Coeliac Disease
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- WHO—Health topics A–Z(2024)
- NHS—Health A to Z(2024)
- CDC—Health topics(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Zöliakie (sprich: tsoo-lee-ah-kee) ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, das Immunsystem – die Abwehr des Körpers – greift fälschlicherweise den eigenen Dünndarm an. Auslöser ist das Klebereiweiß Gluten, das in Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Gerste vorkommt. Durch die Reaktion wird die Dünndarmschleimhaut geschädigt, sodass Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen werden können.
Wichtige Fakten
- Zöliakie ist keine Allergie, sondern eine Autoimmunerkrankung.
- Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, auch bei Erwachsenen.
- Die einzige Behandlung ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung.
- Zöliakie ist erblich bedingt und tritt gehäuft in Familien auf.
Zöliakie kommt relativ häufig vor: Etwa 1 von 100 Menschen in Deutschland ist betroffen. Das sind rund 800.000 Personen. Viele wissen jedoch nichts von ihrer Erkrankung, weil die Symptome oft unauffällig sind.
Zöliakie kann jeden treffen, unabhängig vom Alter oder Geschlecht. Besonders gefährdet sind Menschen mit bestimmten Genen (HLA-DQ2 oder HLA-DQ8) und solche, bei denen in der Familie bereits Zöliakie vorkommt. Auch Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Sehr starker Durchfall mit Anzeichen von Austrocknung (z. B. Schwindel, trockener Mund, kaum Urin)
- Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Blut im Stuhl oder Erbrechen von Blut
- ⚠Anhaltender Durchfall über mehrere Tage
- ⚠Ungewollter Gewichtsverlust
- ⚠Starke Müdigkeit, die den Alltag beeinträchtigt
Häufige Symptome
- Durchfall (häufig, wässrig)
- Blähungen und Völlegefühl
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Bauchschmerzen oder -krämpfe
- Gewichtsverlust ohne ersichtlichen Grund
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung (klein für das Alter)
- Gedeihstörung (nehmen nicht zu)
- chronischer Durchfall
- Erbrechen
- Reizbarkeit und schlechte Laune
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Knochenschmerzen und Osteoporose (Knochenschwund)
- Blutarmut (Anämie) mit Müdigkeit
- Gelenkschmerzen
- Hautausschlag (Dermatitis herpetiformis – juckende Bläschen)
- Depressive Verstimmungen
Ursachen
Hauptursachen
- Die Erkrankung wird durch den Verzehr von Gluten ausgelöst – einem Eiweiß, das in Weizen, Roggen, Gerste und vielen verarbeiteten Lebensmitteln steckt.
- Bei Menschen mit einer genetischen Veranlagung (bestimmte HLA-Gene) führt das Gluten dazu, dass das Immunsystem die Dünndarmschleimhaut angreift und schädigt.
Risikofaktoren
- Zöliakie in der Familie (Eltern, Geschwister, Kinder)
- Andere Autoimmunerkrankungen (z. B. Typ-1-Diabetes, Hashimoto-Thyreoiditis)
- Bestimmte genetische Syndrome (z. B. Down-Syndrom, Turner-Syndrom)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Verdacht auf Austrocknung (z. B. Schwindel, wenig Urin)
- Bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie oder Ihr Kind über Wochen unter Durchfall, Blähungen, Müdigkeit oder Gewichtsverlust leiden
- Wenn bei Ihnen Blutarmut festgestellt wurde, ohne klare Ursache
Diagnose
Die Diagnose wird in zwei Schritten gestellt: Zuerst wird Blut auf Antikörper gegen Gluten untersucht. Fällt der Test positiv aus, wird eine Dünndarmspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt. Dabei entnimmt der Arzt kleine Gewebeproben (Biopsien) aus der Dünndarmschleimhaut. Die Untersuchung unter dem Mikroskop zeigt, ob eine Schädigung vorliegt. Die Diagnose richtet sich nach den deutschen AWMF-Leitlinien.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Antikörper (v. a. Gewebetransglutaminase-Antikörper, tTG-IgA)
- Dünndarmspiegelung (Gastroskopie) mit Entnahme von Gewebeproben
- Genetischer Test auf HLA-DQ2/DQ8 (in unklaren Fällen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutabnahme ist einfach und schmerzarm. Die Spiegelung wird meist unter Kurznarkose (Schlaf) durchgeführt, sodass Sie nichts spüren. Nach dem Eingriff können Sie nach kurzer Erholungszeit nach Hause. Die Ergebnisse der Biopsie liegen nach einigen Tagen vor.
Behandlung
Die einzige wirksame Behandlung ist eine lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung. Das bedeutet, alle Lebensmittel und Produkte zu meiden, die Weizen, Roggen, Gerste oder daraus hergestellte Zutaten enthalten. Sobald Gluten weggelassen wird, heilt die Dünndarmschleimhaut meist ab und die Beschwerden verschwinden. Unterstützung durch eine Ernährungsberatung ist sehr hilfreich.
