Arthrose
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- NICE—Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management. NG226(2022)
- NHS—Osteoarthritis(2023)
- WHO—Osteoarthritis fact sheet(2023)
- CDC—Osteoarthritis(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Arthrose (auf Englisch: Osteoarthritis) ist eine Erkrankung der Gelenke, bei der der Knorpel – das glatte, schützende Polster zwischen den Knochen – nach und nach abgebaut wird. Wenn der Knorpel dünner wird oder verloren geht, reiben die Knochen stärker aneinander. Das kann Schmerzen, Steifheit und Einschränkungen im Alltag verursachen. Arthrose ist keine reine 'Verschleißkrankheit', sondern ein aktiver Prozess, bei dem das gesamte Gelenk betroffen sein kann – also auch Knochen, Bänder und die Gelenkschleimhaut (die Auskleidung des Gelenks).
Wichtige Fakten
- Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit.
- Sie kann jedes Gelenk betreffen, tritt aber am häufigsten in Knie, Hüfte, Wirbelsäule und Händen auf.
- Arthrose ist zwar nicht heilbar, aber mit der richtigen Behandlung und Lebensweise lassen sich Beschwerden deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern.
Arthrose ist sehr verbreitet. In Deutschland sind Schätzungen zufolge rund fünf Millionen Menschen davon betroffen. Sie ist einer der häufigsten Gründe, warum Menschen zum Arzt oder zur Ärztin gehen.
Arthrose kann grundsätzlich jeden treffen, kommt aber häufiger bei Menschen über 50 Jahren vor. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, besonders nach den Wechseljahren. Auch jüngere Menschen können Arthrose entwickeln, zum Beispiel nach Gelenkverletzungen oder bei bestimmten Risikofaktoren.
Symptome
- Ein Gelenk ist plötzlich stark geschwollen, sehr heiß, gerötet und extrem schmerzhaft – das kann auf eine schwere Gelenkinfektion (septische Arthritis) hinweisen: Bitte sofort den Notruf 112 anrufen oder in die nächste Notaufnahme gehen.
- Nach einem Sturz oder Unfall sind starke Gelenkschmerzen, eine Verformung oder Bewegungsunfähigkeit aufgetreten: Sofort 112 anrufen.
- ⚠Ein Gelenk ist plötzlich viel stärker geschwollen als sonst, ohne erkennbaren Grund.
- ⚠Die Schmerzen sind deutlich schlimmer geworden und sprechen nicht auf die gewohnten Maßnahmen an.
- ⚠Sie haben Fieber zusammen mit Gelenkschmerzen.
- ⚠Das betroffene Gelenk kann gar nicht mehr belastet werden.
Häufige Symptome
- Gelenkschmerzen, die bei Bewegung auftreten oder sich dabei verschlimmern
- Morgensteifigkeit, die in der Regel nach maximal 30 Minuten nachlässt
- Schwellung oder Wärme am betroffenen Gelenk
- Knirsch- oder Knackgeräusche beim Bewegen des Gelenks (Krepitation genannt)
- Eingeschränkte Beweglichkeit – das Gelenk lässt sich nicht mehr so weit bewegen wie früher
- Muskelschwäche rund um das betroffene Gelenk
- Druckempfindlichkeit am Gelenk
Symptome bei Kindern
- Arthrose ist bei Kindern sehr selten. Bei jungen Menschen können Gelenkbeschwerden jedoch auf andere Erkrankungen hinweisen, wie z.B. juvenile idiopathische Arthritis (eine entzündliche Gelenkerkrankung im Kindes- und Jugendalter). Bitte sprechen Sie bei anhaltenden Gelenkbeschwerden Ihres Kindes unbedingt mit einem Arzt oder einer Ärztin.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Schmerzen ausgeprägter sein und mehrere Gelenke gleichzeitig betreffen.
- Die Steifigkeit kann länger andauern und den Alltag stärker einschränken.
- Manchmal treten sichtbare knöcherne Verdickungen an den Fingern auf (sogenannte Heberden- oder Bouchard-Knoten).
- Schlafstörungen durch nächtliche Schmerzen sind möglich.
- Ältere Menschen entwickeln aufgrund von Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit häufiger Gleichgewichtsprobleme und haben ein erhöhtes Sturzrisiko.
Ursachen
Hauptursachen
- Abbau des Gelenkknorpels durch jahrelange Beanspruchung – der Knorpel verliert seine Elastizität und Schutzfunktion.
- Frühere Gelenkverletzungen wie Knochenbrüche oder Bänderrisse, die das Gelenk dauerhaft verändern.
- Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Gelenke (z.B. Hüftdysplasie, also eine falsch geformte Hüfte von Geburt an).
- Entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis (eine Erkrankung, bei der das Immunsystem irrtümlich die Gelenke angreift), die langfristig zu Arthrose führen können.
