Angina pectoris vorbeugen – was Sie selbst tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina (medizinisch: Angina pectoris) ist ein Druckschmerz oder Engegefühl in der Brust. Er entsteht, wenn der Herzmuskel kurzfristig zu wenig Sauerstoff bekommt – meist durch verengte Herzkranzgefäße.
Wichtige Fakten
- Angina ist ein Warnsignal des Herzens, aber kein Herzinfarkt.
- Sie tritt häufig bei körperlicher Anstrengung auf und bessert sich mit Ruhe.
- Mit einem gesunden Lebensstil und guter Behandlung lässt sich das Risiko deutlich senken.
Ja, Angina kommt häufig vor. In Deutschland haben viele Menschen eine koronare Herzkrankheit, bei der Angina als Symptom auftritt – besonders im höheren Alter.
Angina betrifft überwiegend ältere Menschen, Männer häufiger als Frauen. Auch Menschen mit Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzlich auftretender, starker Brustschmerz, der länger als 5 Minuten anhält
- Brustschmerz in Ruhe, ohne erkennbaren Auslöser
- Schmerzen mit schweren Begleitzeichen wie starkem Schwitzen, Übelkeit, Atemnot, Ohnmachtsgefühl oder Todesangst – rufen Sie sofort die 112
- ⚠Neu aufgetretene Angina-Beschwerden – stellen Sie sich noch am selben Tag bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vor
- ⚠Angina, die sich zunehmend verschlimmert: häufigere Anfälle, längere Dauer oder geringere Belastung reicht aus
- ⚠Abnehmende Belastbarkeit oder ungewohnte Beschwerden in Ruhe
Häufige Symptome
- Druck-, Enge- oder Brenngefühl hinter dem Brustbein
- Schmerzen, die in Schultern, Arme, Kiefer oder Rücken ausstrahlen können
- Kurzatmigkeit oder Atemnot
- Beschwerden, die bei Anstrengung oder Stress auftreten und in Ruhe nachlassen
- Mögliche Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Schweißausbruch oder Müdigkeit
Symptome bei Kindern
- Angina ist bei Kindern sehr selten. Brustschmerzen bei Kindern haben meist harmlose Ursachen wie Muskelverspannungen, sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen äußert sich Angina oft untypisch – zum Beispiel nur als Luftnot, starke Schwäche, Verwirrtheit, Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch, ohne deutlichen Brustschmerz.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengte Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Plaques) – dies ist die häufigste Ursache (Arteriosklerose)
- Ein Krampf einer Herzkranzarterie, der den Blutfluss vorübergehend einschränkt
- Eine erhöhte Sauerstoffnachfrage des Herzens, zum Beispiel bei schwerer Blutarmut oder sehr schnellem Herzschlag
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Diabetes mellitus
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung
- Dauerhafter Stress und negative Emotionen
- Alter und erbliche Veranlagung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie haben zum ersten Mal Beschwerden, die auf Angina hindeuten könnten
- Ihre bekannten Angina-Beschwerden werden häufiger, stärker oder dauern länger
- Beschwerden treten bereits bei sehr leichter Belastung oder in Ruhe auf
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder erhöhte Blutfette – lassen Sie sich regelmäßig durchchecken
- Sie möchten wissen, ob Sie eine Herzerkrankung haben oder nicht
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt spricht ausführlich mit Ihnen über Ihre Beschwerden und Ihre Risikofaktoren, hört Ihr Herz und Ihre Lunge ab und ordnet verschiedene Untersuchungen an.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – zeichnet die Herzströme auf, auch in Ruhe und unter Belastung
- Blutuntersuchung – zum Beispiel auf Blutfette, Blutzucker und Herzenzyme
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) – zeigt Herzgröße, Herzwand und Pumpleistung
- Belastungstests auf dem Fahrrad oder dem Laufband
- Manchmal: Herzkatheteruntersuchung oder Computertomografie der Herzkranzgefäße
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und werden ambulant durchgeführt. Sie bekommen vorher alle Schritte erklärt. Die Ergebnisse zeigen, ob Ihre Herzkranzgefäße verengt sind und wie gut Ihr Herz durchblutet ist.
