Ödeme nach einer Herzerkrankung: Selbsthilfe zu Hause
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Ödem ist eine Schwellung, die durch eingelagerte Flüssigkeit im Gewebe entsteht. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sammelt sich diese Flüssigkeit oft in den Beinen, Knöcheln oder Füßen, weil das Herz nicht mehr genug Kraft hat, das Blut richtig durch den Körper zu pumpen. Die Schwellung kann auch im Bauch oder an anderen Stellen auftreten. Wenn die Grunderkrankung behandelt wird, lassen die Ödeme meist nach.
Wichtige Fakten
- Ödeme sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Zeichen für eine zugrunde liegende Störung, häufig eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
- Durch konsequente Behandlung der Ursache und einfache Maßnahmen zu Hause lassen sich Ödeme oft gut in den Griff bekommen.
- Eine tägliche Kontrolle des Gewichts und der Beinumfänge hilft, Flüssigkeitseinlagerungen früh zu erkennen.
Ja, geschätzte 2 bis 3 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Herzschwäche, und viele von ihnen leiden zeitweise unter Ödemen. Vor allem ältere Menschen sind betroffen.
Ödeme treten häufig bei Menschen mit einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) auf, aber auch bei Nieren-, Leber- oder Venenerkrankungen. Besonders gefährdet sind ältere Erwachsene, Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes sowie Personen, die viel sitzen oder liegen müssen.
Symptome
- Plötzliche Luftnot oder Atembeschwerden (kann auf ein Lungenödem hindeuten)
- Brustschmerzen oder ein starkes Druckgefühl im Brustkorb
- Husten mit schaumigem, blutigem Auswurf
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- ⚠Rasche Zunahme der Schwellung über wenige Tage, verbunden mit Gewichtszunahme (mehr als 2 kg in 3 Tagen)
- ⚠Zunehmende Atemnot auch im Sitzen oder bei leichter Anstrengung
- ⚠Starke Schmerzen oder Rötung in einem geschwollenen Bein (Zeichen einer möglichen Thrombose)
- ⚠Fieber mit geschwollenen, heißen Beinen
Häufige Symptome
- Schwellungen an den Füßen, Knöcheln oder Unterschenkeln, die oft nachmittags oder abends stärker sind und über Nacht nachlassen
- Schwellungen an den Händen oder im Gesicht, besonders morgens
- Eine bleibende Delle, wenn man auf die geschwollene Stelle drückt („Dellenödem“)
- Haut spannt oder glänzt, und Schuhe oder Ringe werden plötzlich zu eng
- Zunahme des Körpergewichts innerhalb weniger Tage (durch Flüssigkeitseinlagerung)
Symptome bei Kindern
- Ödeme bei Kindern können auf eine angeborene Herzfehlbildung, eine Nierenerkrankung oder eine Fehlfunktion der Lymphgefäße hinweisen.
- Achten Sie auf plötzlich geschwollene Augenlider, Hände oder Füße.
- Ein Kind mit Ödemen sollte immer zeitnah ärztlich untersucht werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft mehrere Grunderkrankungen, die Ödeme begünstigen, z. B. Herzschwäche, Venenschwäche oder Nierenprobleme.
- Die Schwellungen können die Beweglichkeit einschränken und das Sturzrisiko erhöhen.
- Auch die Haut ist dünner und kann leichter aufbrechen – achten Sie deshalb auf sorgfältige Pflege.
Ursachen
Hauptursachen
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz): Das Herz pumpt nicht mehr kräftig genug, sodass sich Blut und Flüssigkeit in den Beinen und der Lunge stauen.
- Nierenerkrankungen: Die Nieren scheiden weniger Wasser und Salz aus, was zu Flüssigkeitsansammlungen führt.
- Lebererkrankungen: Eine geschädigte Leber produziert zu wenig Eiweiß (Albumin), das Flüssigkeit in den Blutgefäßen hält. Dadurch tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus.
- Venenschwäche (venöse Insuffizienz): Die Venenklappen schließen nicht mehr richtig, Blut staut sich in den Beinen.
- Lymphödeme: Der Abtransport von Gewebeflüssigkeit über die Lymphbahnen ist gestört.
