angina at night
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina bei Nacht bedeutet, dass Sie Brustschmerzen oder ein Engegefühl in der Brust verspüren, während Sie schlafen oder im Liegen. Das Herz erhält dann nicht genug Sauerstoff-reiches Blut. Mediziner nennen das auch ‚nächtliche Angina‘ oder ‚Angina decubitus‘. Es ist ein wichtiges Warnsignal, dass die Herzkranzgefäße verengt oder verkrampft sind.
Wichtige Fakten
- Angina bei Nacht tritt oft auf, wenn man flach liegt, weil das Herz dann mehr arbeiten muss.
- Die Schmerzen können Sie aus dem Schlaf wecken und sind meist ein Zeichen für eine koronare Herzkrankheit (KHK).
- Eine andere Form ist die Prinzmetal-Angina, die durch Krämpfe der Herzkranzgefäße ausgelöst wird.
- Unbehandelt kann sie zu einem Herzinfarkt führen – wer nachts Brustschmerzen hat, sollte immer ärztlichen Rat einholen.
Nächtliche Angina ist seltener als die Angina, die tagsüber bei Belastung auftritt. Dennoch ist sie ein ernstzunehmendes Symptom, das bei etwa 10 bis 20 Prozent der Menschen mit koronarer Herzkrankheit vorkommen kann.
Sie betrifft vor allem Menschen mit fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit, ältere Erwachsene sowie Personen mit Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder hohem Cholesterin.
Symptome
- Starke Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und nicht nachlassen
- Schmerzen, die von Atemnot, starkem Schwitzen, Übelkeit oder Erbrechen begleitet werden
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder das Gefühl, ohnmächtig zu werden
- Wenn Sie denken, Sie könnten einen Herzinfarkt haben – zögern Sie nicht, wählen Sie sofort 112.
- ⚠Neu aufgetretene Brustschmerzen in Ruhe oder nachts, auch wenn sie nur kurz anhalten
- ⚠Verschlechterung einer bekannten Angina: Die Attacken kommen häufiger, dauern länger oder sind stärker
- ⚠Brustschmerzen, die nach Einnahme der üblichen Medikamente (wie Nitro-Spray) nicht besser werden
Häufige Symptome
- Druck-, Enge- oder Schweregefühl in der Brust, oft hinter dem Brustbein
- Schmerzen, die in den linken Arm, den Kiefer, den Hals oder den Rücken ausstrahlen können
- Kurzatmigkeit oder Atemnot
- Übelkeit oder Schweißausbrüche
- Unruhe oder Angstgefühl während der Attacke
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist eine nächtliche Angina sehr selten. Tritt sie auf, kann sie auf angeborene Herzfehler oder Entzündungen der Herzkranzgefäße hinweisen.
- Kinder klagen oft eher über Bauchschmerzen, Übelkeit oder extreme Müdigkeit als über typische Brustschmerzen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen verspüren häufig weniger starke Brustschmerzen, stattdessen eher Atemnot, Schwäche oder Verwirrtheit.
- Die Symptome können mit Sodbrennen oder anderen Magen-Darm-Beschwerden verwechselt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Koronare Herzkrankheit (KHK): Verengung der Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose (Ablagerungen, sogenannte Plaques)
- Prinzmetal-Angina: Vorübergehende Krämpfe der Herzkranzgefäße, die den Blutfluss einschränken
- Herzklappenerkrankungen, wie eine verengte Aortenklappe
- Nächtlicher Blutdruckabfall oder erhöhter Sauerstoffbedarf des Herzens im Liegen
Risikofaktoren
- Rauchen und Passivrauchen
- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Diabetes mellitus
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung (viel Fett, Zucker, Salz)
- Starker Stress oder Schlafmangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme, wenn Sie nachts zum ersten Mal Brustschmerzen haben.
- Wenn Sie bereits eine Angina kennen und die Beschwerden sich verändern (häufiger, stärker, länger).
- Wenn die Schmerzen von Atemnot, Übelkeit, Schweißausbrüchen oder Angst begleitet werden.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vereinbaren Sie einen Termin beim Hausarzt oder Kardiologen, wenn Sie wiederkehrende Brustschmerzen in Ruhe oder nachts bemerken.
- Auch wenn die Schmerzen nur kurz sind und von selbst wieder verschwinden, sollten sie abgeklärt werden.
