Angina pectoris: Beschwerden am Arbeitsplatz vorbeugen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina pectoris (auch: Brustenge) ist ein Symptom, das sich als drückender Schmerz oder Engegefühl in der Brust zeigt. Sie tritt auf, wenn der Herzmuskel vorübergehend zu wenig Sauerstoff bekommt – meist bei körperlicher Anstrengung oder Stress. Angina ist keine eigene Krankheit, sondern ein Warnsignal des Herzens.
Wichtige Fakten
- Angina pectoris ist ein Warnsignal, das auf eine verengte Herzkranzarterie hindeuten kann.
- Auslöser sind oft körperliche Belastung, Stress oder Kälte.
- Mit der richtigen Behandlung und einem herzgesunden Lebensstil können Sie viel tun.
- Bei plötzlichen oder länger dauernden Brustschmerzen immer Notruf 112 wählen.
Ja, Angina pectoris ist häufig. In Deutschland leben rund eine Million Menschen mit dieser Beschwerde. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen auf.
Angina betrifft meist Menschen über 50 Jahren. Männer erkranken früher als Frauen. Nach den Wechseljahren steigt auch das Risiko bei Frauen. Auch Menschen mit Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten sind häufiger betroffen.
Symptome
- Brustschmerzen, die länger als 5 Minuten anhalten
- Sehr starke Schmerzen, die auch in Ruhe auftreten
- Engegefühl mit Atemnot, Übelkeit, Schweißausbruch und Angst
- Neu aufgetretene oder sich schnell verschlimmernde Schmerzen
- Ohnmachtsgefühl oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Wiederholte Beschwerden, die sich bei leichter Anstrengung zeigen
- ⚠Neu aufgetretene Angina-Beschwerden innerhalb der letzten Stunden oder Tage
- ⚠Zunehmende Häufigkeit der Schmerzattacken – ärztliche Abklärung noch am selben Tag
Häufige Symptome
- Druck- oder Engegefühl in der Brust
- Schmerzen hinter dem Brustbein, manchmal ausstrahlend in linken Arm, Schulter, Kiefer oder Rücken
- Atemnot bei Belastung
- Schweißausbruch, Übelkeit, Schwindel
- Beschwerden, die nach wenigen Minuten wieder aufhören, wenn man sich ausruht
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist Angina pectoris sehr selten. Tritt Brustschmerz bei einem Kind auf, stecken meist harmlose Ursachen dahinter – dennoch sollte ein Arzt das Kind untersuchen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Beschwerden oft weniger deutlich. Es kann zu unbestimmten Beschwerden wie starker Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Übelkeit oder Bauchschmerzen kommen, ohne typischen Brustschmerz.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengte Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Arteriosklerose)
- Verkrampfung eines Herzkranzgefäßes (Koronarspasmus)
- Erhöhter Sauerstoffbedarf des Herzens bei schwerer Belastung, Stress oder Fieber
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhtes Cholesterin
- Diabetes
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- Ungesunde Ernährung
- Stress und Anspannung im Beruf
- Familiäre Vorbelastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal Brustschmerzen bei Belastung spüren – warten Sie nicht ab. Suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen haben, lassen Sie regelmäßig Ihr Herz-Kreislauf-System checken.
- Wenn sich Ihre bekannten Angina-Beschwerden verändern, zum Beispiel häufiger oder bei weniger Belastung auftreten.
- Wenn Sie beruflich stark belastet sind und Stress nicht bewältigen können – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt.
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, dem Ablauf, Auslösern und Ihrem Lebensstil. Danach folgen körperliche Untersuchung und Gerätetests. Ziel ist es, eine Herzkrankheit festzustellen oder auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) in Ruhe und bei Belastung (Belastungs-EKG)
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel Herz-Enzyme und Blutfette
- Langzeit-EKG über 24 Stunden
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie)
- Bei Verdacht: Herzkatheteruntersuchung zur Darstellung der Herzkranzgefäße
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen finden meist ambulant in der Arztpraxis oder im Krankenhaus statt. Sie dauern unterschiedlich lang – ein Belastungs-EKG dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Sie erhalten während der Untersuchungen klare Anweisungen und können jederzeit Fragen stellen. Die Ergebnisse bespricht der Arzt im Anschluss persönlich mit Ihnen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist, Ihre Beschwerden zu verringern, das Herz zu entlasten und einen Herzinfarkt zu verhindern. Die Behandlung besteht aus Lebensstiländerung, Medikamenten und – wenn nötig – einem Eingriff am Herzen. Ihr Arzt erstellt einen auf Sie abgestimmten Behandlungsplan.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei einer Angina-Attacke sofort anhalten, ausruhen und – falls verschrieben – eine vom Arzt empfohlene Notfallmedikation anwenden.