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter (über 50 Jahre)
- Weibliches Geschlecht, besonders nach den Wechseljahren
- Übergewicht – jedes zusätzliche Kilogramm belastet die Gelenke, vor allem Knie und Hüfte, erheblich
- Körperliche Arbeit oder Sport mit einseitiger, wiederholter Gelenkbelastung
- Genetische Veranlagung – Arthrose kann familiär gehäuft auftreten
- Muskelschwäche, die die Gelenke weniger gut stützt
- Frühere Gelenkverletzungen oder Operationen am Gelenk
- Bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes (Zuckerkrankheit) oder Gicht
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn ein Gelenk plötzlich sehr stark anschwillt, sich heiß anfühlt oder Sie Fieber dazu haben – das sollte noch am selben Tag abgeklärt werden.
- Wenn Sie nach einem Sturz oder Unfall Schmerzen und Bewegungseinschränkungen an einem Gelenk haben.
- Wenn die Schmerzen so stark sind, dass Sie das Gelenk gar nicht mehr belasten können.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit mehreren Wochen wiederkehrende Gelenkschmerzen oder Steifigkeit bemerken.
- Wenn alltägliche Aktivitäten wie Treppensteigen, Gehen oder Greifen zunehmend schwerer fallen.
- Wenn Sie hörbare oder spürbare Knackgeräusche in einem Gelenk wahrnehmen.
- Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden von der Arthrose kommen oder eine andere Ursache haben könnten.
Diagnose
Die Diagnose Arthrose stellt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin in der Regel durch ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden und eine körperliche Untersuchung der betroffenen Gelenke. Dabei wird geprüft, wie beweglich das Gelenk ist, ob es druckschmerzhaft oder geschwollen ist und wie stark die Beschwerden Ihren Alltag beeinflussen. Bildgebende Verfahren und Laboruntersuchungen helfen dabei, die Diagnose zu bestätigen und andere Erkrankungen auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahme des betroffenen Gelenks – zeigt eine Verschmälerung des Gelenkspalts (also weniger Platz zwischen den Knochen), knöcherne Anbauten (sogenannte Osteophyten) und andere Veränderungen
- Ultraschall (Sonographie) – kann Entzündungen, Flüssigkeit im Gelenk und Veränderungen an Sehnen sichtbar machen
- MRT (Magnetresonanztomographie, auch Kernspin genannt) – liefert sehr detaillierte Bilder von Knorpel, Bändern und Weichteilen, wird vor allem bei unklaren Befunden eingesetzt
- Blutuntersuchungen – helfen dabei, entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis auszuschließen
- Gelenkpunktion – dabei wird Flüssigkeit aus dem Gelenk entnommen und untersucht, wenn eine Infektion oder Gicht ausgeschlossen werden soll
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzttermin ist in der Regel nicht schmerzhaft. Beim Gespräch wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin viele Fragen stellen: Wo genau schmerzt es? Wann ist es am schlimmsten? Was hilft? Bereiten Sie sich ruhig vor, indem Sie sich Ihre Beschwerden aufschreiben. Die Untersuchung beinhaltet, dass der Arzt oder die Ärztin Ihr Gelenk abtastet und bewegt. Das kann bei starken Entzündungen kurz unangenehm sein, ist aber wichtig für eine gute Einschätzung.
Behandlung
Arthrose lässt sich derzeit nicht heilen, das heißt, der abgebaute Knorpel kann nicht vollständig wiederhergestellt werden. Aber: Die Behandlung kann Schmerzen deutlich lindern, die Beweglichkeit verbessern und den Fortschritt der Erkrankung verlangsamen. Die Behandlung wird immer auf den einzelnen Menschen abgestimmt – was für eine Person gut funktioniert, muss es für eine andere nicht. In Deutschland orientiert sich die Behandlung an den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften), die regelmäßig aktualisiert werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung – z.B. Schwimmen, Radfahren oder Walking – hält die Gelenke beweglich und kräftigt die umliegenden Muskeln
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme kann bei chronischen Schmerzen entspannen, Kälte kann akute Entzündungen lindern
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht – schon wenige Kilogramm weniger entlasten Knie und Hüfte spürbar
- Hilfsmittel nutzen: Gehhilfen, spezielle Schuhe mit dämpfenden Einlagen oder Bandagen können die Gelenke entlasten
- Aktivitäten anpassen: Beschwerden auslösende Belastungen reduzieren, ohne sich komplett zu schonen – komplette Schonung schadet mehr als sie nützt
- Auf gute Schlafhygiene achten, da ausreichend Schlaf den Körper bei der Regeneration unterstützt
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung der Arthrose zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren. Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen, die – je nach Schwere der Beschwerden, Begleiterkrankungen und individueller Verträglichkeit – eingesetzt werden können: von äußerlich aufgetragenen Mitteln (Gele oder Salben) über Schmerzmittel zum Einnehmen bis hin zu Spritzen direkt in das Gelenk. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin gemeinsam mit Ihnen. Neben Medikamenten spielen Physiotherapie (gezielte Krankengymnastik), Ergotherapie (Hilfe bei alltäglichen Handgriffen) und Heilmittel wie Massagen oder physikalische Therapien eine wichtige Rolle.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen trotzdem stark bleiben, kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein. Die häufigste Operation bei schwerer Arthrose ist der Gelenkersatz (Endoprothese), bei dem das beschädigte Gelenk durch ein künstliches ersetzt wird – zum Beispiel künstliche Knie- oder Hüftgelenke. Diese Operation ist in Deutschland sehr häufig und hat in geeigneten Fällen sehr gute Ergebnisse. Ob und wann eine Operation notwendig ist, besprechen Sie am besten mit einem Orthopäden oder einer Orthopädin.
