Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
BPH (benigne Prostatahyperplasie) ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Die Prostata ist eine kleine Drüse unterhalb der Blase, die bei Männern den Urinfluss steuert. Wenn sie zu groß wird, drückt sie auf die Harnröhre und erschwert das Wasserlassen.
Wichtige Fakten
- BPH ist gutartig, das heißt kein Krebs und kein Vorstadium von Krebs.
- Die Beschwerden können mild sein, aber manchmal die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
- Es gibt wirksame Behandlungen, die die Symptome lindern – von einfachen Verhaltensänderungen bis zu Medikamenten oder Eingriffen.
Ja, BPH ist sehr häufig. Die Hälfte aller Männer über 50 Jahre hat vergrößerte Prostata, und mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit. Bei Männern über 80 haben fast 90 Prozent eine gewisse Vergrößerung.
BPH betrifft hauptsächlich ältere Männer. Die Beschwerden beginnen meist nach dem 40. Lebensjahr und nehmen mit der Zeit zu. Sie tritt nicht bei Kindern oder Frauen auf.
Symptome
- Sie können überhaupt nicht urinieren (akuter Harnverhalt) – rufen Sie sofort 112.
- Sie haben Blut im Urin, das sichtbar ist, oder Blutgerinnsel.
- Sie haben starke Schmerzen im Unterbauch oder in der Nierengegend.
- ⚠Sie spüren Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen (Zeichen einer Harnwegsinfektion).
- ⚠Sie haben Fieber oder Schüttelfrost, was auf eine Nierenbeckenentzündung hindeuten kann.
- ⚠Ihre Harnbeschwerden nehmen plötzlich stark zu, sodass Sie kaum noch Wasser lassen können.
Häufige Symptome
- Schwacher Urinstrahl oder unterbrochener Strahl
- Häufiger Harndrang, besonders nachts (Nykturie)
- Das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können
- Plötzlicher, starker Harndrang, der schwer zu kontrollieren ist
- Anstrengung beim Wasserlassen oder Nachtröpfen
Symptome bei Kindern
- BPH tritt bei Kindern nicht auf, da die Prostata erst in der Pubertät wächst. Bei Jungen mit Harnwegsproblemen sind andere Ursachen wie Infektionen oder angeborene Fehlbildungen möglich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Männer haben oft verstärkte Symptome wie häufiges nächtliches Wasserlassen, schwachen Strahl und unvollständiges Entleeren. Die Beschwerden können mit anderen altersbedingten Erkrankungen (z. B. Diabetes, Blasenfunktionsstörungen) zusammen auftreten.
- Bei sehr alten Männern kann es zu akutem Harnverhalt kommen – die Blase kann nicht mehr entleert werden, was ein Notfall ist.
Ursachen
Hauptursachen
- Alter: Die Prostata wächst mit den Jahren, vor allem nach dem 40. Lebensjahr.
- Hormonelle Veränderungen: Ein Ungleichgewicht zwischen Testosteron und Östrogen sowie der Einfluss des Wachstumsfaktors DHT (Dihydrotestosteron) begünstigen das Wachstum.
Risikofaktoren
- Alter über 40 Jahre
- Familienvorbelastung – wenn der Vater oder Bruder BPH hatte, steigt das Risiko
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ernährungsweise: viel rotes Fleisch, wenig Obst und Gemüse
- Bestimmte Grunderkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie können nicht urinieren (akuter Harnverhalt) – sofort Notarzt.
- Sie haben Blut im Urin oder starke Schmerzen.
- Sie haben Fieber und Schmerzen beim Wasserlassen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben leichte bis mittelschwere Beschwerden, die Ihren Alltag stören, z. B. häufiges nächtliches Wasserlassen.
- Sie möchten wissen, ob Ihre Beschwerden durch BPH oder etwas anderes verursacht werden.
- Ihre Symptome werden allmählich schlimmer.
Diagnose
Der Arzt fragt zunächst nach Ihren Symptomen und Ihrer Krankengeschichte. Eine körperliche Untersuchung und einfache Tests geben Aufschluss. Die Diagnose ist einfach und ohne große Eingriffe möglich.
Mögliche Untersuchungen
- Anamnese: Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente.
- Digitale rektale Untersuchung (DRU): Der Arzt tastet die Prostata durch den Enddarm ab, um Größe und Beschaffenheit zu prüfen. Das klingt unangenehm, ist aber kurz und wichtig.
- Urintest: Zum Ausschluss einer Infektion oder von Blut.
- Bluttest (PSA): Das prostataspezifische Antigen kann erhöht sein, auch bei BPH. Der Wert dient der Unterscheidung zu Krebs, ist aber nicht als alleiniger Test geeignet.
- Ultraschall: Mit einer Ultraschallsonde über den Bauch oder durch den Enddarm wird die Prostatagröße gemessen.
