Fragen vor dem Arztbesuch: Arterien
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ist eine Durchblutungsstörung in den Beinarterien. Dabei lagern sich Fette, Kalk und andere Stoffe an den Innenwänden der Arterien ab, sodass diese enger werden. Das Blut kann nicht mehr gut fließen, besonders bei Belastung.
Wichtige Fakten
- PAVK betrifft vor allem die Arterien in den Beinen, seltener auch in den Armen.
- Rauchen ist der stärkste Risikofaktor – wer raucht, hat ein sehr viel höheres Risiko.
- Durch Behandlung und Änderung des Lebensstils kann die Krankheit oft gut aufgehalten werden.
Ja, die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist recht häufig. In Deutschland leiden etwa 4 bis 5 Millionen Menschen daran, vor allem Menschen über 60 Jahre.
PAVK tritt meist bei älteren Menschen auf, aber auch jüngere Erwachsene mit Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck können betroffen sein. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
- Plötzlich auftretender, starker Schmerz in einem Bein oder Arm, verbunden mit Taubheitsgefühl, Kälte und blasser oder bläulicher Haut – das kann ein akuter Arterienverschluss sein.
- Wenn ein Bein oder Arm plötzlich blass und kalt wird und Sie es kaum noch bewegen können, rufen Sie sofort den Notruf 112.
- ⚠Offene Wunden an den Füßen, die nicht heilen oder schwarz aussehen.
- ⚠Starke Schmerzen in Ruhe, auch nachts, die mit Hochlagern schlimmer werden.
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Krämpfe in den Beinen beim Gehen, die nach kurzem Stehenbleiben wieder verschwinden (Schaufensterkrankheit).
- Kältegefühl in den Füßen oder Beinen.
- Wunden oder Geschwüre an den Füßen, die schlecht heilen.
Symptome bei Kindern
- PAVK bei Kindern ist sehr selten. Falls doch, können Symptome wie Schmerzen beim Gehen oder eine bläuliche Verfärbung der Haut auftreten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Schmerzen auch in Ruhe auftreten, vor allem nachts.
- Die Haut an den Unterschenkeln kann dünner, glänzend und blass sein.
- Füße fühlen sich oft kalt an, der Puls an den Fußrücken ist schwach oder nicht tastbar.
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose – Ablagerungen (Plaques) verengen die Arterien.
- Entzündungen der Gefäße (Vaskulitis) – seltener.
- Verletzungen oder Blutgerinnsel, die ein Gefäß verstopfen.
Risikofaktoren
- Rauchen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Hohes Alter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Schmerzen in einem Bein haben und es kalt und blass wird.
- Wenn sich eine Wunde am Fuß nicht bessert oder schwarz verfärbt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie beim Gehen immer wieder Schmerzen in den Waden haben, die nach kurzer Pause aufhören.
- Wenn Sie Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck haben und neue Symptome bemerken.
Diagnose
Der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und Ihrem Lebensstil. Er tastet Ihren Puls an den Beinen und Füßen und misst den Blutdruck im Vergleich zwischen Arm und Knöchel.
Mögliche Untersuchungen
- Knöchel-Arm-Index (ABI) – Blutdruckmessung an Knöchel und Arm, um Durchblutungsstörungen zu erkennen.
- Doppler-Sonografie – Ultraschall, der die Blutströmung in den Arterien sichtbar macht.
- Gehtest – Sie gehen auf einem Laufband, um zu sehen, wie weit Sie gehen können, bevor Schmerzen auftreten.
- Bei Bedarf: Angiografie (Röntgen mit Kontrastmittel) oder CT/MRT-Angiografie für genauere Bilder.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern etwa 30 Minuten bis eine Stunde. Sie können danach normal nach Hause gehen. Bei der Angiografie wird ein Kontrastmittel gespritzt, das kurz ein Wärmegefühl auslösen kann.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Durchblutung zu verbessern, Schmerzen zu lindern und Komplikationen wie Wunden oder Amputationen zu verhindern. Sie besteht aus Änderungen des Lebensstils, Medikamenten und bei Bedarf einem Eingriff.
