Grippe
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- NICE—Influenza(2024)
- NHS—Flu(2023)
- WHO—Influenza (seasonal) fact sheet(2023)
- CDC—Influenza (Flu)(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Influenza – kurz 'Grippe' genannt – ist eine Infektionskrankheit, die durch Influenzaviren verursacht wird. Diese Viren befallen vor allem die Atemwege, also Nase, Rachen und Lunge. Die echte Grippe ist nicht dasselbe wie eine Erkältung: Sie beginnt meist plötzlich und macht einen deutlich kränker als ein gewöhnlicher Schnupfen.
Wichtige Fakten
- Die Grippe ist eine Virusinfektion – Antibiotika wirken daher nicht gegen das Virus selbst.
- Die Grippesaison in Deutschland liegt meist zwischen Oktober und März, mit einem Höhepunkt in den Wintermonaten.
- Eine jährliche Schutzimpfung ist die wirksamste Maßnahme, um sich vor der Grippe zu schützen.
Ja, die Grippe ist sehr verbreitet. In Deutschland erkranken in einer durchschnittlichen Grippesaison Millionen von Menschen. In manchen Jahren verläuft die Grippewelle stärker, in anderen schwächer. Die Erkrankung kann jeden treffen.
Die Grippe kann Menschen jeden Alters befallen. Besonders stark betroffen können ältere Menschen (ab etwa 60 Jahren), Kleinkinder und Säuglinge, Schwangere sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Herz-, Lungen- oder Stoffwechselerkrankungen sein. Aber auch gesunde Erwachsene können schwer erkranken.
Symptome
- Schwere Atemnot oder sehr schnelles, flaches Atmen – rufen Sie sofort den Notruf 112 an
- Anhaltende Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust
- Blaue oder graue Verfärbung der Lippen, Fingernägel oder des Gesichts (Zeichen von Sauerstoffmangel)
- Starke Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder nicht ansprechbar sein
- Krampfanfälle (unkontrolliertes Zucken des Körpers)
- Bei Kindern: starkes Einziehen der Haut zwischen den Rippen beim Atmen
- ⚠Hohes Fieber, das trotz fiebersenkender Maßnahmen nicht sinkt
- ⚠Fieber, das nach mehreren Tagen zunächst besser wird und dann erneut ansteigt – das kann auf eine Komplikation hinweisen
- ⚠Zeichen von Austrocknung (Austrocknung = der Körper hat zu wenig Flüssigkeit): kein Urin, sehr trockener Mund, starkes Durstgefühl
- ⚠Säuglinge unter drei Monaten mit Fieber – immer zeitnah zum Arzt
- ⚠Deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands nach anfänglicher Besserung
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzendes hohes Fieber (oft über 38,5 °C)
- Starkes Krankheitsgefühl und ausgeprägte Erschöpfung
- Schüttelfrost
- Ausgeprägte Muskel- und Gliederschmerzen
- Kopfschmerzen
- Trockener, quälender Husten
- Halsschmerzen und Heiserkeit
- Verstopfte oder laufende Nase
- Appetitlosigkeit
Symptome bei Kindern
- Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sind bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen
- Mittelohrentzündungen können als Begleiterkrankung auftreten
- Sehr hohes Fieber, das zu Fieberkrämpfen führen kann
- Starke Reizbarkeit und Weinerlichkeit
- Krupphusten – ein bellender Husten mit pfeifenden Atemgeräuschen – kann vorkommen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Das Fieber kann weniger stark ausgeprägt sein oder sogar fehlen
- Verwirrtheit oder Desorientierung können als Zeichen einer schweren Erkrankung auftreten
- Bestehende Vorerkrankungen wie Herzinsuffizienz (wenn das Herz nicht mehr gut pumpt) oder Lungenkrankheiten können sich verschlechtern
- Schwächegefühl und Stürze als Folge der Erschöpfung
- Längere Erholungszeit als bei jüngeren Menschen
Ursachen
Hauptursachen
- Influenza wird durch Influenzaviren verursacht, die es in verschiedenen Typen gibt (vor allem Typ A und Typ B sind für saisonale Grippewellen verantwortlich).
- Die Viren werden hauptsächlich über Tröpfchen übertragen: Wenn eine erkrankte Person hustet, niest oder spricht, gelangen winzige Virusteilchen in die Luft und können eingeatmet werden.
- Auch eine Übertragung über Oberflächen ist möglich: Wenn man eine kontaminierte Fläche (z. B. Türklinken, Handys) berührt und sich danach an Mund, Nase oder Augen fasst.
- Influenzaviren verändern sich ständig leicht – das ist der Grund, warum man jedes Jahr erneut erkranken kann und warum die Schutzimpfung jährlich angepasst wird.
Risikofaktoren
- Alter: Sehr kleine Kinder (unter 5 Jahren) und ältere Menschen (ab 60 Jahren) haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf.
- Chronische Erkrankungen: Herzkrankheiten, Lungenkrankheiten (z. B. Asthma, COPD), Diabetes, Nierenerkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems.
