Diabetes: Regeln für Krankheitstage
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Diabetes-Krankentage-Regeln sind eine Anleitung für Menschen mit Diabetes, was sie tun sollen, wenn sie krank sind (zum Beispiel eine Erkältung oder Magen-Darm-Infektion haben). Sie helfen, gefährliche Schwankungen des Blutzuckers zu vermeiden.
Wichtige Fakten
- Bei Krankheit steigt der Blutzucker oft an, auch wenn Sie wenig essen.
- Messen Sie Ihren Blutzucker bei Krankheit alle 2 bis 4 Stunden.
- Trinken Sie viel zuckerfreie Flüssigkeit, zum Beispiel Wasser oder ungesüßten Tee.
- Setzen Sie Ihr Insulin oder Ihre Diabetes-Medikamente niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.
Ja, fast jeder Mensch mit Diabetes wird irgendwann krank. Daher ist es wichtig, die Regeln zu kennen.
Die Regeln gelten für alle Menschen mit Diabetes, egal ob Typ 1 oder Typ 2. Besonders wichtig sind sie für Menschen, die Insulin spritzen oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente einnehmen.
Symptome
- Sehr hoher Blutzucker (über 300 mg/dl) mit Übelkeit, Erbrechen und starkem Durst
- Bewusstseinsstörung oder Bewusstlosigkeit
- Schnelle, tiefe Atmung und fruchtiger Atem – möglich Anzeichen einer diabetischen Ketoazidose (Übersäuerung)
- Krampfanfälle
- ⚠Blutzucker über 250 mg/dl für mehr als 24 Stunden
- ⚠Fieber über 38,5 °C, das nicht fällt
- ⚠Erbrechen oder Durchfall, sodass Sie nichts bei sich behalten können
- ⚠Sie sind unsicher, wie Sie Ihre Medikamente anpassen sollen
Häufige Symptome
- Allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, Schnupfen, Husten oder Durchfall
- Erhöhter Blutzucker (über 200 mg/dl)
- Durst und häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit und Schwäche
Symptome bei Kindern
- Ungewöhnliche Müdigkeit oder Reizbarkeit
- Bauchschmerzen und Übelkeit
- Schnelle, tiefe Atmung (Kussmaul-Atmung)
- Fruchtiger Geruch aus dem Mund (Azeton) – ein Warnzeichen für Übersäuerung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Schläfrigkeit
- Starker Durst und trockene Haut
- Schwierigkeiten, ausreichend zu trinken
- Anstieg des Blutzuckers trotz weniger Essen
Ursachen
Hauptursachen
- Krankheiten wie Erkältung, Grippe, Magen-Darm-Infektion oder Harnwegsinfekt führen zu Stress im Körper und lassen den Blutzucker steigen.
- Fieber oder Durchfall können den Wasserhaushalt stören und die Insulinwirkung verändern.
- Weniger Essen während der Krankheit kann zu Unterzuckerung (Hypoglykämie) führen.
Risikofaktoren
- Diabetes Typ 1 (höheres Risiko für Ketoazidose)
- Nicht eingestellter Diabetes mit dauerhaft hohen Blutzuckerwerten
- Alter über 65 Jahre oder bestehende Nierenerkrankungen
- Gleichzeitige Einnahme von Medikamenten wie Kortison
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Übelkeit und Erbrechen über mehr als 4–6 Stunden
- Blutzucker über 250 mg/dl, der trotz der vereinbarten Regeln nicht sinkt
- Anzeichen einer Ketoazidose (Aceton-Geruch, schnelle Atmung, Verwirrtheit)
- Sie können keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen und fühlen sich sehr schwach
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sprechen Sie mit Ihrem Diabetes-Team, bevor Sie krank werden, um einen persönlichen Krankentagsplan zu erstellen.
- Wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihre Medikamente anpassen sollen, fragen Sie Ihren Hausarzt oder Diabetologen am selben Tag.
Diagnose
Es gibt keine spezielle Diagnose für die „Krankentage-Regeln“. Stattdessen messen Sie selbst regelmäßig Ihren Blutzucker und bei Typ-1-Diabetes zusätzlich die Ketonkörper im Urin oder Blut, um eine Entgleisung früh zu erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutzuckermessung (alle 2–4 Stunden)
- Urinteststreifen auf Ketonkörper (für Typ-1-Diabetes)
- Gegebenenfalls Blutzuckermessung mit Ketonmessgerät
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie lernen, gefährliche Veränderungen früh zu erkennen. Ihr Diabetes-Team wird mit Ihnen besprechen, wann Sie Ihren Arzt aufsuchen sollten. Für die meisten Erkältungen reicht die Selbstkontrolle zu Hause aus.
