Diabetische Retinopathie
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die diabetische Retinopathie ist eine Augenerkrankung, die durch Diabetes verursacht wird. Dabei werden die kleinen Blutgefäße in der Netzhaut (der lichtempfindlichen Schicht im hinteren Teil des Auges) geschädigt. Dies kann zu Sehproblemen und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen, wenn es nicht behandelt wird.
Wichtige Fakten
- Die Erkrankung verläuft oft lange ohne Symptome – regelmäßige Augenuntersuchungen sind daher entscheidend.
- Mit guter Blutzuckereinstellung kann das Risiko für eine diabetische Retinopathie deutlich gesenkt werden.
- Unbehandelt kann sie zu schwerem Sehverlust führen, aber eine frühzeitige Behandlung bewahrt oft die Sehkraft.
Ja, die diabetische Retinopathie ist eine der häufigsten Komplikationen von Diabetes. Bei Menschen mit Diabetes ist sie die häufigste Ursache für Sehbehinderungen im erwerbsfähigen Alter.
Sie betrifft Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes, vor allem diejenigen, die ihren Blutzucker über Jahre nicht gut im Griff haben. Auch Schwangere mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Starke, anhaltende Lichtblitze oder ein ‚Vorhängefühle‘, als ob ein Vorhang das Sichtfeld abdeckt
- ⚠Neue, sich verschlimmernde Floater (dunkle Flecken oder Schatten im Sichtfeld)
- ⚠Schmerzen im Auge, insbesondere mit Übelkeit oder Erbrechen
- ⚠Veränderungen im Sehvermögen, die innerhalb von Stunden oder Tagen auftreten
Häufige Symptome
- Im Frühstadium treten oft keine Symptome auf.
- Später können verschwommenes Sehen, Lichtblitze, dunkle Flecken oder ‚Fäden‘ im Sichtfeld (sogenannte ‚Mücken‘) auftreten.
- Schwierigkeiten beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern.
- Nachtsichtprobleme.
Symptome bei Kindern
- Kinder haben oft keine Symptome, bis die Erkrankung fortgeschritten ist.
- Sie können über Kopfschmerzen oder Augenbelastung klagen.
- Plötzliches Schielen oder schlechtere Noten in der Schule können Anzeichen sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Erwachsene merken oft eine langsame Verschlechterung der Sehkraft und führen dies fälschlich auf das Alter zurück.
- Sie können auch Schwierigkeiten haben, kleine Schriften zu lesen oder Farben zu unterscheiden.
- Stürze oder Unfälle durch Sehprobleme sind häufiger.
Ursachen
Hauptursachen
- Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die winzigen Blutgefäße in der Netzhaut.
- Diese Gefäße können undicht werden, Flüssigkeit oder Blut austreten und die Netzhaut schädigen.
- Im fortgeschrittenen Stadium wachsen neue, brüchige Blutgefäße, die leicht einreißen und zu massiven Blutungen im Auge führen können.
Risikofaktoren
- Lange Diabetesdauer (je länger, desto höher das Risiko)
- Schlecht eingestellter Blutzucker
- Hoher Blutdruck und hohe Cholesterinwerte
- Rauchen
- Schwangerschaft mit Diabetes
- Nierenerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichem Sehverlust oder neuen, störenden Floatern sollte noch am selben Tag ein Augenarzt aufgesucht werden.
- Bei Schmerzen im Auge oder Sehveränderungen nach einer Augenverletzung sofort den Arzt kontaktieren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Alle Menschen mit Diabetes sollten einmal jährlich eine augenärztliche Untersuchung mit erweiterter Pupille durchführen lassen.
- Bei bestehender diabetischer Retinopathie häufigere Kontrollen (alle 3 bis 6 Monate) nach Anweisung des Augenarztes.
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine umfassende Augenuntersuchung gestellt. Der Augenarzt wird Ihre Pupillen mit Augentropfen erweitern und dann die Netzhaut mit speziellen Geräten untersuchen.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtests (Sehschärfe, Gesichtsfeld)
- Spaltlampenuntersuchung (Mikroskop für das Auge)
- Augenhintergrunduntersuchung (Ophthalmoskopie) nach Pupillenerweiterung
- Optische Kohärenztomographie (OCT) – ein schmerzfreies, detailliertes Bild der Netzhaut
- Fluoreszenzangiographie (Farbstoff wird in eine Armvene gespritzt, um die Blutgefäße im Auge sichtbar zu machen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Die Augentropfen können einige Stunden lang zu Lichtempfindlichkeit und verschwommenem Sehen führen – es wird empfohlen, sich von jemandem nach Hause fahren zu lassen. Die Untersuchungen sind schmerzfrei, aber der Farbstoff bei der Angiographie kann für kurze Zeit ein Wärmegefühl oder Übelkeit verursachen.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen und die Sehkraft zu erhalten. Sie hängt vom Stadium der diabetischen Retinopathie ab und kann eine Kombination aus Selbstmanagement, Medikamenten und manchmal chirurgischen Eingriffen umfassen. Die Therapie erfolgt nach den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Selbsthilfe zu Hause
- Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutzucker – das ist das Wichtigste.