Selbsthilfe zu Hause
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – das ist der wichtigste Schritt.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, am besten mit einem strukturierten Gehtraining (z. B. täglich 30–60 Minuten Gehen bis zum Schmerz, dann kurze Pause).
- Achten Sie auf Ihre Füße: Tägliche Fußpflege, gut sitzende Schuhe, keine zu engen Socken.
- Ernähren Sie sich ausgewogen mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und wenig gesättigten Fetten.
Medizinische Behandlungen
Je nach Schweregrad können blutverdünnende Medikamente (Thrombozytenaggregationshemmer) oder cholesterinsenkende Medikamente (Statine) verordnet werden. Auch durchblutungsfördernde Mittel kommen zum Einsatz. Die genaue Auswahl trifft Ihr Arzt – besprechen Sie alle Optionen mit ihm.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Gehtraining und Medikamente nicht ausreichen oder die Beschwerden sehr stark sind, kann ein Eingriff nötig sein. Mögliche Verfahren sind die Aufdehnung der Engstelle mit einem Ballon (Ballonangioplastie) und Einsetzen einer kleinen Stütze (Stent) oder eine Bypass-Operation, bei der eine Umleitung um die verengte Stelle gelegt wird.
Leben mit der Erkrankung
Mit PAVK können Sie weiterhin ein aktives Leben führen, aber Sie müssen auf Ihre Symptome achten. Planen Sie regelmäßige Gehpausen ein. Vermeiden Sie Kälte und Verletzungen an den Füßen.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufgeben – das verbessert die Durchblutung und senkt das Risiko für einen Verschluss.
- Regelmäßiges Gehtraining: Täglich so weit gehen, bis leichte Schmerzen auftreten, dann kurz ausruhen und weitergehen.
- Gesunde Ernährung mit wenig Salz und Fett.
- Stress reduzieren, z. B. durch Entspannungsübungen oder leichte Bewegung.
Ernährung und Bewegung
Eine mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Nüssen, Olivenöl und Fisch kann helfen, die Arterien zu schützen. Bewegung ist sehr wichtig – am besten ein tägliches Gehprogramm. Fragen Sie Ihren Arzt oder eine Gefäßselbsthilfegruppe nach einem geeigneten Trainingsplan.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung wie PAVK kann belasten. Vielleicht machen Sie sich Sorgen um Ihre Zukunft oder fühlen sich eingeschränkt. Das ist normal. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder suchen Sie Austausch in einer Selbsthilfegruppe. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit ist es gut, auch psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Vorbeugung
Sie können das Risiko für PAVK deutlich senken, indem Sie nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, gesund essen und Ihre Blutdruck- sowie Blutfettwerte im Auge behalten. Wenn Sie bereits Diabetes haben, ist eine gute Blutzuckereinstellung besonders wichtig.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen über 65 Jahre oder mit mehreren Risikofaktoren kann der Arzt eine Untersuchung des Knöchel-Arm-Index (ABI) empfehlen. Das ist kein Routine-Screening, aber bei Beschwerden sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreiten der Durchblutungsstörung – die Schmerzen treten immer früher auf, auch in Ruhe.
- Schlecht heilende Wunden, Geschwüre an den Füßen.
- Gewebe stirbt ab (Nekrose), was zu einer Amputation führen kann.
- Akuter Arterienverschluss – ein Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung und konsequenten Änderungen des Lebensstils lässt sich die PAVK meist gut kontrollieren. Viele Menschen können ihre Beschwerden deutlich verbessern und eine Verschlechterung vermeiden. Auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist, kann sie fast immer aufgehalten werden – und die Prognose ist umso besser, je früher Sie handeln.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
- Gefäßliga e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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