Behandlung
Die Behandlung während eines Krankentags zielt darauf ab, den Blutzucker stabil zu halten und Komplikationen zu vermeiden. Dazu gehören häufige Blutzuckermessungen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die richtige Anpassung der Diabetesmedikamente nach einem vorher besprochenen Plan.
Selbsthilfe zu Hause
- Messen Sie Ihren Blutzucker alle 2–4 Stunden, auch nachts.
- Trinken Sie jede Stunde ein Glas zuckerfreie Flüssigkeit (Wasser, ungesüßter Tee).
- Wenn Sie wenig essen können, essen Sie kleine Portionen kohlenhydrathaltiger Lebensmittel (z.B. Zwieback, Suppe).
- Nehmen Sie Ihre Diabetesmedikamente weiter, aber passen Sie die Dosis nach Absprache mit Ihrem Arzt an (niemals eigenmächtig absetzen).
- Prüfen Sie bei Typ-1-Diabetes alle 4 Stunden die Ketonkörper im Urin oder Blut.
Medizinische Behandlungen
Falls der Blutzucker trotz der Maßnahmen sehr hoch bleibt oder eine Ketoazidose droht, kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein. Dort erhalten Sie Flüssigkeit und Insulin über die Vene. Auch bei schwerer Unterzuckerung kann eine Behandlung durch den Notarzt oder im Krankenhaus erforderlich sein. Grundsätzlich werden die Medikamente individuell angepasst – Ihr Arzt oder Diabetesberater legt mit Ihnen gemeinsam fest, wie Sie Ihr Insulin oder andere blutzuckersenkende Arzneimittel bei Krankheit verändern sollten.
Wann kommt eine Operation infrage?
An dieser Stelle nicht relevant.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie voraus: Besprechen Sie mit Ihrem Diabetes-Team einen persönlichen Krankentagsplan. Halten Sie sich eine Liste mit wichtigen Telefonnummern (Arzt, Krankenhaus) bereit. Bewahren Sie zu Hause immer ausreichend Teststreifen, Insulin und Glukagon (falls verschrieben) auf.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Tagebuch mit Ihren Blutzuckerwerten und den besprochenen Regeln.
- Informieren Sie Ihre Familie oder Mitbewohner über die Anzeichen einer Unter- oder Überzuckerung.
- Tragen Sie immer einen Diabetes-Ausweis bei sich.
Ernährung und Bewegung
Bei Krankheit sollten Sie auf Sport verzichten. Achten Sie auf regelmäßige, kleine Mahlzeiten mit Kohlenhydraten, auch wenn Sie keinen Appetit haben. Bevorzugen Sie leichte Kost wie Brühe, Zwieback oder Joghurt. Wenn Ihnen übel ist, können Sie an Eiswürfeln lutschen oder Wasser schluckweise trinken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Krankheit kann zusätzlichen Stress bedeuten. Es ist normal, sich unsicher oder ängstlich zu fühlen. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und sich an Ihren Plan zu halten. Wenn die Sorge überhandnimmt, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt oder einer Diabetesberatung.
Vorbeugung
Sie können eine Krankheit nicht immer verhindern, aber sich vorbereiten. Lassen Sie sich gegen Grippe impfen (nach Rücksprache mit Ihrem Arzt). Halten Sie einen Vorrat an Teststreifen, Insulin und Notfallmedikamenten zu Hause. Besprechen Sie Ihren persönlichen Krankentagsplan frühzeitig mit Ihrem Diabetes-Team.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Menschen mit Diabetes eine jährliche Grippeschutzimpfung sowie eine Impfung gegen Pneumokokken. Fragen Sie Ihren Hausarzt, welche Impfungen für Sie geeignet sind.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Untersuchungen beim Diabetologen (z.B. alle 3–6 Monate) helfen, den Diabetes gut einzustellen. Wenn Sie Ihre Werte kennen, fällt die Anpassung im Krankheitsfall leichter.
Komplikationen
Unbehandelt
- Diabetische Ketoazidose (Übersäuerung des Blutes) – lebensbedrohlich, wenn nicht behandelt
- Schwere Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit Bewusstlosigkeit
- Austrocknung (Dehydrierung)
- Koma (Bewusstlosigkeit durch extreme Blutzuckerentgleisung)
- Krankenhausaufenthalt nötig
Langzeitprognose
Wenn Sie die Diabetes-Krankentage-Regeln befolgen, lassen sich schwere Komplikationen meist vermeiden. Die meisten Krankheiten verlaufen ohne größere Probleme. Mit einem guten Plan und enger Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam können Sie auch während einer Erkrankung sicher durch den Alltag kommen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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