Leben mit der Erkrankung
Mit Arthrose zu leben bedeutet, den Alltag manchmal neu zu organisieren – aber es bedeutet nicht, auf ein erfülltes Leben verzichten zu müssen. Viele Menschen lernen, auf ihren Körper zu hören, gute Phasen zu nutzen und in schwierigeren Phasen Pausen einzubauen. Hilfsmittel wie ergonomische Griffe, Aufstehhilfen oder spezielle Schuheinlagen können den Alltag erleichtern. Es lohnt sich, früh mit Ärzten, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten zu besprechen, welche Anpassungen für Sie sinnvoll sind.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßig, aber gelenkschonend bewegen – Kontinuität ist wichtiger als Intensität
- Langes Sitzen oder Stehen in einer Position vermeiden und öfter die Position wechseln
- Ergonomische Möbel und Hilfsmittel nutzen, die die Gelenke schonen
- Stress reduzieren – Stress kann Schmerzen verstärken
- Soziale Kontakte pflegen und aktiv bleiben – Rückzug verschlimmert oft die Beschwerden
- Ausreichend Schlaf und Erholung einplanen
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Arthroseernährung, die die Erkrankung heilt. Aber eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung – viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, gesunde Fette wie Olivenöl und Omega-3-reiche Lebensmittel wie Fisch – kann dem Körper gut tun. Bei Übergewicht hilft eine Gewichtsreduktion, die Gelenke zu entlasten. Bewegung ist eine der wirksamsten Maßnahmen bei Arthrose: Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aquagymnastik, Radfahren oder Yoga stärken die Muskeln, verbessern die Beweglichkeit und können Schmerzen lindern – ohne die Gelenke unnötig zu belasten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und Einschränkungen im Alltag können die Seele belasten. Gefühle wie Frustration, Traurigkeit oder Angst vor der Zukunft sind völlig verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Wenn Sie merken, dass die seelische Belastung groß wird, sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber. Psychologische Unterstützung, Entspannungsverfahren oder Selbsthilfegruppen können helfen. Wenn Sie sich in einer Krise befühlen oder belastende Gedanken haben, zögern Sie nicht, die Telefonseelsorge zu kontaktieren: Sie sind rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7).
Vorbeugung
Arthrose lässt sich nicht vollständig verhindern, da Faktoren wie Alter und genetische Veranlagung eine Rolle spielen. Aber Sie können viel tun, um das Risiko zu verringern und den Beginn der Erkrankung hinauszuzögern: Ein gesundes Körpergewicht schützt die Gelenke vor übermäßiger Belastung. Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung kräftigt die Muskeln, die die Gelenke stützen. Verletzungen sollten konsequent behandelt und auskuriert werden, da schlecht verheilte Gelenkverletzungen das Arthroserisiko erhöhen. Ergonomisch arbeiten und einseitige Belastungen im Beruf und Sport vermeiden hilft ebenfalls.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening-Programm (Reihenuntersuchung) für Arthrose in Deutschland. Wenn Sie Risikofaktoren haben – zum Beispiel frühere Gelenkverletzungen, Übergewicht oder eine familiäre Vorbelastung – sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin an. Frühzeitige Maßnahmen können den Verlauf positiv beeinflussen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Zerstörung des Gelenkknorpels und zunehmende Verformung des Gelenks
- Chronische Schmerzen, die den Schlaf und die Lebensqualität stark beeinträchtigen
- Zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit bis hin zur deutlichen Behinderung im Alltag
- Muskelschwund (Atrophie) durch Schonhaltung und mangelnde Bewegung
- Erhöhtes Sturzrisiko durch Instabilität und Schwäche des Gelenks, besonders bei älteren Menschen
- Seelische Belastungen wie Depressionen oder Angststörungen durch chronische Schmerzen und Einschränkungen
Langzeitprognose
Die Aussichten bei Arthrose sind deutlich besser, als viele Menschen denken. Mit einer guten Behandlung, angepasstem Lebensstil und der richtigen Unterstützung führen viele Betroffene ein aktives, weitgehend normales Leben – auch über viele Jahre hinweg. Die Erkrankung verläuft sehr unterschiedlich: Manche Menschen haben über lange Zeit nur leichte Beschwerden, andere brauchen mehr Unterstützung. Wichtig ist: Sie sind nicht allein, und es gibt viele Möglichkeiten, die Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- Versus Arthritis (internationale Informationsseite zu Arthrose und Arthritis) ↗
- EULAR – European Alliance of Associations for Rheumatology (Europäische Rheumatologie-Organisation) ↗
Lokale Organisationen
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.