Durchblutung checken: Früherkennung von Gefäßproblemen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einem Screening auf Durchblutungsstörungen wird untersucht, ob das Blut in Ihren Arterien und Venen gut fließt. Es geht vor allem darum, verengte oder verschlossene Gefäße früh zu erkennen – besonders in den Beinen. Das nennt man auch periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Je früher so etwas entdeckt wird, desto besser kann man behandeln und ernste Folgen verhindern.
Wichtige Fakten
- Die Untersuchung ist einfach und schmerzfrei – meist reichen Ultraschall und eine Blutdruckmessung an Armen und Knöcheln.
- Durchblutungsstörungen in den Beinen sind häufig, werden aber oft erst spät bemerkt, weil anfangs kaum Beschwerden auftreten.
- Mit einem früh erkannten Gefäßproblem kann man durch mehr Bewegung, gesunde Ernährung und ärztliche Behandlung viel erreichen.
Ja, Durchblutungsstörungen sind weit verbreitet. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko. Bei Menschen über 60 Jahren haben etwa jeder fünfte bis zehnte eine verengte Arterie in den Beinen, oft ohne es zu wissen.
Besonders betroffen sind Menschen, die rauchen, an Diabetes oder hohem Blutdruck leiden oder erhöhte Blutfettwerte haben. Auch ältere Menschen und Personen mit einer familiären Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Ein Bein oder Arm wird plötzlich blass, kalt und gefühllos – das kann auf ein akut verschlossenes Gefäß hinweisen.
- Starke Schmerzen in einem Bein, die in wenigen Minuten oder Stunden beginnen, ohne dass eine Verletzung vorliegt
- Der Puls am betroffenen Fuß oder Bein ist nicht mehr zu spüren
- Bei gleichzeitigem Brustschmerz, Atemnot oder Lähmungserscheinungen: sofort den Notruf 112 wählen
- ⚠Wunden an Zehen oder Füßen, die nicht abheilen
- ⚠Neu aufgetretene Schmerzen in den Beinen beim Gehen, die den Alltag stark einschränken
- ⚠Schwellung, Rötung oder Überwärmung eines Beins – das kann auf ein Blutgerinnsel hinweisen
- ⚠Fieber mit Schmerzen in einem Bein
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Krämpfe in den Waden beim Gehen oder Treppensteigen – sie verschwinden nach kurzer Pause wieder
- Kältegefühl in den Füßen oder Beinen
- Taubheitsgefühl oder ein schwacher Puls in Fuß oder Kniekehle
- Schlecht heilende Wunden an Zehen oder Füßen
- Blasse oder bläulich verfärbte Haut an den Beinen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schmerzen in den Beinen, die auch in Ruhe oder nachts auftreten und aufhören, wenn man die Beine herunterhängt
- Dünne, glänzende und trockene Haut an den Beinen
- Verlangsamtes Wachstum der Zehennägel
- Wunden an den Füßen, die kaum heilen
- Deutlich stärkere Ermüdung beim Gehen als früher
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose: Fett- und Kalkablagerungen in den Gefäßwänden verengen die Arterien und erschweren den Blutfluss.
- Blutgerinnsel: Ein Blutpfropf kann ein Gefäß plötzlich verschließen.
- Entzündungen der Gefäßwände: Sie sind seltener, können aber ebenfalls zu Durchblutungsstörungen führen.
Risikofaktoren
- Rauchen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Hoher Blutdruck
- Erhöhte Blutfette (Cholesterin)
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Lebensalter über 60
- Familiäre Vorbelastung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich auftretenden starken Schmerzen, blasser oder bläulicher Haut an einem Bein oder wenn der Puls nicht mehr tastbar ist – das ist ein Notfall.
- Bei offenen Wunden oder dunkel verfärbten Stellen an Zehen oder Füßen, die nicht heilen wollen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über 50 sind und ein oder mehrere Risikofaktoren haben – auch ohne Beschwerden lohnt sich eine Gefäßuntersuchung.
- Wenn Sie beim Gehen öfter Schmerzen in den Beinen verspüren, die nach einer Pause wieder aufhören.
- Wenn Sie Diabetes haben und regelmäßig Ihre Füße untersuchen lassen möchten.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Beschwerden, Risikofaktoren und Krankengeschichte. Danach fühlt sie oder er die Pulse an den Beinen, hört die Gefäße mit dem Stethoskop ab und misst den Blutdruck an Armen und Knöcheln. Aus diesen Werten wird ein Vergleichswert gebildet – der sogenannte Knöchel-Arm-Index. Bei einer Ultraschalluntersuchung kann man die Blutflussgeschwindigkeit und mögliche Engstellen sichtbar machen.
Mögliche Untersuchungen
- Anamnese und körperliche Untersuchung – Gespräch und Pulskontrolle
- Knöchel-Arm-Index-Messung (ABI) – Blutdruckmessung an Arm und Knöchel im Liegen
- Farbkodierte Duplexsonographie – Ultraschall zur Darstellung der Gefäße und des Blutflusses
- Bei unklaren Befunden: Angiographie (Röntgendarstellung der Gefäße mit Kontrastmittel) oder computertomographische Angiographie (CTA)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Basisuntersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Sie müssen dafür nur bequem liegen und die Beine freimachen. Möglicherweise werden Sie gebeten, ein paar Minuten zu gehen. Bei Verdacht auf eine Engstelle kann eine Ultraschalluntersuchung folgen. Sie bekommen die Ergebnisse meist direkt im Anschluss erklärt.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Durchblutung zu verbessern, Beschwerden zu lindern und Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern. Das geschieht in den meisten Fällen mit einer Kombination aus gesundem Lebensstil und Medikamenten, die Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette behandeln.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie möglichst täglich kurze Gehpausen ein: Ein Spaziergang von 20–30 Minuten fördert die Bildung von Umgehungskreisläufen.