- Stress vermeiden oder bewusst Pausen einplanen
- Regelmäßige Bewegung nach ärztlicher Freigabe
- Rauchen aufgeben
- Gesundes Körpergewicht anstreben
- Entspannungsübungen wie Atemtechniken oder progressive Muskelentspannung erlernen
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung umfasst Mittel, die die Herzkranzgefäße erweitern, das Herz entlasten, den Blutdruck senken, das Blut verdünnen oder den Cholesterinspiegel verbessern. Ihr Arzt wählt die passende Medikation für Sie und erklärt Ihnen, wie und wann Sie die Mittel einnehmen. Nehmen Sie Ihre Medikamente immer genau nach Anweisung ein und sprechen Sie bei Fragen mit Ihrer Arztpraxis oder Apotheke.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Herzkranzgefäße stark verengt sind und Medikamente nicht ausreichen, kann ein Eingriff nötig sein. Übliche Verfahren sind die Ballonaufdehnung mit Stent (ein Röhrchen, das das Gefäß offen hält) oder eine Bypass-Operation, bei der ein Umgehungsgefäß das verengte Gefäß überbrückt. Ihr Kardiologe bespricht mit Ihnen, welche Methode für Sie in Frage kommt.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Angina können Sie Ihren Alltag gut bewältigen, wenn Sie auf Ihren Körper hören. Planen Sie Pausen ein, vermeiden Sie abrupte körperliche Anstrengung, und nehmen Sie sich Zeit zum Entspannen. Auch eine gute Organisation auf der Arbeit – zum Beispiel einfache Übungen gegen Stress, kurze Gehpausen und ein ruhiger Arbeitsplatz – hilft Ihnen, Beschwerden vorzubeugen.
Tipps für den Alltag
- Mit dem Rauchen aufhören
- Bewegung in den Alltag einbauen: Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen
- Stress reduzieren mit Yoga, Meditation oder Musik
- Genügend schlafen
- Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren
- Alkohol nur wenig trinken
Ernährung und Bewegung
Ernähren Sie sich überwiegend pflanzlich: viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und gesunde Öle. Weniger Salz, Zucker und gesättigte Fette aus Fleisch, Wurst und Fertigprodukten. Bewegung ist sehr wichtig, aber mit Zustimmung Ihres Arztes: Beginnen Sie mit 5 bis 10 Minuten Gehen am Tag und steigern Sie langsam. Ideal sind 30 Minuten leichte Ausdauerbewegung an den meisten Tagen, zum Beispiel zügiges Spazieren oder Radfahren.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Angina kann Angst machen und belastend sein. Viele Menschen sorgen sich vor einem Herzinfarkt. Das ist verständlich. Es hilft, mit dem Arzt über diese Ängste zu sprechen, Entspannungstechniken zu lernen und sich bei Bedarf psychologische Unterstützung zu suchen. Eine positive, sichere Haltung und ein guter Umgang mit Stress schützen Ihr Herz zusätzlich.
Vorbeugung
Ja, in vielen Fällen können Sie einer Angina pectoris vorbeugen oder ihr Fortschreiten aufhalten. Der wichtigste Schutz ist ein gesunder Lebensstil: nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, ausgewogen ernähren, Stress abbauen und Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin im Blick behalten. Lassen Sie Risikofaktoren regelmäßig ärztlich kontrollieren – ein gesundes Herz hat bessere Chancen.
Impfungen
Für Menschen mit Herzkrankheiten empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Grippeimpfung und eine COVID-19-Impfung. Lassen Sie sich am besten von Ihrer Arztpraxis beraten, welcher Impfschutz für Sie sinnvoll ist.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiger Check-up beim Hausarzt gehört zur Vorbeugung dazu: Blutdruck, Blutzucker und Blutfette werden gemessen. Bei familiärer Vorbelastung oder bestehenden Risikofaktoren kann Ihr Arzt auch ein Belastungs-EKG oder ein Herzecho veranlassen. Sprechen Sie bei dem Check-up Ihre Berufsbelastung an – der Arzt kann Ihnen Tipps für den Alltag geben.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (wenn eine Arterie plötzlich verschließt)
- Risiko für Herzrhythmusstörungen
- Dauerhafte Schädigung des Herzmuskels (Herzschwäche)
- Verschlechterung der Angina bis hin zu Ruhe-Angina
Langzeitprognose
Mit einer frühen Diagnose und einer passenden Behandlung ist die Prognose heute gut. Viele Menschen leben mit Angina pectoris viele Jahre ohne Einschränkungen. Wichtig ist, dass Sie die Krankheit ernst nehmen, regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen, sich herzgesund verhalten und ärztliche Kontrollen wahrnehmen. Dann können Sie weiterhin aktiv am Leben und am Arbeitsleben teilnehmen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung ↗ · Deutschland
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.