- Uroflowmetrie: Messung der Harnflussstärke und der Restharnmenge nach dem Wasserlassen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch dauert etwa 20–30 Minuten. Sie müssen mit einer rektalen Untersuchung rechnen, die für eine genaue Beurteilung unerlässlich ist. Die meisten Tests sind schmerzfrei. Nach der Untersuchung bespricht der Arzt die Ergebnisse und empfiehlt Ihnen abgestimmt auf Ihre Situation ein Vorgehen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Stärke der Beschwerden ab. Bei milden Symptomen reicht oft abwarten und regelmäßige Kontrolle. Wenn die Beschwerden den Alltag stören, helfen Medikamente. In schweren Fällen oder wenn Medikamente nicht wirken, kommen minimalinvasive Verfahren oder eine Operation infrage.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie abends weniger, um nächtlichen Harndrang zu reduzieren.
- Meiden Sie koffeinhaltige Getränke und Alkohol, da sie die Blase reizen.
- Gehen Sie bei Harndrang sofort zur Toilette – nicht aufschieben.
- Lassen Sie nach dem Wasserlassen noch einmal kurz nach, um die Blase besser zu entleeren (Doppeltes Entleeren).
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – das fördert die Durchblutung und kann die Beschwerden lindern.
Medizinische Behandlungen
Bei mittelschweren bis schweren Beschwerden können Medikamente verordnet werden. Es gibt zwei Hauptgruppen: Solche, die die Blasenmuskulatur entspannen (sogenannte Alpha-Blocker) und solche, die das Prostatawachstum verlangsamen (5α-Reduktase-Hemmer). Beide können allein oder kombiniert gegeben werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie passende Option. Die Medikamente brauchen oft einige Wochen, bis sie voll wirken.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Medikamente nicht ausreichen oder Sie einen akuten Harnverhalt hatten, kann ein Eingriff helfen. Minimalinvasive Verfahren wie die transurethrale Mikrowellentherapie oder die Laserverdampfung werden heute häufig eingesetzt. Der klassische operative Eingriff ist die transurethrale Resektion der Prostata (TURP), bei der überschüssiges Prostatagewebe durch die Harnröhre entfernt wird. Ihr Urologe bespricht mit Ihnen die Vor- und Nachteile.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Männer mit BPH können gut leben. Mit einfachen Anpassungen wie Toilettenpausen und Trinkverhalten können Sie die Beschwerden reduzieren. Tragen Sie eine Notfallnummer bei sich, falls Sie plötzlich nicht mehr urinieren können. Planen Sie ausreichend Zeit für Toilettengänge ein, z. B. auf Reisen.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht – Überdruck im Bauchraum verstärkt die Symptome.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber übertreiben Sie es nicht. Sportarten wie Radfahren können den Bereich belasten – verwenden Sie einen gepolsterten Sattel.
- Vermeiden Sie lange Sitzen ohne Pause.
- Schränken Sie abends die Flüssigkeitsaufnahme ein, reduzieren Sie Koffein und Alkohol.
- Üben Sie Beckenbodenmuskulatur – Fragen Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten nach Übungen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung kann helfen: viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette (z. B. aus Fisch und Nüssen). Weniger rotes Fleisch und stark verarbeitete Lebensmittel. Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren (mit bequemem Sattel) fördert die Durchblutung und kann die Beschwerden lindern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
BPH kann belastend sein: ständiger Harndrang, Schlafstörungen und das Gefühl, die Blase nicht im Griff zu haben, verursachen Stress, Scham oder Frustration. Es ist normal, sich manchmal verunsichert zu fühlen. Reden Sie darüber – mit Ihrem Partner, Freunden oder einem Arzt. Bei anhaltenden negativen Gedanken oder Verstimmungen suchen Sie psychologische Unterstützung.
Vorbeugung
BPH lässt sich nicht sicher verhindern, da das Alter der Hauptfaktor ist. Ein gesunder Lebensstil kann jedoch das Risiko für eine ausgeprägte Prostatavergrößerung senken. Dazu gehören normales Körpergewicht, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Rauchen. Diese Maßnahmen schützen auch vor anderen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzproblemen.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen BPH.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine gesetzliche Früherkennung für BPH wie bei Prostatakrebs. Allerdings: Wenn Sie zu Ihrem Hausarzt gehen und über Beschwerden sprechen, kann dieser erste Untersuchungen veranlassen. Eine regelmäßige Vorsorge – auch ohne Symptome – ist nach dem 45. Lebensjahr empfehlenswert, um Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen. Ihr Arzt kann mit Ihnen besprechen, ob und wann ein PSA-Test Sinn macht.
Komplikationen
Unbehandelt
- Akuter Harnverhalt – Sie können plötzlich gar nicht mehr urinieren, Notfall!
- Harnwegsinfektionen oder Blasensteine durch Restharn in der Blase.
- Nierenschädigung, wenn der Harnrückstau auf die Nieren drückt, selten bei frühzeitiger Behandlung.
- Chronische Blasenfunktionsstörung, die nach langer Zeit irreversibel werden kann.
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut. BPH ist gutartig und lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln. Bei frühzeitiger Diagnose und angepasster Therapie können die Beschwerden deutlich gelindert oder sogar zum Stillstand gebracht werden. Auch wenn eine Operation nötig ist, sind die Ergebnisse meist dauerhaft. Mit den heutigen Behandlungen haben die meisten Männer eine normale Lebenserwartung und gute Lebensqualität. Vertrauen Sie auf die moderne Medizin und sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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