Herz-Screening: Das Herz frühzeitig im Blick behalten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Herz-Screening ist eine Vorsorgeuntersuchung für das Herz und die Blutgefäße. Dabei wird geprüft, ob Sie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben – zum Beispiel für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das Screening findet oft statt, bevor überhaupt Beschwerden auftreten. Es besteht aus einem Gespräch, einer körperlichen Untersuchung, einer Blutdruckmessung, Blutuntersuchungen und manchmal einer Herzstromkurve (EKG).
Wichtige Fakten
- Ein Herz-Screening kann helfen, Risiken wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes früh zu erkennen.
- Schon kleine Änderungen im Alltag – zum Beispiel mehr Bewegung und eine ausgewogene Ernährung – können das Herz schützen.
- Das Screening ersetzt keine ärztliche Untersuchung bei Beschwerden, ist aber eine gute Vorsorge für gesunde Menschen mit bestimmten Risikofaktoren.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen und sind eine der häufigsten Todesursachen. Deshalb ist ein Herz-Screening für viele Menschen sinnvoll – besonders für Personen mit Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen oder Bluthochdruck in der Familie.
Ein Herz-Screening ist vor allem für Erwachsene ab etwa 40 Jahren empfohlen. Aber auch jüngere Menschen mit familiärer Vorbelastung, bestimmten Vorerkrankungen oder einem ungesunden Lebensstil können von einer Untersuchung profitieren. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann gemeinsam mit Ihnen entscheiden, ob und wann ein Screening sinnvoll ist.
Symptome
- Starke Schmerzen oder ein starkes Druckgefühl in der Brust, das länger als ein paar Minuten anhält
- Sehr starke Atemnot, die auch in Ruhe nicht nachlässt
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Plötzliche Schwäche, Taubheit oder Lähmungserscheinungen im Gesicht oder in den Gliedern
- Wenn Sie vermuten, dass Sie oder eine andere Person einen Herzinfarkt oder Schlaganfall haben könnten
- ⚠Neu auftretendes Herzrasen oder Herzstolpern, das nicht wieder verschwindet
- ⚠Wiederkehrende Schmerzen in der Brust bei Anstrengung
- ⚠Wassereinlagerungen in den Beinen, die über Nacht nicht zurückgehen
- ⚠Anhaltender Schwindel oder Ohnmachtsgefühle
Häufige Symptome
- Engegefühl oder Schmerzen in der Brust, besonders bei Anstrengung
- Atemnot bei leichter körperlicher Aktivität
- Herzrasen oder ein unregelmäßiger Herzschlag
- Ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche
- Schwindel oder Benommenheit
- Wassereinlagerungen in den Beinen oder Knöcheln
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern fallen Herzprobleme oft durch rasche Erschöpfung beim Spielen oder Sport auf
- Blaue Verfärbung von Lippen oder Fingernägeln (Zyanose)
- Häufiges Herzrasen oder Herzstolpern
- Wachstumsverzögerung oder ungewöhnlich schlechte Gewichtszunahme
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Atemnot schon bei alltäglichen Dingen wie Treppensteigen
- Unklare Erschöpfung, die Sie früher nicht gespürt haben
- Schwindel beim Aufstehen oder plötzliches Schwächegefühl
- Neue oder ungewohnte Schmerzen in Brust, Schulter oder Oberbauch
Ursachen
Hauptursachen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen oft durch Ablagerungen in den Blutgefäßen – sogenannte Plaques. Sie verengen die Gefäße und erschweren den Blutfluss.
- Bluthochdruck kann das Herz auf Dauer schwächen oder die Gefäße schädigen.
- Erhöhte Blutfette, besonders LDL-Cholesterin, fördern die Entstehung dieser Ablagerungen.
- Diabetes (Zuckerkrankheit) kann Blutgefäße und Herznerven angreifen.
Risikofaktoren
- Rauchen oder regelmäßiger Konsum von Alkohol
- Übergewicht oder Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Fett, Zucker und Salz
- Dauerhafter Stress oder wenig Schlaf
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Brustschmerzen verspüren, sofort den Notruf 112 wählen.
- Wenn Sie ohnmächtig werden oder eine schwere Atemnot haben, ebenfalls sofort Hilfe holen.
- Wenn Sie neue oder unerklärliche Herzrhythmusstörungen bemerken, sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über 40 sind und Risikofaktoren haben
- Wenn in Ihrer Familie Herzinfarkte oder Schlaganfälle aufgetreten sind
- Wenn Sie einen ungesunden Lebensstil ändern möchten und wissen wollen, wie es um Ihr Herz steht
- Wenn Sie unter Bluthochdruck, Diabetes oder starkem Übergewicht leiden
Diagnose
Beim Herz-Screening fragt die Ärztin oder der Arzt zuerst nach Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und dem Lebensstil. Danach werden Blutdruck, Pulswert, Größe und Gewicht gemessen. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über Blutfette, Blutzucker und andere Werte. Oft wird auch eine Herzstromkurve (EKG, also Elektrokardiogramm) in Ruhe aufgezeichnet. Bei Bedarf folgen weitere Untersuchungen, zum Beispiel ein Belastungs-EKG oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie).
