oder schwerer Atemnot: sofort Notruf 112 wählen.
Ja. Verengte Herzkranzgefäße sind häufig – vor allem ab dem mittleren Lebensalter. Angina pectoris ist oft das erste deutliche Anzeichen dieser Gefäßveränderung.
Betroffen sind häufig Menschen über 50. Männer erkranken im Durchschnitt früher als Frauen. Bestimmte Risiken wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfette erhöhen die Wahrscheinlichkeit – ebenso eine familiäre Vorbelastung.
Symptome
- Starke oder anhaltende Brustschmerzen, die länger als 15 Minuten anhalten
- Schmerzen, die in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen und mit Atemnot, Schweißausbruch oder Übelkeit auftreten
- Plötzlich einsetzende schwere Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Bewusstlosigkeit oder ausbleibende Reaktion
- Rufen Sie in diesen Situationen sofort den Notruf 112 an.
- ⚠Neu aufgetretene oder sich verändernde Brustschmerzen
- ⚠Brustschmerzen in Ruhe oder nachts
- ⚠Wenn die üblichen Beschwerden plötzlich häufiger auftreten oder anders als sonst sind
- ⚠Wenn Sie vor einer Reise unsicher sind, ob Ihr Herz stabil genug ist
Häufige Symptome
- Druck, Enge oder Schmerzen in der Brust, oft hinter dem Brustbein
- Schmerzen, die in den linken Arm, die Schulter, den Rücken, den Hals oder den Unterkiefer ausstrahlen können
- Kurzatmigkeit, besonders bei Anstrengung, Kälte oder emotionalem Stress
- Ein Gefühl von Schwäche, Schwindel oder Unwohlsein
- Beschwerden, die nach wenigen Minuten Ruhe nachlassen
Symptome bei Kindern
- Angina pectoris kommt bei Kindern praktisch nicht vor. Brustschmerzen bei Kindern sind meist harmlos, sollten aber ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann die Angina anders aussehen: starke Müdigkeit, allgemeine Schwäche, Übelkeit, Benommenheit oder nur Atemnot – manchmal ohne deutlichen Brustschmerz.
- Neu auftretende Beschwerden wie schnelle Erschöpfung beim Gehen oder Treppensteigen sollten zeitnah abgeklärt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Arteriosklerose)
- Verkrampfung eines Herzkranzgefäßes, die die Durchblutung kurz unterbricht
- Vorübergehend erhöhter Sauerstoffbedarf des Herzens, zum Beispiel durch starke körperliche Belastung, großen Stress oder Fieber
Risikofaktoren
- Rauchen und Passivrauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfette, zum Beispiel Cholesterin
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährungsweise
- Dauerhafter Stress und wenig Schlaf
- Familiäre Vorbelastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal ein Druck- oder Engegefühl in der Brust verspüren
- Wenn Ihre bekannten Beschwerden stärker, häufiger oder länger auftreten
- Wenn die Beschwerden schon in Ruhe auftreten
- Wenn Sie vor einer geplanten Fernreise das Gefühl haben, dass sich Ihr Gesundheitszustand verändert hat
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Zur regelmäßigen Kontrolle bei Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen – in der Regel einmal im Jahr
- Vor jeder längeren Reise, besonders vor Flug-, Berg- oder Fernreisen
- Wenn sich Ihr Medikamentenplan ändert oder eine neue Erkrankung dazukommt
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, Vorerkrankungen, Risikofaktoren und Reiseplänen. Danach folgen eine körperliche Untersuchung und verschiedene Herztests. Ziel ist herauszufinden, ob eine Durchblutungsstörung des Herzens vorliegt und wie stark das Herz belastet werden kann.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG und Belastungs-EKG
- Langzeit-EKG über 24 Stunden
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie)
- Blutuntersuchung, zum Beispiel Blutfette, Blutzucker und Nierenwerte
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei. Beim Belastungs-EKG treten Sie auf einem Fahrrad, während das Herz überwacht wird. Eine Herzkatheteruntersuchung findet unter örtlicher Betäubung statt; Sie bleiben dabei wach. Die Ergebnisse werden anschließend mit Ihnen besprochen – auch die Frage, ob eine geplante Reise sicher ist.
