artery at night
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Wenn von „Arterie in der Nacht“ die Rede ist, geht es meist um Durchblutungsstörungen in den Beinen, die nachts stärker spürbar werden. Die verengten oder verkalkten Arterien (Arteriosklerose) liefern dann nicht genug Sauerstoff – vor allem im Liegen, wenn die Beine auf gleicher Höhe mit dem Herzen sind. Das führt oft zu Schmerzen oder Krämpfen in den Waden oder Füßen.
Wichtige Fakten
- Die Beschwerden treten typischerweise nachts im Bett auf, wenn die Beine ruhig liegen.
- Bewegung wie Herumgehen oder die Beine herunterhängen lassen kann die Schmerzen lindern.
- Eine frühzeitige Behandlung kann die Lebensqualität verbessern und schwere Komplikationen verhindern.
- Die häufigste Ursache ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch „Schaufensterkrankheit“ genannt.
Ja, Durchblutungsstörungen der Beine sind verbreitet, besonders bei Menschen über 60 Jahren. Nachtschmerzen treten bei etwa jedem fünften Betroffenen mit pAVK auf.
Vor allem Menschen mit Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, hohen Cholesterinwerten oder langjährigem Bewegungsmangel. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
- Plötzlicher, starker Schmerz in einem Bein oder Fuß, der nicht nachlässt
- Das Bein wird blass, kalt und fühlt sich taub an
- Sie können den Fuß oder die Zehen kaum noch bewegen
- Bei diesen Anzeichen sofort den Notruf 112 wählen – es könnte ein akuter Gefäßverschluss vorliegen.
- ⚠Wenn die nächtlichen Schmerzen zunehmen und sich durch Bewegung nicht bessern
- ⚠Wenn sich eine Wunde am Fuß oder Bein nicht innerhalb weniger Tage bessert
- ⚠Wenn der Fuß oder das Bein anschwillt oder sich verfärbt
Häufige Symptome
- Schmerzen, Krämpfe oder ein unangenehmes Ziehen in den Waden, Füßen oder Zehen nachts im Bett
- Die Schmerzen bessern sich, wenn Sie die Beine herunterhängen lassen oder aufstehen und umhergehen
- Taubheitsgefühl oder Kältegefühl in den Füßen
- Die Haut an den Beinen kann blass oder bläulich erscheinen
- Wunden an den Füßen oder Zehen heilen schlecht
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind solche nächtlichen Beinschmerzen selten und eher auf harmlose Wachstumsschmerzen zurückzuführen. Treten jedoch kalte Füße, blasse Haut oder Schmerzen beim Gehen auf, sollte ein Arzt die Durchblutung prüfen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen stehen oft mehrere Risikofaktoren zusammen: Rauchen in der Vergangenheit, Diabetes, Bluthochdruck.
- Die Schmerzen können auch tagsüber beim Gehen auftreten (Schaufensterkrankheit) und sich nachts verstärken.
- Offene Stellen an den Zehen oder Fersen (Beingeschwüre) sind ein Warnzeichen.
Ursachen
Hauptursachen
- Arterienverkalkung (Arteriosklerose): Fett- und Kalkablagerungen verengen die Blutgefäße in den Beinen.
- Dabei wird die Durchblutung im Liegen schlechter, weil die Schwerkraft nicht hilft, das Blut in die Beine zu drücken.
Risikofaktoren
- Rauchen (stärkster Risikofaktor)
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Bewegungsmangel und Übergewicht
- Alter über 60 Jahre
- Familienvorerkrankungen mit Arterienverkalkung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, anhaltenden Schmerzen in einem Bein oder Fuß (siehe Notfall).
- Wenn ein Bein kalt, blass und gefühllos wird.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nachts regelmäßig Schmerzen in den Beinen haben, die nach Bewegung verschwinden.
- Wenn Sie beim Gehen Schmerzen in den Waden oder im Gesäß bemerken (Schaufensterkrankheit).
- Wenn Wunden an den Füßen oder Zehen schlecht heilen.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin fragt nach Ihren Beschwerden, Ihren Lebensgewohnheiten und Risikofaktoren. Dann wird der Puls an den Beinen getastet und die Durchblutung gemessen.
Mögliche Untersuchungen
- Knöchel-Arm-Index (ABI-Messung): Blutdruckmessung am Knöchel und am Oberarm. Ein niedriger Wert deutet auf eine Durchblutungsstörung hin.
- Ultraschalluntersuchung (Doppler-Sonografie): Zeigt Verengungen oder Verschlüsse in den Arterien.
- Gehtest: Auf einem Laufband wird gemessen, wie weit Sie gehen können, bis Schmerzen auftreten.
