Falls clinic assessment overview
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Sturzambulanz ist eine spezielle Untersuchungsstelle (oft in Krankenhäusern oder Reha-Zentren), die Menschen mit Sturzrisiko oder nach einem Sturz umfassend beurteilt. Ziel ist es, die Ursachen für Stürze zu finden und Maßnahmen zu empfehlen, um zukünftige Stürze zu verhindern. Die Untersuchung wird von einem Team aus Ärzten, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten durchgeführt.
Wichtige Fakten
- Die Sturzambulanz richtet sich an Menschen, die bereits gestürzt sind oder Angst vor Stürzen haben.
- Die Untersuchung umfasst Tests zu Gleichgewicht, Gang, Sehen, Hören, Medikamenten und Umgebungsfaktoren.
- Die häufigste Folge von Stürzen ist eine Oberschenkelhalsfraktur (Bruch des Oberschenkelknochens am Hüftgelenk).
- Viele Stürze sind durch gezielte Präventionsmaßnahmen vermeidbar.
Stürze gehören zu den häufigsten Unfallursachen im Alltag, besonders bei älteren Menschen. Etwa jeder dritte Mensch über 65 Jahre stürzt einmal pro Jahr.
Betroffen sind vor allem ältere Menschen (ab 65 Jahren), aber auch jüngere mit bestimmten Erkrankungen (z.B. Parkinson, Multiple Sklerose), nach Operationen oder bei Sehproblemen.
Symptome
- Sturz mit starken Schmerzen, sichtbarer Verformung oder Unfähigkeit, sich zu bewegen (Verdacht auf Knochenbruch)
- Sturz mit Kopfanprall und Bewusstlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Verwirrtheit
- Sturz mit Atemnot oder starken Blutungen
- ⚠Sturz ohne ernsthafte Verletzung, aber mit Schwindel oder starker Übelkeit
- ⚠Mehrere Stürze innerhalb kurzer Zeit ohne klare Ursache
- ⚠Sturz nach Medikamentenumstellung oder plötzlicher Schwäche
Häufige Symptome
- Gefühl von Unsicherheit beim Stehen oder Gehen
- Schwindel oder Benommenheit
- Häufiges Stolpern oder Festhalten an Möbeln
- Angst vor Stürzen (Sturzangst)
Symptome bei Kindern
- Häufige Stürze beim Laufenlernen oder bei ungewohnten Aktivitäten
- Stürze mit Bewusstlosigkeit oder Kopfanstoß
- Plötzliches Stolpern ohne ersichtlichen Grund
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stürze aus dem Stand oder beim Umdrehen
- Verschlechterung des Gleichgewichts beim Gehen
- Blutdruckschwankungen beim Aufstehen (Orthostase – Kreislaufproblem beim Lagewechsel)
- Verminderte Muskelkraft in den Beinen
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingter Abbau von Muskelkraft, Gleichgewicht und Sehvermögen
- Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel, Schlafmittel)
- Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Parkinson, Schlaganfallfolgen)
- Umgebungsrisiken wie lose Teppiche, schlechte Beleuchtung, rutschige Böden
Risikofaktoren
- Alter über 65 Jahre
- Vorherige Stürze
- Gleichgewichtsstörungen oder Gehbehinderung
- Einnahme von vier oder mehr Medikamenten (Polypharmazie)
- Sinneseinschränkungen (Seh- oder Hörverlust)
- Unzureichende Bewegung und Muskelabbau
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach einem Sturz mit Schmerzen, Schwellung oder Bluterguss (Möglichkeit einer Fraktur)
- Sturz mit Kopfanprall, auch ohne Bewusstlosigkeit
- Plötzlicher Schwindel oder Schwächegefühl nach einem Sturz
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bereits gestürzt sind und die Ursache unklar ist
- Wenn Sie Angst vor Stürzen haben und Präventionsmaßnahmen besprechen möchten
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass Gleichgewicht oder Gang unsicher geworden sind
Diagnose
Die Sturzambulanz führt eine umfassende Beurteilung durch, die als „multidimensionales Sturzassessment“ bezeichnet wird. Dabei werden mehrere Bereiche gleichzeitig untersucht.
Mögliche Untersuchungen
- Gang- und Gleichgewichtstests (z.B. „Timed-Up-and-Go“-Test – Zeit für Aufstehen und Gehen messen)
- Seh- und Hörtest
- Blutdruckmessung im Liegen und Stehen (Orthostase-Test)
- Überprüfung aller eingenommenen Medikamente auf Risiken
- Bewertung der häuslichen Umgebung (Stolperfallen, Beleuchtung, Hilfsmittel)
- Muskelkraft- und Koordinationstests
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin dauert etwa 1 bis 2 Stunden. Sie werden befragt zu Ihren Stürzen, Ihrer Gesundheit und Ihrem Alltag. Danach folgen praktische Tests. Anschließend besprechen die Fachkräfte mit Ihnen die Ergebnisse und empfehlen individuelle Maßnahmen, z.B. ein Übungsprogramm, Anpassungen zu Hause oder eine Überprüfung der Medikamente.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Sturzursachen zu beseitigen oder zu mildern. Sie besteht aus einer Kombination von Übungen, Veränderungen im Alltag und gegebenenfalls medizinischer Behandlung von Grunderkrankungen.
