Herzstolpern und Herzrasen: Wann abklären lassen?
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Herzstolpern oder Herzrasen – medizinisch auch Palpitationen genannt – bedeutet, dass Sie Ihren Herzschlag ungewöhnlich stark, schnell oder unregelmäßig wahrnehmen. Das kann sich wie ein Stolpern, Flattern oder Aussetzen anfühlen. Palpitationen sind ein Symptom, keine eigene Krankheit. Eine Abklärung (Screening) soll herausfinden, ob eine harmlose Ursache vorliegt oder ob das Herz genauer behandelt werden muss.
Wichtige Fakten
- Herzstolpern ist weit verbreitet und in den meisten Fällen harmlos.
- Die Abklärung beginnt mit einem Gespräch, einem EKG und manchmal einem Langzeit-EKG.
- Warnzeichen wie Ohnmacht, starke Brustschmerzen oder Atemnot müssen sofort über die 112 abgeklärt werden.
- Koffein, Alkohol, Stress und Schlafmangel können Herzstolpern auslösen.
- Nach einer gründlichen Untersuchung bekommen die meisten Menschen eine beruhigende Antwort.
Ja. Fast jeder Mensch spürt irgendwann im Leben ein Herzstolpern oder Herzrasen, besonders bei Aufregung, Anstrengung, Stress oder nach dem Genuss von Kaffee oder Alkohol.
Herzstolpern kommt in jedem Alter vor. Bei jungen, gesunden Menschen ist es meist harmlos. Bei älteren Menschen, bei bekannten Herzerkrankungen oder bei zusätzlichen Warnzeichen ist eine ärztliche Abklärung besonders wichtig.
Symptome
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit – sofort die 112 rufen
- Starke Schmerzen oder ein starkes Engegefühl in der Brust – sofort die 112 rufen
- Herzrasen, das länger als einige Minuten anhält und nicht aufhört
- Schwere Atemnot in Ruhe
- Zeichen eines Schlaganfalls, zum Beispiel einseitige Lähmung, hängender Mundwinkel oder Sprachprobleme
- ⚠Wiederholtes Herzstolpern mit Schwindel oder Übelkeit
- ⚠Neu aufgetretenes Herzrasen mit Schwitzen oder Unwohlsein
- ⚠Herzbeschwerden bei bekannter Herzerkrankung
- ⚠Herzstolpern in der Schwangerschaft
Häufige Symptome
- Spürbar kräftiger Herzschlag
- Herzrasen oder schneller Puls
- Aussetzer oder Stolpern im Herzrhythmus
- Unregelmäßiges Herzklopfen
- Ein flatterndes Gefühl in der Brust
Symptome bei Kindern
- Kurzes Herzstolpern, das schnell wieder verschwindet
- Herzrasen bei Aufregung oder Sport
- Kind wirkt blass, müde oder unruhig
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Herzrasen schon bei leichter Anstrengung
- Unregelmäßiger Puls mit Schwindel
- Plötzliche Müdigkeit oder Kurzatmigkeit
- Herzklopfen, das nachts aufweckt
Ursachen
Hauptursachen
- Harmlose Extraschläge des Herzens (Extrasystolen)
- Stress, Anspannung oder Angst
- Koffein, Alkohol oder Nikotin
- Schlafmangel oder Erschöpfung
- Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern
- Schilddrüsenüberfunktion, Blutarmut oder Elektrolytstörungen
- Fieber, Flüssigkeitsmangel oder schwere körperliche Belastung
Risikofaktoren
- Hoher Blutdruck
- Herzerkrankungen oder Herzoperationen in der Vergangenheit
- Menschen über 60 Jahren
- Starker Koffein- oder Alkoholkonsum
- Erbliche Vorbelastung für Herzrhythmusstörungen
- Dauerhafter Schlafmangel oder chronischer Stress
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Herzstolpern mit Schwindel, Ohnmachtsgefühl oder Brustenge
- Herzrasen, das häufiger wird oder länger anhält
- Bekannte Herzerkrankung und neu veränderte Beschwerden
- Herzstolpern nach einer Ohnmacht
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Unregelmäßiges Herzklopfen ohne sonstige Symptome
- Wiederkehrendes Herzstolpern mehrfach in der Woche
- Herzstolpern, das nur bei Belastung auftritt
- Wenn Sie sich allgemein unsicher fühlen und eine ärztliche Einschätzung wünschen
Diagnose
Bei der Abklärung werden Sie ausführlich gefragt, wann und wie oft das Herzstolpern auftritt und ob weitere Beschwerden bestehen. Danach untersucht die Ärztin oder der Arzt Herz und Kreislauf mit speziellen Geräten. Die Untersuchungen orientieren sich an den aktuellen Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): misst die elektrischen Signale des Herzens
- Langzeit-EKG über 24 bis 48 Stunden: zeichnet den Herzrhythmus im Alltag auf
- Belastungs-EKG auf dem Fahrrad: zeigt, wie das Herz bei Anstrengung reagiert
- Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie): beurteilt Herzgröße, Herzklappen und Pumpleistung
- Blutuntersuchung: prüft Schilddrüsenwerte, Blutsalze und mögliche Blutarmut
- Event-Recorder: ein kleines Gerät, das Sie bei Beschwerden selbst auslösen und so den Moment des Herzstolperns aufzeichnen kann
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Wenn beim EKG gerade kein Herzstolpern auftritt, hilft ein Langzeit-EKG, das Herz über einen ganzen Tag zu beobachten. Sie können dabei normal leben und notieren, wann Sie Beschwerden spüren. Nach der Abklärung bespricht die Ärztin oder der Arzt die Ergebnisse verständlich mit Ihnen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der gefundenen Ursache ab. Bei harmlosen Palpitationen reicht meist schon die beruhigende Nachricht, dass das Herz gesund ist. Liegt eine behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung vor, stehen heute gut verträgliche und wirksame Behandlungen zur Verfügung.