Risikofaktoren
- Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und erhöhte Blutfette
- Herzerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzklappenfehler oder Herzrhythmusstörungen
- Langes Sitzen oder Stehen, Bewegungsmangel
- Bestimmte Medikamente (z. B. einige Blutdrucksenker, Hormone, Schmerzmittel wie Ibuprofen) – fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker
- Hohe Salzzufuhr, da Salz Wasser im Körper bindet
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Schwellung plötzlich auftritt oder sich innerhalb von wenigen Tagen stark vergrößert
- Wenn Sie zunehmend Luftnot haben, vor allem im Liegen oder bei leichter Anstrengung
- Wenn ein Bein deutlich dicker, heiß, rot und schmerzhaft wird (Hinweis auf eine Thrombose)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn leichte Ödeme länger als eine Woche bestehen oder sich nicht durch Hochlegen der Beine bessern
- Wenn Sie eine bekannte Herzschwäche haben und regelmäßig Ihre Beine kontrollieren – vereinbaren Sie feste Kontrolltermine beim Kardiologen
- Wenn Sie trotz Behandlung eine unerklärliche Gewichtszunahme von mehr als 2 kg in einer Woche bemerken
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch ein Gespräch über Ihre Beschwerden und eine körperliche Untersuchung. Dabei tastet er die geschwollenen Stellen ab, hört Herz und Lunge ab und prüft auf eine mögliche Flüssigkeitsansammlung im Bauch. Blut- und Urinuntersuchungen helfen, die Ursache zu finden.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Abtasten der Schwellungen, Prüfen auf Dellen, Hören von Herz und Lunge
- Blutuntersuchungen: Nierenwerte, Leberwerte, Blutsalze (Elektrolyte), ein Eiweiß namens Albumin, sowie das Hormon BNP oder NT-proBNP bei Verdacht auf Herzschwäche
- Urinuntersuchung: auf Eiweiß oder Blut – Hinweise auf Nierenerkrankungen
- Ultraschall (Sonographie): des Herzens (Echokardiographie) oder der Beinvenen, um Herzfunktion und Venenklappen zu beurteilen
- EKG (Elektrokardiogramm): zur Beurteilung des Herzrhythmus und möglicher Durchblutungsstörungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Nach der Diagnose bespricht der Arzt mit Ihnen die Behandlung. Oft sind regelmäßige Kontrollen nötig, um die Therapie anzupassen. Sie erhalten klare Anweisungen, wie Sie Ihre Flüssigkeitsaufnahme und Ihr Gewicht kontrollieren können. Ein Tagebuch für Gewicht und Beschwerden kann hilfreich sein.
Behandlung
Die Behandlung von Ödemen richtet sich immer nach der Ursache. Bei Herzschwäche steht die Verbesserung der Herzfunktion im Vordergrund. Zusätzlich helfen entlastende Maßnahmen zu Hause, die Schwellungen zu verringern und Beschwerden zu lindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Lagern Sie die Beine mehrmals täglich für 20–30 Minuten hoch, sodass sie über Herzhöhe liegen (z. B. auf einem Kissen auf dem Sofa).
- Bewegen Sie sich regelmäßig, z. B. Spazierengehen, leichtes Radfahren oder Venengymnastik – vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen.
- Tragen Sie lockere Kleidung und Schuhe, die nicht einschnüren. Bei Bedarf können Kompressionsstrümpfe helfen – besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.
- Reduzieren Sie den Salzkonsum: Weniger Würzen mit Salz, Fertiggerichte meiden, mehr frische Kräuter verwenden.
- Trinken Sie nicht übermäßig viel – orientieren Sie sich an der von Ihrem Arzt empfohlenen Trinkmenge (oft 1,5–2 Liter pro Tag, außer bei bestimmten Nieren- oder Herzerkrankungen).
- Wiegen Sie sich täglich zur gleichen Zeit (morgens nach dem Toilettengang, ohne Kleidung) und notieren Sie das Gewicht – ein Anstieg von mehr als 1 kg über Nacht oder 2 kg in 3 Tagen ist ein Warnzeichen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache können Medikamente zum Einsatz kommen, die die Flüssigkeitsausscheidung fördern (sogenannte Diuretika oder entwässernde Mittel). Daneben werden Mittel gegeben, die die Herzfunktion stärken oder den Blutdruck senken. Die Dosierung wird individuell angepasst. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zu den für Sie geeigneten Wirkstoffen und der richtigen Anwendung beraten. Nehmen Sie keine Medikamente eigenmächtig ein oder ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur selten direkt wegen der Ödeme in Frage. Sie kann notwendig sein, wenn die Ursache der Ödeme durch einen operablen Herzfehler (z. B. defekte Herzklappe) oder schwerwiegende Venenprobleme (z. B. Krampfadern mit Geschwüren) bedingt ist. Ihr Arzt wird diese Option mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Mit Ödemen zu leben bedeutet, auf bestimmte Signale des Körpers zu achten. Führen Sie ein einfaches Tagebuch: notieren Sie morgens Ihr Gewicht, ob Ihre Beine geschwollen sind und wie Sie sich fühlen. So erkennen Sie Verschlechterungen früh. Planen Sie Ihren Tag mit Bewegung und Ruhepausen – legen Sie nach dem Mittagessen die Beine für 20 Minuten hoch. Verzichten Sie auf zu salziges Essen und achten Sie auf Ihre Trinkmenge.
