Chronische Prostatitis
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Chronische Prostatitis ist eine langanhaltende Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostata) bei Männern. Sie verursacht Schmerzen im Beckenbereich und Probleme beim Wasserlassen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und nicht bösartig.
Wichtige Fakten
- Chronische Prostatitis ist eine der häufigsten Prostatabeschwerden bei Männern unter 50 Jahren.
- Die Symptome können in Schüben kommen und gehen.
- Sie ist nicht ansteckend und erhöht das Risiko für Prostatakrebs nicht.
Ja, chronische Prostatitis ist weit verbreitet. Etwa 10 bis 15 Prozent aller Männer erleben im Laufe ihres Lebens Symptome einer Prostatitis.
Sie kann Männer jeden Alters betreffen, tritt aber am häufigsten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.
Symptome
- Plötzlicher Harnverhalt (Sie können gar kein Wasser mehr lassen)
- Hohes Fieber über 38,5 °C mit Schüttelfrost
- Starke, unerträgliche Schmerzen im Unterleib oder im Rücken
- ⚠Blut im Urin (sichtbar oder nur mikroskopisch nachgewiesen)
- ⚠Wiederkehrende Harnwegsinfekte
- ⚠Verschlechterung der Beschwerden unter Behandlung
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch, im unteren Rücken, im Damm (Bereich zwischen Hodensack und After) oder in den Hoden
- Häufiger Harndrang, besonders nachts
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen (schwacher Strahl, Nachträufeln)
- Schmerzen beim Samenerguss (Ejakulation)
- Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung
Ursachen
Hauptursachen
- Oft lässt sich keine eindeutige Ursache finden (idiopathische Prostatitis).
- Bakterielle Infektionen – manchmal aus der Harnröhre oder dem Darm.
- Nerven- oder Muskelverspannungen im Beckenboden.
- Immunreaktionen des Körpers nach einer Infektion.
- Dysfunktion des Beckenbodens (zu angespannte oder schwache Muskeln).
Risikofaktoren
- Stress und seelische Belastungen
- Langes Sitzen, z. B. im Beruf oder beim Autofahren
- Bestimmte Sportarten mit Druck auf den Damm (z. B. Radfahren)
- Vorausgegangene Harnwegsinfekte oder Geschlechtskrankheiten
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 38,5 °C und Schüttelfrost
- Bei plötzlichem Harnverhalt
- Bei starken Schmerzen, die nicht nachlassen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltenden Schmerzen im Beckenbereich länger als ein paar Tage
- Bei immer wiederkehrenden Beschwerden beim Wasserlassen
- Wenn Sie sich Sorgen machen oder die Symptome Ihren Alltag beeinträchtigen
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin fragt zunächst nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Dann tastet er die Prostata durch den Enddarm (digitale rektale Untersuchung) und lässt Urin- und Blutproben untersuchen.
Mögliche Untersuchungen
- Urinuntersuchung – auf Infektionen oder Blut
- Blutuntersuchung mit Bestimmung des PSA-Werts (prostataspezifisches Antigen) – um andere Erkrankungen auszuschließen
- Ultraschall der Prostata und der Nieren
- Uroflowmetrie – Messung des Harnstrahls
- Manchmal eine Prostatamassage mit Untersuchung des Sekrets (selten)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die rektale Tastuntersuchung ist kurz und für die meisten Männer etwas unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Die anderen Untersuchungen sind schmerzfrei. Insgesamt dauert der Termin etwa 20 bis 30 Minuten.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Oft wird eine Kombination aus Medikamenten, Physiotherapie und Änderungen im Alltag eingesetzt. Die genaue Therapie richtet sich nach der vermuteten Ursache und den Hauptsymptomen.
Selbsthilfe zu Hause
- Wärme anwenden: Wärmflasche oder Sitzbad für 15–20 Minuten
- Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder Yoga gegen Stress
- Ausreichend Wasser trinken (mindestens 1,5–2 Liter am Tag)
- Regelmäßig die Blase entleeren, nicht einhalten
- Vermeiden von langem Sitzen – öfter aufstehen und kurze Spaziergänge einlegen
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann verschiedene Medikamente verschreiben: entzündungshemmende Schmerzmittel (wie nichtsteroidale Antirheumatika), Medikamente zur Entspannung der Beckenbodenmuskulatur (Alphablocker) oder – bei nachgewiesener bakterieller Infektion – Antibiotika. Die Behandlung erfolgt immer nach den aktuellen AWMF-Leitlinien. Nehmen Sie Medikamente nur nach ärztlicher Verordnung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn wiederholt Harnwegsinfekte auftreten oder ein hartnäckiger Harnverhalt vorliegt. Dann kann eine Verkleinerung der Prostata oder eine Spülung des Prostatagewebes infrage kommen.
Leben mit der Erkrankung
Chronische Prostatitis verläuft oft in Schüben. Im schubfreien Intervall können Sie Ihr Leben normal führen. Bei einem Schub helfen die genannten Selbstmaßnahmen und die ärztliche Behandlung. Planen Sie Pausen ein und schonen Sie sich, wenn die Schmerzen stärker sind.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen (vermeiden Sie starke Erschütterungen wie beim Joggen)
- Stressabbau durch Meditation, Atemübungen oder Hobbys
- Auf ausreichend Schlaf achten
- Nicht zu lange sitzen – Stehpult oder Pausen nutzen
- Auf Rauchen verzichten, Alkohol nur in Maßen
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät gibt es nicht, aber eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Immunsystem unterstützen. Vermeiden Sie stark gewürzte Speisen und Kaffee, wenn sie die Symptome verschlimmern. Beckenbodengymnastik kann helfen, die Muskeln zu entspannen und die Durchblutung zu fördern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und wiederkehrende Beschwerden belasten oft die Psyche. Viele Männer fühlen sich frustriert oder ängstlich. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt darüber. Eine psychosomatische Beratung oder Verhaltenstherapie kann helfen, den Umgang mit den Schmerzen zu verbessern.
Vorbeugung
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, Stressvermeidung und einer ausgewogenen Ernährung kann das Risiko aber senken. Achten Sie auch auf eine gute Hygiene beim Toilettengang.
Impfungen
Nein, es gibt keine Impfung gegen Prostatitis.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening auf chronische Prostatitis. Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs (ab 45 Jahren, Kassenleistung) sind jedoch sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende oder sich verstärkende Beckenschmerzen
- Wiederholte Harnwegsinfekte
- Harnverhalt (Unfähigkeit, Urin zu lassen)
- Selten: Abszessbildung in der Prostata (Eiteransammlung)
- In sehr seltenen Fällen: Einschränkung der Fruchtbarkeit durch Entzündung der Samenwege
Langzeitprognose
Bei konsequenter Behandlung und guter Selbstfürsorge sind die Beschwerden meist gut kontrollierbar. Die Erkrankung heilt nicht immer vollständig aus, aber viele Männer erreichen eine deutliche Linderung und können ein normales Leben führen. Mit Geduld und der richtigen Therapie wird es oft besser.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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