Behandlung
Behandlung von Angina bedeutet: Beschwerden lindern, einen Herzinfarkt verhindern und die Ursache angehen – zum Beispiel verengte Gefäße behandeln und Risikofaktoren senken.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie verordnete Medikamente regelmäßig und genau nach Anweisung ein
- Stoppen Sie körperliche Aktivität sofort, wenn Beschwerden auftreten – Ruhe hilft meist
- Besprechen Sie mit Ihrem Team einen Notfallplan und halten Sie sich daran
- Bauen Sie im Alltag Stress ab – mit Pausen, Entspannungsübungen oder Achtsamkeit
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die die Gefäße erweitern, das Blut weniger dick machen, den Blutdruck senken oder die Blutfette verbessern. Welche Kombination für Sie am besten ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen. Ändern Sie niemals eigenmächtig die Dosierung oder setzen Sie Medikamente nicht selbst ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei stark ausgeprägten Verengungen können Eingriffe helfen – zum Beispiel das Aufdehnen des Gefäßes mit einem Stent (einem kleinen Röhrchen zur Stabilisierung) oder die Anlage eines Bypasses (Umgehungskreislauf). Das wird in der Regel dann empfohlen, wenn die Angina trotz Medikamenten stark einschränkt oder ein hohes Risiko für einen Herzinfarkt besteht.
Leben mit der Erkrankung
Mit der Diagnose Angina können Sie weiterhin ein erfülltes Leben führen. Strukturieren Sie Ihren Tag mit ausreichend Erholungsphasen, bewegen Sie sich regelmäßig, aber überfordern Sie sich nicht, und suchen Sie im Zweifel früh ärztlichen Rat.
Tipps für den Alltag
- Lassen Sie das Rauchen – das ist der wirksamste Einzelmaßnahme für Ihre Gefäße
- Bewegen Sie sich regelmäßig und in Ihrem Tempo – zum Beispiel täglich spazieren gehen
- Ernähren Sie sich reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Ölen
- Halten Sie Ihr Gewicht in einem gesunden Bereich
- Lernen Sie Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder Atemübungen
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung kann die Gefäße schützen – etwa mediterrane Kost mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, fettem Fisch und Olivenöl. Regelmäßige Bewegung wie zügiges Gehen, leichtes Radfahren oder Schwimmen verbessert die Durchblutung und senkt den Blutdruck. Sprechen Sie aber immer mit Ihrem Arzt, welche Intensität für Sie sicher ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor einem Anfall oder einem Herzinfarkt kann sehr belastend sein und den Körper zusätzlich unter Stress setzen. Sprechen Sie offen über Ihre Sorgen – mit Ihrer Familie, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in einer Herzsportgruppe. Auch psychologische Unterstützung oder Selbsthilfegruppen können sehr helfen.
Vorbeugung
Ja – Sie können selbst viel dafür tun, dass eine Angina gar nicht erst entsteht oder nicht schlimmer wird. Entscheidend sind ein gesunder Lebensstil, die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten sowie der vollständige Verzicht auf Zigaretten.
Impfungen
Eine Impfung gegen Angina gibt es nicht. Allerdings können Sie sich gegen Grippe und COVID-19 impfen lassen. Schwere Atemwegsinfekte belasten das Herz zusätzlich – wer geimpft ist, ist daher besser geschützt.
Früherkennungsprogramme
Nehmen Sie Vorsorgeuntersuchungen wahr: In Deutschland gehören dazu ab dem 35. Lebensjahr Messungen von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten – auch im Rahmen des Check-ups 35. So lassen sich Risikofaktoren früh erkennen und behandeln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelt kann eine Angina zu einem Herzinfarkt führen
- Es kann sich eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln
- Es können Herzrhythmusstörungen auftreten
Langzeitprognose
Mit der heutigen Behandlung und einem gesunden Lebensstil ist die Prognose gut. Viele Menschen bleiben jahrelang beschwerdearm und führen ein aktives Leben. Wichtig ist, dass Sie die Erkrankung ernst nehmen und regelmäßig ärztlich betreut werden.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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