Tipps für den Alltag
- Bewegung: Tägliche Spaziergänge (20–30 Minuten) fördern den Rücktransport von Flüssigkeit aus den Beinen. Auch Radfahren oder Schwimmen sind gut geeignet – fragen Sie Ihren Arzt, welche Aktivitäten für Sie sicher sind.
- Hochlagern der Beine: Mehrmals täglich, besonders nach längeren Phasen im Sitzen oder Stehen.
- Vermeiden von engen Kleidungsstücken: Keine zu engen Socken, Strümpfe oder Gürtel, die den Blutfluss behindern.
- Gewichtskontrolle: Tägliches Wiegen hilft, frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
- Fußpflege: Achten Sie auf trockene Haut und kleine Verletzungen – bei Ödemen heilen Wunden schlechter und können sich leicht infizieren.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, salzarme Ernährung ist bei Ödemen durch Herzschwäche besonders wichtig. Verwenden Sie frische Zutaten, Kräuter und Gewürze statt Salz. Achten Sie auf ausreichend Eiweiß (z. B. mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte), da Eiweiß hilft, Flüssigkeit in den Gefäßen zu halten. Bewegung wie Spazierengehen oder leichtes Radfahren regt den Kreislauf an und fördert den Flüssigkeitsabtransport. Bei fortgeschrittener Herzschwäche kann eine Herzsportgruppe unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll sein.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Ödeme können belasten: Sie fühlen sich vielleicht schwerfällig, haben Schmerzen oder schämen sich für die geschwollenen Beine. Es ist normal, sich manchmal niedergeschlagen oder ängstlich zu fühlen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder einer Vertrauensperson. Viele Krankenkassen bieten psychologische Beratung an. Wenn die Stimmung länger anhaltend gedrückt ist, suchen Sie bitte professionelle Hilfe – bei akuter Selbstgefährdung rufen Sie bitte sofort den Notruf 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117.
Vorbeugung
Ödeme lassen sich nicht immer verhindern, besonders wenn eine chronische Grunderkrankung vorliegt. Aber Sie können das Risiko für Flüssigkeitseinlagerungen senken: Achten Sie auf eine salzarme Ernährung, bewegen Sie sich regelmäßig, vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen, und wiegen Sie sich täglich. Wenn Sie eine Herzschwäche haben, nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig ein und nehmen Sie an den vereinbarten Kontrolluntersuchungen teil.
Impfungen
Gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken wird Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft eine Impfung empfohlen, um zusätzliche Infektionen zu vermeiden, die das Herz belasten können. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, ob die Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Früherkennung ist wichtig. Lassen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck und Ihr Gewicht prüfen. Einmal jährlich eine Gesundheitsuntersuchung („Check-up 35“) in der Hausarztpraxis kann Nieren- und Herzerkrankungen früh erkennen. Wenn Sie Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck haben, sollten die Werte engmaschig kontrolliert werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verschlechterung der Herzschwäche bis hin zur Dekompensation (Herz kann die Flüssigkeit nicht mehr bewältigen, Lungenödem mit akuter Atemnot)
- Hautveränderungen: dauerhafte Schwellung, Verhärtung (Fibrose), offene Wunden (Ulzera) am Unterschenkel, die schlecht heilen
- Hautinfektionen (Cellulitis, Erysipel) durch Bakterien in der überdehnten Haut
- Thrombose (Blutgerinnsel) in den Beinvenen – bei Schwellung, Schmerz und Wärmegefühl sofort ärztliche Hilfe holen
Langzeitprognose
Die Prognose hängt stark von der Grunderkrankung ab. Mit einer konsequenten Behandlung der Herzschwäche oder der zugrunde liegenden Störung lassen sich Ödeme in den meisten Fällen gut kontrollieren. Viele Menschen können trotz Ödemen ein aktives Leben führen, wenn sie die Selbsthilfemaßnahmen umsetzen und regelmäßige Arztbesuche wahrnehmen. Neue Therapien verbessern die Lebensqualität stetig. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre persönliche Prognose – es gibt Grund zur Hoffnung.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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