Behandlung
Die Behandlung der Angina pectoris hat zwei Ziele: Beschwerden zu lindern und das Herz langfristig zu schützen. Sie besteht aus einem herzgesunden Lebensstil, Medikamenten und – falls nötig – einem Eingriff am Herzen. Die Behandlung folgt dabei den aktuellen medizinischen Leitlinien, unter anderem den AWMF-Leitlinien.
Selbsthilfe zu Hause
- Besprechen Sie die Reise vorab mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen
- Nehmen Sie alle Medikamente, eine Medikamentenliste und einen aktuellen Arztbrief ins Handgepäck
- Nutzen Sie für schwere Gepäckstücke einen Rollkoffer oder bitten Sie um Hilfe
- Planen Sie unterwegs regelmäßige Pausen und vermeiden Sie Hetze
- Ziehen Sie sich bei Kälte und Wind warm an, denn kalte Luft kann Brustenge auslösen
- Sprechen Sie sich bei Reisen in große Höhe, sehr heißen oder sehr kalten Gebieten vorher ärztlich ab
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die die Herzkranzgefäße entlasten, den Blutdruck senken, den Puls verlangsamen oder die Bildung von Blutgerinnseln beeinflussen. Welche Kombination für Sie richtig ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Nehmen Sie Medikamente genau nach Anweisung ein – auch auf Reisen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Verengungen der Herzkranzgefäße sehr ausgeprägt sind, kann ein Eingriff notwendig sein – zum Beispiel eine Gefäßaufdehnung mit einer Gefäßstütze (Stent) oder eine Bypass-Operation. Ob Sie dafür infrage kommen, klärt das Behandlungsteam im Krankenhaus oder Herzkatheter-Labor.
Leben mit der Erkrankung
Mit Angina pectoris können Sie gut leben, wenn Sie Ihre Grenzen kennen und Ihren Alltag anpassen. Auf Reisen bedeutet das: früh losgehen, Pausen einplanen, nicht nach schweren Mahlzeiten weite Strecken gehen und immer wissen, wo Sie im Notfall Hilfe bekommen.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufgeben – das schützt Herz und Gefäße
- Stress abbauen und regelmäßig Pausen einhalten
- Sich regelmäßig bewegen, aber nur so stark, dass keine Beschwerden auftreten
- Übergewicht vermeiden oder langfristig reduzieren
- Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren lassen
Ernährung und Bewegung
Bevorzugen Sie eine bunte, pflanzliche Kost mit Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und gesunden Ölen. Reduzieren Sie stark verarbeitete Lebensmittel, viel Zucker und überschüssige tierische Fette. Bewegung ist ausdrücklich erwünscht – zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Lassen Sie sich bei der Auswahl eines passenden Bewegungsprogramms beraten, zum Beispiel für eine Herzsportgruppe.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Angina pectoris kann Angst auslösen und den Alltag verändern. Manche Menschen werden unsicher und vermeiden Anstrengung. Das ist verständlich. Es hilft, offen mit Angehörigen und dem Behandlungsteam zu sprechen und Entspannungsübungen zu lernen. Wenn Sie sich dauerhaft belastet fühlen, suchen Sie ärztliche Unterstützung. In einer seelischen Krise ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 oder der Notruf 112 für Sie da.
Vorbeugung
Eine Angina pectoris lässt sich nicht immer verhindern, weil auch die Erbanlagen eine Rolle spielen. Ein herzgesunder Lebensstil kann das Risiko aber deutlich senken und den Verlauf günstig beeinflussen.
Impfungen
Lassen Sie vor Reisen Ihren Impfschutz prüfen. Bei bestehender Herzerkrankung kann eine Grippeimpfung sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker sind wichtig, um Risiken früh zu erkennen. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Sie dabei begleiten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt
- Herzrhythmusstörungen
- Zunehmende Herzschwäche
- Plötzlicher Herztod
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung, regelmäßigen Kontrollen und einem aktiven, herzgesunden Lebensstil können Menschen mit Angina pectoris lange beschwerdearm leben. Auch viele Reisen sind gut möglich, wenn Sie sich gut vorbereiten und Ihre Grenzen beachten.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.