- Pflegen Sie Ihre Füße sorgfältig: Täglich waschen, abtrocknen und auf kleine Verletzungen achten.
- Vermeiden Sie enges Schuhwerk und achten Sie auf warme Socken in der kalten Jahreszeit.
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – das ist der wichtigste Schritt für Ihre Gefäße.
- Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie eigenständig Nahrungsergänzungsmittel oder Fußbäder ausprobieren.
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Üblich sind Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, den Blutdruck senken oder die Blutfette reduzieren. Zusätzlich wird oft ein strukturiertes Gehtraining empfohlen – dazu gibt es spezielle Programme in der ärztlichen Praxis oder in Reha-Einrichtungen. Nehmen Sie Medikamente nur nach ärztlicher Anweisung ein und besprechen Sie Fragen oder Nebenwirkungen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn eine Engstelle das Gehen stark beeinträchtigt oder eine akute Gefahr für das Bein besteht, kann ein Eingriff nötig sein. Dabei wird die Engstelle meist mit einem Ballonkatheter aufgedehnt und manchmal eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt. In ausgeprägten Fällen ist auch eine Bypass-Operation möglich – dabei wird die Blutbahn mit einer körpereigenen oder künstlichen Ader überbrückt. Solche Eingriffe werden erst nach gründlicher Abklärung und nicht bei jeder Engstelle durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Durchblutungsstörung können Sie im Alltag viel tun, um gut zurechtzukommen. Planen Sie regelmäßige Gehpausen ein – am besten so oft wie möglich. Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich auf Risse, Druckstellen oder Hautveränderungen. Achten Sie auf warme, gut sitzende Schuhe und vermeiden Sie zu langes Sitzen oder Stehen. Auch kleine Tritte mit den Füßen fördern die Durchblutung.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufhören – Ihr Arzt kann Ihnen dabei helfen, es gibt viele unterstützende Angebote.
- Bewegen Sie sich regelmäßig: Gehen, Radfahren oder Schwimmen fördern die Durchblutung.
- Stress reduzieren – Entspannungsübungen oder Spaziergänge an der frischen Luft tun Körper und Seele gut.
- Nehmen Sie verordnete Medikamente zuverlässig ein und kontrollieren Sie Blutdruck und Blutzucker regelmäßig.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten – etwa aus Olivenöl oder Nüssen – unterstützt Ihre Gefäße. Auch fettreicher Fisch kann günstig sein. Bewegen Sie sich am besten mehrmals pro Woche für 30 Minuten. Wenn das Gehen schwerfällt, sind Yoga, sanfte Gymnastik oder Wassergymnastik gute Alternativen. Besprechen Sie Ihre Trainingsgewohnheiten mit Ihrem medizinischen Team.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Durchblutungsstörung kann verunsichern – manche Menschen fühlen sich ängstlich oder niedergeschlagen. Das ist eine normale Reaktion. Es hilft, mit der Ärztin oder dem Arzt über Sorgen zu sprechen. Auch der Austausch mit der Familie oder einer Selbsthilfegruppe gibt Kraft. Psychologische Unterstützung kann zusätzlich sinnvoll sein – scheuen Sie sich nicht, danach zu fragen.
Vorbeugung
Ein gutes Stück lässt sich durch einen gesunden Lebensstil verhindern. Wer nicht raucht, sich regelmäßig bewegt, ausgewogen isst und Blutdruck sowie Blutzucker im Blick behält, senkt sein Risiko deutlich. Wenn bereits erste Anzeichen da sind, kann die richtige Behandlung das Fortschreiten verlangsamen.
Impfungen
Auch Infekte können den Kreislauf belasten. Wichtig sind die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen, etwa gegen Grippe oder Lungenentzündung bei älteren Menschen. Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis, welche Impfungen für Sie persönlich sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit erhöhtem Risiko – zum Beispiel Raucherinnen und Raucher, Diabetikerinnen und Diabetiker oder Personen über 60 – wird eine Gefäßuntersuchung empfohlen, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen. Die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) geben dazu klare Empfehlungen. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten, ob für Sie ein Screening sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wunden an den Füßen heilen schlechter und können sich entzünden – im schlimmsten Fall droht eine Amputation.
- Ein unbehandelt verschlossenes Gefäß kann zu einem akuten Notfall führen, der das Bein gefährdet und sofort behandelt werden muss.
- Durchblutungsstörungen in den Beinen erhöhen auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, weil oft die gleichen Ursachen vorliegen.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Durchblutungsstörungen sind heutzutage gut behandelbar. Die Diagnose früh zu erkennen, ist der wichtigste Schritt. Mit einem gesunden Lebensstil, den richtigen Medikamenten und gezieltem Bewegungstraining bleiben die meisten Menschen auch mit einer Durchblutungsstörung lange beschwerdearm und aktiv. Sprechen Sie offen über Ihre Beschwerden und nehmen Sie die Unterstützung Ihres medizinischen Teams gerne an.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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