- Schwangerschaft: Das Immunsystem (die körpereigene Abwehr) ist während der Schwangerschaft verändert, was das Erkrankungsrisiko erhöht.
- Geschwächtes Immunsystem durch Krankheiten oder bestimmte Behandlungen.
- Sehr enger Kontakt zu vielen Menschen, z. B. in Pflegeeinrichtungen, Kindergärten oder im Gesundheitswesen.
- Übergewicht (starkes Übergewicht kann den Verlauf verschlechtern).
- Rauchen, da die Atemwege dadurch anfälliger werden.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere, kleine Kinder) und Grippesymptome entwickeln.
- Wenn Ihre Symptome nach einigen Tagen nicht besser werden oder sich plötzlich verschlechtern.
- Wenn Sie hohes Fieber haben, das nicht sinkt, oder wenn das Fieber nach einer Besserungsphase erneut ansteigt.
- Bei Zeichen von Austrocknung oder wenn Sie kaum noch Flüssigkeit trinken können.
- Wenn Ihr Arzt Ihnen bereits antivirale Medikamente (Mittel, die gezielt gegen Viren wirken) empfohlen hat – diese müssen früh eingenommen werden.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unsicher sind, ob Sie wirklich eine Grippe oder 'nur' eine Erkältung haben.
- Wenn die Symptome nach etwa einer Woche nicht deutlich besser werden.
- Wenn Sie eine Krankschreibung benötigen.
- Wenn Sie Fragen zur Vorbeugung oder zur Schutzimpfung haben.
Diagnose
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann die Grippe in vielen Fällen anhand der typischen Beschwerden und der Krankengeschichte erkennen – besonders wenn gerade eine Grippewelle läuft. Das plötzliche Auftreten von hohem Fieber zusammen mit Muskelschmerzen und Husten ist ein wichtiges Zeichen. Manchmal werden zusätzliche Tests durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen oder andere Erkrankungen auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Schnelltest auf Influenza (Abstrich aus Nase oder Rachen): Ergebnis liegt meist innerhalb von 15–30 Minuten vor, ist aber nicht immer hundertprozentig zuverlässig.
- PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion – ein genaueres Laborverfahren zum Nachweis des Virus): genauer als der Schnelltest, dauert aber länger.
- Blutuntersuchungen können helfen, Komplikationen wie bakterielle Zusatzinfektionen zu erkennen.
- Röntgenaufnahme der Brust, wenn eine Lungenentzündung (Entzündung des Lungengewebes) vermutet wird.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ein Arztbesuch bei Grippe ist in der Regel kurz. Der Arzt oder die Ärztin fragt nach Ihren Beschwerden, deren Beginn und Ihrer Krankengeschichte, hört Lunge und Herz ab und entscheidet dann, ob ein Test sinnvoll ist. In den meisten Fällen ist keine aufwändige Diagnostik nötig. Wichtig ist, dass Sie ehrlich über alle Ihre Beschwerden berichten.
Behandlung
Die meisten Menschen mit Grippe erholen sich innerhalb von ein bis zwei Wochen durch Ruhe und ausreichend Flüssigkeit. Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Bei bestimmten Risikogruppen können spezielle antivirale Mittel (Medikamente, die gezielt gegen das Influenzavirus vorgehen) eingesetzt werden – diese müssen frühzeitig, möglichst innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn, gegeben werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhe und Schonung: Gönnen Sie Ihrem Körper Zeit zum Erholen. Bleiben Sie zu Hause und schonen Sie sich – das hilft auch, andere Menschen nicht anzustecken.
- Viel trinken: Wasser, ungesüßte Tees und klare Brühen helfen, den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und Fieber auszugleichen.
- Fieber und Schmerzen lindern: Apothekenpflichtige Mittel zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung können helfen – sprechen Sie mit Ihrer Apotheke oder Ihrem Arzt über das Richtige für Sie.
- Warme Umgebung und leichte Kleidung: Sorgen Sie dafür, dass Sie sich wohlfühlen, ohne sich zu überhitzen.
- Salzwasser-Nasenspülungen: Können bei verstopfter Nase helfen und die Schleimhäute befeuchten.
- Honig (bei Erwachsenen und Kindern über einem Jahr): Kann bei Halsschmerzen und Husten lindernd wirken.
- Auf Alkohol und Rauchen verzichten: Beides schwächt das Immunsystem zusätzlich.
- Andere schützen: Husten und niesen Sie in die Armbeuge, waschen Sie regelmäßig die Hände und bleiben Sie bis mindestens 24 Stunden nach dem letzten Fieberanstieg zu Hause.