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch ein ausführliches Gespräch (Anamnese), eine körperliche Untersuchung und verschiedene Tests. Dabei wird geprüft, ob die Herzkranzgefäße verengt sind oder ob andere Ursachen vorliegen.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG und Belastungs-EKG (Herzstrommessung)
- Langzeit-EKG über 24 Stunden, um Herzrhythmusstörungen zu erfassen
- Blutuntersuchung auf Herzenzyme und Risikofaktoren
- Herzultraschall (Echokardiographie)
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie) – der Goldstandard, um Verengungen sichtbar zu machen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Zuerst wird Ihr Arzt Ihre Krankengeschichte aufnehmen. Danach folgen in der Regel ein EKG und eine Blutabnahme. Je nach Befund können weitere Untersuchungen wie ein Belastungstest oder eine Herzkatheteruntersuchung nötig sein. Die Diagnose dauert oft einige Tage, aber bei akuten Beschwerden erfolgt sie stationär.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Durchblutung des Herzens zu verbessern, die Symptome zu lindern und das Risiko für einen Herzinfarkt zu senken. Sie besteht aus einer Kombination von Lebensstiländerungen, Medikamenten und – falls nötig – Eingriffen an den Herzkranzgefäßen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei einer nächtlichen Angina-Attacke: Setzen Sie sich aufrecht hin oder stehen Sie auf, das entlastet das Herz.
- Vermeiden Sie schwere Mahlzeiten am Abend, da sie das Herz belasten können.
- Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper, zum Beispiel mit einem zusätzlichen Kissen.
- Halten Sie Notfallmedikamente (wie Nitrospray) nach ärztlicher Anweisung griffbereit.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung umfasst Mittel, die die Herzkranzgefäße erweitern (wie Nitrate), die Herzfrequenz senken (Beta-Blocker) oder die Blutgerinnung hemmen (Thrombozytenaggregationshemmer). Zudem werden oft Statine zur Cholesterinsenkung und Blutdrucksenker eingesetzt. Die genaue Auswahl und Dosierung legt der Arzt individuell fest. Wichtig: Nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Verordnung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Verengungen der Herzkranzgefäße sehr stark sind oder durch Medikamente nicht ausreichend behandelt werden können, kommen Eingriffe wie eine Ballonaufdehnung (perkutane Koronarintervention, PCI) mit Stent-Einlage oder eine Bypass-Operation in Frage. Ihr Kardiologe wird mit Ihnen besprechen, welche Methode für Sie am besten geeignet ist.
Leben mit der Erkrankung
Mit nächtlicher Angina können Sie gut leben, wenn Sie die Behandlung konsequent umsetzen und auf Ihren Körper achten. Achten Sie auf Warnsignale wie plötzliche Brustschmerzen oder Atemnot und handeln Sie entsprechend (Notfallplan mit Ihrem Arzt besprechen).
Tipps für den Alltag
- Mit dem Rauchen aufhören – das ist der wichtigste Schritt.
- Gesund essen: viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und gesunde Fette (z. B. Olivenöl).
- Sich regelmäßig bewegen, aber nicht überanstrengen – am besten in Absprache mit Ihrem Arzt.
- Stress abbauen: Entspannungstechniken wie autogenes Training oder leichte Yoga-Übungen können helfen.
- Auf ausreichend Schlaf achten – Schlafmangel kann Angina-Attacken begünstigen.
Ernährung und Bewegung
Eine mediterrane Ernährung (viel Gemüse, Fisch, Olivenöl, Nüsse) kann die Gefäße schützen. Vermeiden Sie fettreiche, salzige und stark zuckerhaltige Speisen. Moderate Bewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen für 30 Minuten an den meisten Tagen ist empfehlenswert. Beginnen Sie langsam und steigern Sie sich – Ihr Arzt oder eine Herzsportgruppe kann Sie dabei unterstützen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische oder wiederkehrende Schmerzen können Ängste auslösen – etwa die Angst vor einem Herzinfarkt oder dem Tod. Das ist verständlich und belastend. Wenn Sie sich oft ängstlich oder niedergeschlagen fühlen, scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Psychologische Unterstützung oder eine Herzgruppe können helfen, mit der Belastung umzugehen.
Vorbeugung
Ja, zu einem großen Teil. Indem Sie die Risikofaktoren für Arteriosklerose vermeiden oder behandeln, können Sie der Entstehung einer Angina vorbeugen. Dazu gehören: Nichtrauchen, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gewichtskontrolle und die Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiger Check-up beim Hausarzt (mindestens alle 1-2 Jahre) hilft, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören Blutdruckmessen, Blutfett- und Blutzuckerwerte. Bei erhöhtem Risiko kann der Arzt auch ein Belastungs-EKG oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens empfehlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
- Herzrhythmusstörungen, die lebensbedrohlich sein können
- Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz)
- Plötzlicher Herztod
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung ist die Prognose für Menschen mit nächtlicher Angina heute gut. Die meisten können ihre Symptome unter Kontrolle bringen und ein aktives, erfülltes Leben führen. Wichtig ist, die Behandlung langfristig durchzuhalten und regelmäßige Kontrollen wahrzunehmen. Die moderne Medizin bietet viele Möglichkeiten, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Komplikationen zu vermeiden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2026
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