- Halten Sie Ihren Blutdruck und Ihre Cholesterinwerte im Zielbereich.
- Nehmen Sie verschriebene Diabetesmedikamente wie verordnet ein (ohne eigenmächtige Änderungen).
- Ernähren Sie sich gesund und bewegen Sie sich regelmäßig.
- Rauchen Sie nicht – Rauchen verschlechtert die Durchblutung der Augen.
Medizinische Behandlungen
Zu den medizinischen Behandlungen gehören Lasertherapie (zum Abdichten undichter Gefäße), Injektionen von Medikamenten in das Auge (sogenannte Anti-VEGF-Wirkstoffe, die das Wachstum neuer Blutgefäße hemmen) und Medikamente, die Entzündungen reduzieren. Diese werden von einem Augenarzt verabreicht. Die Wahl der Therapie erfolgt individuell je nach Stadium der Erkrankung.
Wann kommt eine Operation infrage?
In fortgeschrittenen Fällen kann eine Operation namens Vitrektomie notwendig sein. Dabei wird das Glaskörpergel im Auge entfernt, um Blutungen zu beseitigen oder vernarbtes Gewebe zu entfernen. Dies wird unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer diabetischen Retinopathie zu leben erfordert eine gute Einstellung des Diabetes und regelmäßige Arztbesuche. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Chancen, das Sehvermögen zu erhalten. Es ist wichtig, die Behandlung konsequent durchzuhalten und bei neuen Symptomen sofort zu handeln.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie eine Sonnenbrille zum Schutz vor UV-Strahlung.
- Vermeiden Sie Aktivitäten, die das Auge belasten oder verletzen könnten (z. B. Kontaktsport ohne Schutzbrille).
- Achten Sie auf eine gute Beleuchtung beim Lesen oder Arbeiten.
- Nutzen Sie bei Bedarf Sehhilfen wie Lupen oder Bildschirmvergrößerung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten hilft, den Blutzucker zu kontrollieren. Auch regelmäßige Bewegung – etwa Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren – verbessert die Blutzuckerwerte und die Durchblutung der Augen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie ein neues Trainingsprogramm beginnen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Augenerkrankung, die zur Erblindung führen kann, ist belastend. Viele Menschen fühlen sich ängstlich oder traurig. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle zu sprechen. Bei akuten Krisen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar – sie können dort anonym sprechen und Unterstützung erhalten.
Vorbeugung
Eine diabetische Retinopathie kann nicht vollständig verhindert werden, aber das Risiko lässt sich durch eine konsequente Diabetesbehandlung erheblich verringern. Die wichtigsten Maßnahmen sind: guter Blutzucker (HbA1c unter 7 % in Absprache mit dem Arzt), normaler Blutdruck, gesunder Lebensstil und regelmäßige Augenuntersuchungen.
Früherkennungsprogramme
Alle Menschen mit Diabetes sollten ab Diagnose einmal jährlich zur augenärztlichen Vorsorge gehen. Bei Schwangerschaft mit Diabetes sind häufigere Kontrollen notwendig. Diese Untersuchungen helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, bevor Symptome auftreten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitender Sehverlust bis zur Erblindung
- Netzhautablösung
- Glaukom (Grüner Star) als Folge der Gefäßwucherungen
- Makulaödem (Flüssigkeitsansammlung im Zentrum der Netzhaut) mit dauerhaftem Schverlust
Langzeitprognose
Die Prognose ist heute viel besser als früher. Mit einer frühzeitigen Diagnose und konsequentem Behandeln von Diabetes und Augenveränderungen kann die Sehkraft in den meisten Fällen erhalten bleiben. Auch bei fortgeschrittener Erkrankung stehen wirksame Behandlungen zur Verfügung. Es gibt Grund zur Hoffnung – Ihr Behandlungsteam wird Sie dabei unterstützen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.