Selbsthilfe zu Hause
- Lernen Sie, Lebensmitteletiketten zu lesen und verstecktes Gluten zu erkennen (z. B. in Soßen, Wurstwaren, Süßigkeiten).
- Achten Sie auf Kreuzkontamination: Verwenden Sie getrennte Küchenutensilien, Toaster und Schneidebretter für glutenfreie Speisen.
- Kochen Sie möglichst frisch mit naturbelassenen Zutaten wie Reis, Kartoffeln, Mais, Quinoa, Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch.
- Informieren Sie sich in Selbsthilfegruppen und bei Ernährungsfachkräften über den glutenfreien Alltag.
Medizinische Behandlungen
Wenn die glutenfreie Ernährung allein nicht ausreicht oder Nährstoffmängel bestehen, können Ärzte ergänzende Mittel wie Vitamin- und Mineralstoffpräparate verschreiben (z. B. Eisen, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Kalzium). In schweren Fällen oder bei Unverträglichkeit der glutenfreien Ernährung kommen weitere Therapien infrage – besprechen Sie dies mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird bei Zöliakie in der Regel nicht durchgeführt, es sei denn, es treten seltene Komplikationen wie ein Lymphom (Tumor des Lymphgewebes) auf. Der Standard ist die glutenfreie Ernährung.
Leben mit der Erkrankung
Mit Zöliakie zu leben bedeutet, sich bewusst zu ernähren. Planen Sie Mahlzeiten voraus, kaufen Sie glutenfreie Produkte ein und kochen Sie häufig selbst. Wenn Sie auswärts essen, wählen Sie Restaurants, die glutenfreie Optionen anbieten. Mit der Zeit wird der Umgang mit der Ernährung zur Routine.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie eine Liste mit glutenfreien Lebensmitteln und vertrauenswürdigen Marken.
- Informieren Sie Freunde und Familie, damit sie bei Einladungen Rücksicht nehmen können.
- Nehmen Sie bei Unsicherheit eigene glutenfreie Speisen mit zu Feiern oder auf Reisen.
- Tauschen Sie sich in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen aus.
Ernährung und Bewegung
Die glutenfreie Ernährung ist vollwertig möglich: Ersetzen Sie Getreide durch glutenfreie Alternativen wie Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa und glutenfreie Haferflocken (zertifiziert). Bewegung und Sport sind wie gewohnt möglich – auch bei Zöliakie ist regelmäßige körperliche Aktivität gesund.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Zöliakie kann zunächst belastend sein. Viele fühlen sich unsicher im Umgang mit der Ernährung oder haben Angst vor versehentlichem Glutenkonsum. Manchmal kommt es zu sozialem Rückzug oder sogar zu depressiven Verstimmungen. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu holen – durch Angehörige, Beratung oder psychologische Hilfe.
Vorbeugung
Zöliakie kann nicht verhindert werden, da sie genetisch bedingt ist. Eine frühe Diagnose und der Beginn der glutenfreien Ernährung sind jedoch entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden. Wer ein erhöhtes Risiko hat (z. B. durch Familienmitglieder mit Zöliakie), sollte sich beim Arzt auf Antikörper testen lassen – auch ohne Beschwerden.
Impfungen
Eine Impfung gegen Zöliakie gibt es nicht. Menschen mit Zöliakie haben jedoch ein leicht erhöhtes Risiko für bestimmte Infektionen. Daher empfehlen Fachleute die Standardimpfungen gemäß den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) – insbesondere gegen Pneumokokken und Grippe. Ihr Arzt berät Sie.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein flächendeckendes Screening für alle. Aber für Risikogruppen – wie Geschwister oder Kinder von Menschen mit Zöliakie oder Menschen mit Typ-1-Diabetes – wird ein regelmäßiger Antikörper-Test empfohlen. Die AWMF-Leitlinie gibt dazu Empfehlungen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Osteoporose (Knochenschwund) durch Mangel an Kalzium und Vitamin D
- Blutarmut (Anämie) durch Eisenmangel
- Unfruchtbarkeit bei Frauen und Männern
- Erhöhtes Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen (z. B. Schilddrüsenerkrankungen)
- In seltenen Fällen: Dünndarmlymphom (eine Krebserkrankung des Lymphgewebes)
Langzeitprognose
Mit einer streng glutenfreien Ernährung heilt die Dünndarmschleimhaut bei den meisten Menschen vollständig ab. Die Beschwerden verschwinden innerhalb von Wochen bis Monaten. Die Lebenserwartung ist normal. Auch wenn die Ernährung Umstellung erfordert, können Betroffene ein völlig normales, aktives Leben führen. Regelmäßige ärztliche Kontrollen helfen, die Gesundheit langfristig zu sichern.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.