Selbsthilfe zu Hause
- Tägliches Gleichgewichtstraining (z.B. Tai Chi, Yoga, spezielle Übungen auf Anleitung)
- Sturzprävention zu Hause: lose Teppiche entfernen, Kabel wegräumen, gute Beleuchtung schaffen
- Sturzrisiko durch Medikamentenplanung (mit Arzt oder Apotheker besprechen)
- Sichere Schuhe mit rutschfester Sohle tragen
- Bei Seh- oder Hörproblemen: regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt bzw. HNO-Arzt
Medizinische Behandlungen
Falls Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Blutdruckschwankungen, Parkinson oder Sehstörungen die Ursache sind, wird der Arzt diese behandeln. Dies kann die Anpassung von Blutdruckmedikamenten oder die Behandlung eines Schwindelsyndroms umfassen. Auch die Überprüfung und Reduzierung von unnötigen Medikamenten (sogenanntes Medikamentenmanagement) gehört dazu.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn durch einen Sturz bereits ein Knochenbruch (z.B. Oberschenkelhalsbruch) aufgetreten ist, kann eine Operation notwendig werden. Die Sturzambulanz selbst führt keine Operationen durch, sondern verweist an die entsprechenden Fachabteilungen.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit erhöhtem Sturzrisiko bedeutet, bewusst auf Sicherheit zu achten und gleichzeitig aktiv zu bleiben. Planen Sie tägliche Bewegung ein und nutzen Sie Hilfsmittel wie Gehstock oder Rollator, wenn sie empfohlen wurden.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung zur Stärkung von Muskeln und Gleichgewicht (z.B. Spaziergänge, Physiotherapie)
- Ausreichend Flüssigkeit trinken, um Kreislaufprobleme zu vermeiden
- Vorsicht beim Umdrehen oder plötzlichen Aufstehen
- Haus umgestalten: Haltegriffe in Bad und WC, Nachtlichter, rutschfeste Matten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin D und Kalzium (z.B. Milchprodukte, grünes Gemüse) unterstützt die Knochengesundheit. Bewegung wie Krafttraining oder Gleichgewichtsübungen hilft, Stürze zu vermeiden. Lassen Sie sich von der Sturzambulanz oder einem Physiotherapeuten individuelle Übungen zeigen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Angst vor Stürzen kann zu sozialem Rückzug führen. Das verstärkt wiederum Muskelabbau und Sturzrisiko. Es ist wichtig, diese Ängste offen anzusprechen. Psychologische Unterstützung oder der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen können helfen.
Vorbeugung
Ja, viele Stürze sind vermeidbar. Eine Kombination aus Bewegung, sicherem Wohnumfeld und regelmäßiger ärztlicher Kontrolle reduziert das Risiko deutlich. Die Leitlinien der AWMF empfehlen ein standardisiertes Sturzassessment für Risikogruppen.
Impfungen
nicht direkt relevant, aber Impfungen gegen Grippe oder Pneumokokken können indirekt helfen, da Infekte zu Schwäche und Stürzen führen können.
Früherkennungsprogramme
Die Sturzambulanz selbst ist ein Screening-Angebot. Für Menschen über 65 Jahren empfiehlt die AWMF-Leitlinie regelmäßige Sturzrisikobewertungen durch den Hausarzt, z.B. jährlich.
Komplikationen
Unbehandelt
- Oberschenkelhalsfraktur (Bruch des Oberschenkelknochens am Hüftgelenk) – dies führt oft zu längerer Bettlägerigkeit und Pflegebedürftigkeit
- Schädel-Hirn-Trauma (Verletzung des Gehirns durch Sturz auf den Kopf), besonders bei blutverdünnenden Medikamenten
- Sturzangst, die zu Bewegungsmangel und sozialer Isolation führt
- Weitere Stürze mit Verletzungen im Sinne eines Teufelskreises
Langzeitprognose
Mit der richtigen Unterstützung und Prävention kann das Sturzrisiko deutlich gesenkt werden. Die meisten Menschen, die eine Sturzambulanz besuchen, erlangen mehr Sicherheit im Alltag und erleben weniger Stürze. Frühzeitig ergriffene Maßnahmen verbessern die Lebensqualität und erhalten die Selbstständigkeit.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2026
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