Unterdruck-Wundtherapie
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Unterdruck-Wundtherapie (NPWT, von „negative pressure wound therapy“) ist eine Behandlungsmethode für Wunden, die schwer heilen. Dabei wird ein spezieller Wundverband luftdicht über die Wunde geklebt. Eine kleine Pumpe erzeugt einen leichten Unterdruck – das bedeutet, sie saugt sanft Flüssigkeit und Wundsekret ab. Dadurch schwillt die Wunde weniger an, Bakterien werden entfernt und die Heilung wird angeregt.
Wichtige Fakten
- Die Therapie verringert Schwellungen und beugt Infektionen vor.
- Der Unterdruck zieht die Wundränder zusammen, sodass die Wunde sich schneller schließt.
- Sie wird oft bei chronischen Wunden (z. B. Druckgeschwüren, diabetischen Fußwunden) oder infizierten OP-Wunden eingesetzt.
Ja, die Unterdruck-Wundtherapie ist ein etabliertes Verfahren. In Deutschland wird sie nach den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) für viele schlecht heilende Wunden empfohlen.
Die Behandlung richtet sich an Menschen aller Altersgruppen, die eine komplizierte Wunde haben – etwa nach einer Operation, durch langes Liegen (Dekubitus) oder bei diabetischem Fußsyndrom. Auch bei Brandverletzungen oder Hauttransplantationen kommt sie zum Einsatz.
Symptome
- Plötzliche starke Schmerzen in der Wunde, die nicht nachlassen.
- Fieber, Schüttelfrost oder Verwirrtheit – dies können Zeichen einer schweren Infektion (Sepsis) sein.
- Die Wunde blutet plötzlich stark oder die Pumpe zeigt einen gefährlichen Fehler an.
- ⚠Der Verband ist undicht, sodass die Pumpe keinen Unterdruck mehr aufbauen kann.
- ⚠Die Wunde wird plötzlich sehr rot, heiß oder es tritt übelriechende Flüssigkeit aus.
- ⚠Die Pumpe piept ständig oder zeigt einen Alarm, den Sie nicht selbst beheben können.
Häufige Symptome
- Die Wunde heilt trotz normaler Pflege nicht oder nur sehr langsam.
- Die Wunde ist tief, hat große Flächen oder zeigt Anzeichen einer Infektion (Rötung, Schwellung, übler Geruch).
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird NPWT manchmal nach schweren Verletzungen oder Operationen eingesetzt, wenn die Wunde besonders geschützt werden muss.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen erhalten NPWT häufig bei Druckgeschwüren (Dekubitus) oder Beingeschwüren, die durch schlechte Durchblutung oder langes Liegen entstehen.
Ursachen
Hauptursachen
- Wunden, die mit herkömmlichen Verbänden nicht gut heilen – zum Beispiel aufgrund von Infektionen, Durchblutungsstörungen oder Gewebeschäden.
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes oder venöse Insuffizienz (geschwächte Venenfunktion).
Risikofaktoren
- Langes Liegen oder Sitzen (bei Druckgeschwüren).
- Rauchen, das die Durchblutung verschlechtert.
- Mangelernährung oder Übergewicht.
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Chemotherapie oder Medikamente).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder starke Schmerzen in der Wunde bemerken – rufen Sie 112 oder suchen Sie sofort ärztliche Hilfe auf.
- Wenn die Wunde plötzlich stark blutet oder sich der Allgemeinzustand verschlechtert.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Halten Sie sich an die vereinbarten Kontrolltermine beim Wundteam oder Chirurgen.
- Wenn Sie Fragen zur Handhabung des Geräts haben oder der Verband wechseln muss.
Diagnose
Ihr Arzt oder eine speziell ausgebildete Wundfachkraft beurteilt die Wunde genau. Dazu gehört die Messung der Größe, Tiefe und des Zustands des Gewebes. Auch mögliche Infektionen werden geprüft. Erst danach wird entschieden, ob NPWT die richtige Behandlung für Sie ist.
Mögliche Untersuchungen
- Wundabstrich – um Bakterien nachzuweisen.
- Blutuntersuchungen – zum Beispiel auf Entzündungswerte.