- Bei Bedarf: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) mit Kontrastmittel – diese sind aber nicht immer nötig.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern meist zwischen 15 und 30 Minuten. Sie können dabei normal essen und Ihre Medikamente wie gewohnt einnehmen. Besprechen Sie vorher mit dem Arzt, ob Sie blutverdünnende Mittel absetzen müssen.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Durchblutung zu verbessern, Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Arterienverkalkung zu stoppen. Das gelingt oft durch eine Kombination aus Bewegung, Lebensstiländerung und – wenn nötig – medikamentöser oder operativer Hilfe.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßiges Gehtraining: Täglich so weit gehen, bis die Schmerzen einsetzen, dann kurz pausieren und weitergehen. Das fördert die Bildung von Umgehungskreisläufen (Kollateralen).
- Füße gut pflegen: Täglich auf Wunden und Druckstellen kontrollieren, weiche Schuhe tragen, Nägel vorsichtig schneiden.
- Beine nachts tief lagern: Hängen Sie die Beine aus dem Bett oder legen Sie ein Kissen unter die Matratze, sodass die Beine etwas tiefer liegen.
- Nicht rauchen: Rauchen ist der stärkste Risikofaktor – ein Rauchstopp verbessert die Durchblutung sofort.
- Gesunde Ernährung mit wenig gesättigten Fetten und viel Obst, Gemüse und Vollkorn.
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann Medikamente verschreiben, die die Blutgerinnung hemmen (Thrombozytenaggregationshemmer) oder die Gefäße erweitern (Prostaglandinanaloga). Auch Cholesterinsenker und Blutdruckmittel sind oft nötig. Diese Behandlungen werden immer individuell angepasst – fragen Sie Ihren Arzt nach dem für Sie passenden Plan.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Beschwerden trotz Gehtraining und Medikamenten unerträglich sind, offene Wunden nicht heilen oder ein akuter Gefäßverschluss droht, kommen minimalinvasive Verfahren in Frage: Ballondilatation (Aufweitung mit einem Katheter) oder eine Bypass-Operation. Diese Entscheidung trifft der Gefäßchirurg.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Durchblutungsstörung der Beine ist ein aktives Leben möglich. Hören Sie auf Ihren Körper: Bei Schmerzen kurz Pause machen, aber bleiben Sie in Bewegung. Kleine Veränderungen wie das Hochlegen der Beine oder das Tragen bequemer, warmer Socken können viel bewirken.
Tipps für den Alltag
- Geben Sie das Rauchen auf – das ist der wichtigste Schritt.
- Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen ohne Unterbrechung.
- Schützen Sie Ihre Füße vor Kälte und Verletzungen.
- Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck und Blutzucker regelmäßig
- Suchen Sie beim Fußpfleger medizinische Fußpflege.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Ballaststoffen, Obst und Gemüse und wenig tierischen Fetten hilft, die Gefäße zu schützen. Bewegung ist die beste „Medizin“: Ein täglicher Spaziergang von 30 bis 60 Minuten kann die Gehstrecke deutlich verbessern. Bei Schmerzen langsamer gehen – aber dranbleiben.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und die Sorge vor einem Fortschreiten der Erkrankung können belasten. Manche Menschen fühlen sich unsicher oder werden ängstlich. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle kann helfen. Bei starker Belastung wenden Sie sich an Ihren Hausarzt – er kann an eine Psychotherapie vermitteln.
Vorbeugung
Ja, mit einem gesunden Lebensstil können Sie das Risiko für Arterienverkalkung deutlich senken. Wer raucht, sollte aufhören; wer sich wenig bewegt, kann mit dem Gehtraining beginnen. Auch eine gute Einstellung von Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin ist wichtig.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein offizielles Screening für pAVK in der Allgemeinbevölkerung. Menschen mit familiärer Vorbelastung oder Risikofaktoren sollten regelmäßig ihren Hausarzt aufsuchen und auf Durchblutungsstörungen untersuchen lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verschlimmerung der Schmerzen – auch tagsüber beim Gehen (Schaufensterkrankheit).
- Offene, schlecht heilende Wunden (Beingeschwüre) an Füßen oder Zehen.
- Absterben von Gewebe (Gangrän), das im schlimmsten Fall eine Amputation erfordert.
- Akuter Gefäßverschluss mit sofortigem Notfall – Lebensgefahr für das Bein.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute viel besser als früher. Mit regelmäßigem Gehtraining, Rauchstopp und guter medizinischer Betreuung können die meisten Menschen ein aktives Leben führen und Amputationen vermeiden. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser. Bleiben Sie zuversichtlich und arbeiten Sie mit Ihrem Arzt zusammen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.