Medizinische Behandlungen
Bei Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf – zum Beispiel ältere Menschen, chronisch Kranke oder Schwangere – kann der Arzt antivirale Wirkstoffe verschreiben. Diese Mittel können die Dauer und Schwere der Erkrankung verkürzen, wenn sie frühzeitig eingesetzt werden. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob diese Behandlung für Sie in Frage kommt. Außerdem können fiebersenkende und schmerzlindernde Mittel verordnet oder empfohlen werden. Husten- oder Nasenspraybehandlungen können die Symptome lindern. Wenn sich eine bakterielle Zusatzinfektion entwickelt – zum Beispiel eine Lungenentzündung – kann eine Behandlung mit Antibiotika notwendig werden. Bitte nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein, sondern besprechen Sie alles mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein chirurgischer Eingriff ist bei der Grippe selbst nicht notwendig. Bei sehr seltenen schweren Komplikationen kann in Ausnahmefällen eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich sein.
Leben mit der Erkrankung
Die Grippe fühlt sich in den ersten Tagen oft sehr schlimm an – das ist vollkommen normal. Die typische Erkrankungsdauer beträgt eine bis zwei Wochen. Planen Sie diese Zeit bewusst für Erholung ein. Informieren Sie Ihren Arbeitgeber oder die Schule, bleiben Sie zu Hause und versuchen Sie, so wenig Kontakt wie möglich zu anderen Personen zu haben, um niemanden anzustecken. Die Erschöpfung kann nach einer Grippe noch einige Zeit anhalten – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern die normale Reaktion des Körpers.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie die ersten Tage konsequent zu Hause – auch wenn Sie sich etwas besser fühlen.
- Kehren Sie erst dann zu normalen Aktivitäten zurück, wenn Sie mindestens 24 Stunden fieberfrei sind (ohne fiebersenkende Mittel).
- Guter Schlaf ist jetzt besonders wichtig – schlafen Sie so viel wie Sie brauchen.
- Vermeiden Sie in der Erholungsphase körperliche Überanstrengung.
- Waschen Sie häufig Ihre Hände und desinfizieren Sie Oberflächen, die Sie berühren.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie leichte, bekömmliche Speisen, die Ihnen guttun – Suppen und Brühen sind besonders hilfreich, da sie gleichzeitig Flüssigkeit und Nährstoffe liefern. Zwingen Sie sich nicht zu essen, wenn Sie keinen Appetit haben, aber trinken Sie auf jeden Fall ausreichend. Körperliche Bewegung und Sport sollten Sie während der Erkrankung vollständig meiden und erst nach vollständiger Genesung langsam wieder beginnen. Hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist völlig normal, wenn Sie sich während einer Grippe niedergeschlagen, ungeduldig oder sogar ängstlich fühlen – besonders wenn die Krankheit länger dauert oder Sie wichtige Termine absagen müssen. Erlauben Sie sich, krank zu sein. Wenn Sie merken, dass die Niedergeschlagenheit auch nach der Genesung anhält oder Sie sich dauerhaft belastet fühlen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer Beratungsstelle. In einer Krisenssituation können Sie die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7) erreichen.
Vorbeugung
Ja – es gibt wirksame Maßnahmen, um das Risiko einer Grippe zu verringern. Die wichtigste und wirksamste Methode ist die jährliche Schutzimpfung. Zusätzlich helfen einfache Hygienemaßnahmen dabei, die Übertragung der Viren zu verhindern.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die jährliche Grippeimpfung vor allem für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie medizinisches und pflegerisches Personal. Aber auch alle anderen Menschen können von der Impfung profitieren. Da sich das Grippevirus ständig verändert, wird die Impfung jedes Jahr an die aktuell kursierende Virusvariante angepasst. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, ob und wann die Impfung für Sie sinnvoll ist. Der beste Zeitpunkt ist in der Regel der Herbst – vor Beginn der Grippesaison.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein regelmäßiges Screening auf Grippe. Das Wichtigste ist, bei Symptomen frühzeitig ärztlichen Rat zu suchen – besonders wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenentzündung (eine Entzündung des Lungengewebes): die häufigste schwere Komplikation, kann durch das Virus selbst oder durch zusätzliche Bakterien ausgelöst werden.
- Mittelohrentzündung: besonders häufig bei Kindern.
- Bronchitis (Entzündung der Atemwege in der Lunge): anhaltender Husten und Atembeschwerden.
- Verschlechterung bestehender chronischer Erkrankungen, z. B. Herzschwäche oder Asthma.
- In seltenen, schweren Fällen: Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Entzündung des Gehirns (Enzephalitis).
- Bei sehr geschwächten Menschen: gefährliche Allgemeininfektion des Körpers (Sepsis – wenn eine Infektion den gesamten Körper angreift).
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die allermeisten Menschen erholen sich vollständig von der Grippe – auch wenn es manchmal etwas dauert. Mit ausreichend Ruhe, Flüssigkeit und der richtigen Unterstützung übersteht die große Mehrheit die Erkrankung gut zu Hause. Durch die jährliche Schutzimpfung und gute Hygiene kann das Risiko schwerer Verläufe deutlich gesenkt werden. Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, lassen Sie sich bitte gut von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt begleiten – das macht einen großen Unterschied.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) – Informationen zur Influenza ↗
- European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) – Grippeinformationen ↗
Lokale Organisationen
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.