Selbsthilfe zu Hause
- Koffein, Alkohol und Nikotin reduzieren
- Ausreichend und regelmäßig schlafen
- Stress mit Pausen, Entspannungsübungen oder Bewegung abbauen
- Ein Herz-Tagebuch führen: Datum, Uhrzeit, Situation und Dauer notieren
- Ausreichend trinken, damit der Kreislauf stabil bleibt
Medizinische Behandlungen
Je nach Art der Herzrhythmusstörung kann eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll sein, die den Herzschlag beruhigen oder den Rhythmus stabilisieren. Auch eine elektrische Kardioversion – ein kurzer kontrollierter Impuls, der den Herzrhythmus wieder normalisiert – oder eine Katheterablation, bei der krankhafte Stellen im Herzen verödet werden, sind mögliche Verfahren. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet die Kardiologin oder der Kardiologe gemeinsam mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation am offenen Herzen ist bei Palpitationen nur selten nötig. Sie kann aber sinnvoll sein, wenn eine Herzerkrankung wie eine verengte Herzklappe die Beschwerden verursacht. Auch ein Herzschrittmacher kann helfen, wenn der Herzschlag zu langsam oder sehr unregelmäßig ist.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie Ihren Körper und Ihre individuellen Auslöser kennen. Viele Menschen fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, dass ihr Herz medizinisch abgeklärt ist. Das Herz-Tagebuch kann dabei helfen, Muster zu erkennen und der Ärztin oder dem Arzt wichtige Hinweise zu geben.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber überfordern Sie sich nicht
- Nehmen Sie sich bewusst Auszeiten vom Alltagsstress
- Reduzieren Sie Kaffee, Energydrinks und Alkohol
- Halten Sie feste Schlafzeiten ein
- Vermeiden Sie extreme Belastungen nach einer Mahlzeit oder bei Hitze
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt das Herz. Moderate Bewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen – idealerweise an den meisten Tagen der Woche – stärkt das Herz-Kreislauf-System. Bei bekannten Herzrhythmusstörungen sollten Sie die geeignete Sportart vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abstimmen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Herzstolpern kann Angst machen, und Angst kann wiederum Herzklopfen verstärken. Es ist wichtig, über diese Ängste zu sprechen – mit der Ärztin oder dem Arzt, der Familie oder Menschen aus Ihrem Umfeld. Entspannungsverfahren wie Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeit können helfen, die Anspannung zu senken. Wenn die Angst sehr belastend ist, kann eine psychologische Unterstützung sinnvoll sein.
Vorbeugung
Nicht jede Herzrhythmusstörung lässt sich verhindern, denn manche Ursachen sind erblich bedingt. Aber ein gesunder Lebensstil und die Behandlung von Auslösern wie Bluthochdruck, Schilddrüsenproblemen oder Schlafmangel können das Risiko senken.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die Herzstolpern direkt verhindert. Vorbeugende Impfungen, zum Beispiel gegen Grippe, können jedoch schwere Infekte verhindern, die das Herz belasten und Herzrhythmusstörungen begünstigen können.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Herzstolpern bei beschwerdefreien Menschen wird nicht empfohlen. Wenn Sie Beschwerden haben oder ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen besteht, kann Ihre Hausärztin oder Ihr Kardiologe eine passende Kontrolluntersuchung planen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Herzrhythmusstörungen können die Pumpleistung des Herzens schwächen
- Vorhofflimmern kann das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen
- Schwere Herzrhythmusstörungen können zu Ohnmacht oder in seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Situationen führen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt sehr gut. Die häufigsten Ursachen von Herzstolpern sind harmlos und benötigen keine Behandlung. Wenn doch eine Herzrhythmusstörung vorliegt, gibt es heute viele wirksame Möglichkeiten, sie zu behandeln und Komplikationen zu vermeiden. Die meisten Menschen können mit einem normalen, aktiven Leben rechnen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.