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch und körperliche Untersuchung
- Blutdruckmessung und Pulsmessung
- Blutentnahme zur Bestimmung von Cholesterin, Blutzucker und Nierenwerten
- Ruhe-EKG
- Belastungs-EKG oder Ultraschall des Herzens, wenn weitere Abklärung nötig ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern meist zwischen 20 und 40 Minuten. Beim EKG bringen Sie Klebeelektroden und Kabel auf Brust, Armen und Beinen an. Sie liegen dabei entspannt. Beim Belastungs-EKG treten Sie auf einem Fahrrad oder einem Laufband. Sie müssen keine Angst haben – alles geschieht in Ruhe und unter ärztlicher Aufsicht.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem persönlichen Risiko und den gefundenen Auffälligkeiten. Nicht jeder Befund muss sofort behandelt werden. Häufig stehen zuerst Veränderungen im Lebensstil im Mittelpunkt. Erst wenn diese nicht ausreichen, kommen Medikamente oder bei Bedarf auch ein Eingriff in Betracht.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Bewegung einbauen – schon 20 Minuten zügiges Gehen am Tag können das Herz unterstützen
- Mit dem Rauchen aufhören und Alkohol nur in Maßen genießen
- Stress reduzieren, zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder ausreichend Schlaf
- Auf ein gesundes Körpergewicht achten
- Vom Arzt oder der Ärztin empfohlene Kontrolltermine wahrnehmen
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die das Herz-Kreislauf-System entlasten – zum Beispiel solche, die den Blutdruck senken, das Cholesterin beeinflussen oder die Blutgerinnung verändern. Die genaue Auswahl hängt von Ihren persönlichen Werten und Vorerkrankungen ab. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Ihnen die Behandlung genau erklären. Nehmen Sie Medikamente nur so ein, wie sie verordnet wurden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Blutgefäße stark verengt sind oder ein Herzkranzgefäß komplett verschlossen ist, kann ein Eingriff nötig sein. Dazu gehören zum Beispiel das Einsetzen eines Stents (einer kleinen Gefäßstütze) oder eine Bypass-Operation. Diese Entscheidung wird immer individuell und im Gespräch mit den Fachärzten getroffen.
Leben mit der Erkrankung
Wenn bei Ihnen ein erhöhtes Risiko festgestellt wurde, heißt das nicht, dass Sie ständig an Ihr Herz denken müssen. Wichtig ist, den Alltag gesund zu gestalten, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen und auf Warnsignale des Körpers zu achten. Viele Menschen gewinnen durch ein Screenig Sicherheit und können aktiv etwas für sich tun.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Medikamente regelmäßig ein und führen Sie ein Medikamentenplan mit sich
- Vereinbaren Sie feste Zeiten für Spaziergänge oder leichte Ausdauersportarten
- Planen Sie Pausen und Entspannungsmomente bewusst ein
- Schlafen Sie ausreichend – etwa sieben bis acht Stunden pro Nacht
- Verzichten Sie aufs Rauchen und reduzieren Sie Alkohol
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung enthält viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und gesunde Öle – zum Beispiel Raps- oder Olivenöl. Tierische Fette und stark verarbeitete Lebensmittel sollten selten auf dem Speiseplan stehen. Zur Bewegung zählen nicht nur Sport, sondern auch Treppensteigen, Radfahren im Alltag und zügige Spaziergänge. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Arzt, welche Aktivitäten zu Ihnen passen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Untersuchungsergebnisse können Ängste auslösen – zum Beispiel Angst vor einem Herzinfarkt. Das ist ganz normal. Es hilft, mit der Ärztin oder dem Arzt offen über Sorgen zu sprechen. Auch ein Herzsport-Programm in einer Gruppe gibt Sicherheit und macht Mut. Wenn die Angst den Alltag stark belastet, scheuen Sie sich nicht, sich psychologische Unterstützung zu holen.
Vorbeugung
Man kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht immer vollständig verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Ein gesunder Lebensstil wirkt sich stark aus: nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, ausgewogen essen, Stress abbauen und regelmäßige Kontrollen nutzen.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission empfiehlt für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestimmte Impfungen, zum Beispiel gegen Grippe und COVID-19. Lassen Sie sich vor der Impfung ärztlich beraten, welche Impfungen für Sie persönlich sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland bieten die Krankenkassen für Erwachsene bestimmte Vorsorgeuntersuchungen an, darunter den allgemeinen Check-up bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Dieser Check-up kann Werte wie Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker prüfen. Wenn Sie zusätzlich ein spezielles Risiko vermuten, sprechen Sie Ihre Arztpraxis an. Eine Früherkennung ermöglicht ein rechtzeitiges Handeln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung kann ein dauerhaft hoher Blutdruck das Herz schwächen und zu Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen
- Verengte Herzkranzgefäße können einen Herzinfarkt auslösen
- Ablagerungen in den Hirngefäßen können einen Schlaganfall verursachen
- Ein unbehandeltes Vorhofflimmern erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfall
Langzeitprognose
Die gute Nachricht ist: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind heute gut behandelbar – besonders wenn sie früh erkannt werden. Viele Menschen leben mit einem hohen Risiko oder sogar mit einer Herzschwäche lange und aktiv, wenn sie ihre Behandlung ernst nehmen und ihren Lebensstil anpassen. Das Herz lässt sich durch Vorsorge und moderne Medizin sehr gut unterstützen. Sprechen Sie mit Ihrem medizinischen Team, um den bestmöglichen Weg für Sie zu finden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.