- Manchmal eine Ultraschalluntersuchung, um die Durchblutung zu prüfen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor dem Anlegen des Verbandes wird die Wunde gereinigt und eventuell abgestorbenes Gewebe entfernt. Dann klebt die Fachkraft den speziellen Schaumstoff oder eine Wundauflage auf die Wunde, bedeckt alles mit einer Folie und schließt die Pumpe an. Die Pumpe ist klein und leicht – Sie können sich damit meist zu Hause frei bewegen.
Behandlung
Die Unterdruck-Wundtherapie ist eine aktive Behandlung: Die Pumpe saugt sanft Wundflüssigkeit ab, verringert Schwellungen und regt die Durchblutung an. Der Unterdruck (negative pressure) hilft auch, die Wundränder zusammenzuziehen. Die Therapie wird meist über mehrere Tage oder Wochen durchgeführt, je nach Wundheilung.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie darauf, dass der Verband immer luftdicht bleibt – kein Wasser oder Schmutz eindringen kann.
- Duschen nur mit wasserdichtem Schutz über dem Verband, Baden ist nicht erlaubt.
- Melden Sie Alarmtöne der Pumpe sofort Ihrem Wundteam – sie bedeuten meist einen Druckverlust oder ein technisches Problem.
- Bewegen Sie sich so viel wie möglich, solange die Pumpe nicht stört – leichte Bewegung fördert die Heilung.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt wird die Stärke des Unterdrucks individuell einstellen. Manchmal ist vor NPWT eine operative Reinigung der Wunde (chirurgisches Débridement) nötig. Liegt eine Infektion vor, können zusätzlich Antibiotika gegeben werden – immer nach ärztlicher Verordnung. Die Verbände werden alle 2–3 Tage gewechselt, bei starker Sekretion auch öfter.
Wann kommt eine Operation infrage?
In bestimmten Fällen wird NPWT vor einer Hauttransplantation oder Lappenplastik eingesetzt, um die Wunde für den Eingriff vorzubereiten. Auch nach einer solchen Operation kann die Therapie die Einheilung unterstützen. Ihr Chirurg bespricht diese Möglichkeit mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Sie tragen die Pumpe entweder am Gürtel, in einer Umhängetasche oder an einem Schultergurt. Das Gerät ist leise und arbeitet meist im Dauerbetrieb. Sie können alltägliche Dinge wie Sitzen, Gehen oder leichte Hausarbeit erledigen. Vermeiden Sie Sportarten mit starken Erschütterungen oder nassen Umgebungen.
Tipps für den Alltag
- Rauchstopp verbessert die Durchblutung und unterstützt die Wundheilung.
- Vermeiden Sie Druck auf die Wunde, zum Beispiel durch zu langes Sitzen in derselben Position.
- Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob bestimmte Bewegungen (wie Autofahren) für Sie sicher sind.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen (z. B. aus magerem Fleisch, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse) hilft dem Körper, neues Gewebe aufzubauen. Leichte Bewegung, wie Spazierengehen, fördert die Durchblutung – aber nur, wenn die Wunde und die Pumpe es zulassen. Fragen Sie Ihr Wundteam nach einem individuellen Plan.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Wunde, die nicht heilen will, und die Abhängigkeit von einem Gerät können belasten. Viele Menschen fühlen sich unsicher oder genervt. Diese Gefühle sind normal. Es kann helfen, mit vertrauten Personen oder einem Psychologen zu sprechen. In Deutschland gibt es auch Wundzentren, die psychosoziale Unterstützung anbieten.
Vorbeugung
NPWT ist eine Behandlung, die man nicht direkt verhindern kann – sie wird erst eingesetzt, wenn eine Wunde nicht normal heilt. Aber Sie können das Risiko für komplizierte Wunden senken: durch gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und Rauchverzicht. Bei bettlägerigen Menschen hilft häufiges Umlagern, Druckgeschwüren vorzubeugen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn eine Wunde, die NPWT braucht, nicht richtig behandelt wird, kann sie größer werden, sich infizieren oder sogar auf Knochen oder Sehnen übergreifen (Knochenentzündung, Osteomyelitis).
- Im schlimmsten Fall kann sich eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen erleben mit der Unterdruck-Wundtherapie eine deutliche Verbesserung ihrer Wunde. Die Behandlung ist gut erforscht und wird stetig weiterentwickelt. Mit Geduld und guter Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam haben Sie sehr gute Chancen, dass Ihre Wunde heilt und Sie wieder mehr Lebensqualität gewinnen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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