Offenwinkelglaukom
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Glaukom (auch grüner Star genannt) ist eine Augenkrankheit, bei der der Sehnerv geschädigt wird. Der Sehnerv verbindet das Auge mit dem Gehirn. Meist steigt der Druck im Auge an, weil die Flüssigkeit im Auge nicht richtig abfließen kann. Das Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form. Es entwickelt sich langsam und tut anfangs nicht weh.
Wichtige Fakten
- Das Offenwinkelglaukom verursacht lange Zeit keine Beschwerden – oft bemerkt man es erst, wenn schon Schäden am Sehnerv entstanden sind.
- Unbehandelt kann es zu einem Verlust des Gesichtsfeldes (Einschränkung des peripheren Sehens) und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen.
- Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung können das Fortschreiten verlangsamen oder aufhalten.
Ja, das Offenwinkelglaukom ist eine der häufigsten Augenerkrankungen weltweit. In Deutschland sind etwa 1 bis 2 von 100 Erwachsenen über 40 Jahren betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko.
Es tritt vor allem bei Menschen über 40 Jahren auf. Auch eine familiäre Belastung (Glaukom in der Familie), eine sehr dünne Hornhaut und bestimmte Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck können das Risiko erhöhen.
Symptome
- Plötzliche starke Augenschmerzen
- Plötzlicher Sehverlust oder extreme Sehverschlechterung
- Roter, schmerzhafter Augapfel – kann auf einen akuten Glaukomanfall hindeuten (Notfall: sofort Behandlungsuche, sonst droht Erblindung)
- ⚠Neu auftretende Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfälle (Schatten, Lücken im Sichtfeld)
- ⚠Wiederkehrende Augenrötungen oder -druckschmerzen
Häufige Symptome
- Im Frühstadium gibt es meist keinerlei Symptome.
- Später können Einschränkungen des Sehfeldes auftreten – zum Beispiel fällt es schwer, seitlich zu sehen (Tunnelblick).
- In fortgeschrittenen Stadien kann auch das zentrale Sehen beeinträchtigt sein.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist ein Offenwinkelglaukom sehr selten. Symptome können große, lichtempfindliche Augen, Tränen und Augenreiben sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen bemerken oft langsam nachlassende Sehfähigkeit – vor allem beim Autofahren oder beim Erkennen von Hindernissen am Rand.
- Das Anpassen an unterschiedliche Lichtverhältnisse fällt schwerer.
Ursachen
Hauptursachen
- Beim Offenwinkelglaukom ist der Abfluss der Kammerflüssigkeit (des Augenwassers) im Auge behindert. Der Abflusskanal (Trabekelwerk) sieht zwar offen aus, aber die Flüssigkeit kann nicht gut abfließen. Dadurch steigt der Augeninnendruck, und der empfindliche Sehnerv wird geschädigt.
- In einigen Fällen kann der Sehnerv auch bei normalem Augendruck geschädigt werden (Normaldruckglaukom). Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt.
Risikofaktoren
- Alter über 40 Jahre
- Familiäre Vorbelastung (Glaukom in der Familie)
- Erhöhter Augeninnendruck
- Dünne Hornhaut
- Kurzsichtigkeit (Myopie)
- Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Schlafapnoe
- Langzeit-Behandlung mit Kortison-Präparaten (z. B. Augentropfen, Tabletten)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich Sehstörungen oder Augenschmerzen bemerken
- Wenn Sie das Gefühl haben, seitlich nichts mehr zu sehen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Ab dem 40. Lebensjahr sollten Sie regelmäßig den Augeninnendruck messen lassen – auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Ein Abstand von 1–2 Jahren ist empfehlenswert.
- Wenn Sie Risikofaktoren haben (z. B. familiäre Belastung), lassen Sie sich bereits früher und häufiger untersuchen.
Diagnose
Die Diagnose wird von einer Augenärztin oder einem Augenarzt gestellt. Sie befragen Sie zu Ihren Beschwerden, Ihrer Familiengeschichte und zu Risikofaktoren. Dann werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Augeninnendruckmessung (Tonometrie): Ein Gerät misst den Druck im Auge. Dazu wird oft ein Tropfen Betäubungsmittel gegeben.
- Spaltlampenuntersuchung: Der Arzt betrachtet Ihren Augenhintergrund durch ein Mikroskop.
- Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Sie schauen in ein Gerät und drücken einen Knopf, wenn Sie Lichtblitze sehen. So wird Ihr gesamtes Sichtfeld geprüft.
- Sehnervenkopfbeurteilung (Ophthalmoskopie): Der Arzt erweitert Ihre Pupille mit Tropfen und betrachtet den Sehnerv.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Eine schnelle, schmerzlose Aufnahme des Sehnervs und der Netzhaut.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei. Die Pupillenerweiterung kann für einige Stunden zu verschwommenem Sehen und Lichtempfindlichkeit führen – Sie sollten danach nicht selbst Auto fahren. Planen Sie Begleitung ein oder nehmen Sie öffentliche Verkehrsmittel.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, den Augeninnendruck zu senken und so den Sehnerv zu schützen. Einmal entstandene Schäden am Sehnerv sind nicht rückgängig zu machen. Mit konsequenter Behandlung kann das Fortschreiten der Erkrankung aber meist verlangsamt werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie Ihre vereinbarten Kontrolltermine regelmäßig ein (Augendruckmessung, Gesichtsfelduntersuchung).
- Wenn Ihnen Augentropfen verschrieben wurden, wenden Sie diese exakt nach Anweisung an – auch wenn Sie keine Beschwerden haben.
- Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise (ausgewogene Ernährung, Bewegung, nicht rauchen). Das kann den Augeninnendruck positiv beeinflussen.
- Vermeiden Sie starkes Pressen beim Stuhlgang – das kann den Augendruck kurzfristig erhöhen. Trinken Sie ausreichend.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung beginnt meist mit Augentropfen, die den Augeninnendruck senken. Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen – Ihr Augenarzt wählt das für Sie geeignete Mittel aus. Manchmal reichen Tropfen nicht aus, dann kommen andere Verfahren infrage: Eine Lasertherapie (z. B. selektive Lasertrabekuloplastik, SLT) verbessert den Abfluss der Augenflüssigkeit. Auch operative Eingriffe (wie die Trabekulektomie) können den Abfluss verbessern. Ihr Arzt wird mit Ihnen die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn Augentropfen und/oder Laser nicht ausreichen, um den Augendruck ausreichend zu senken, oder wenn die Tropfen nicht vertragen werden. Die häufigste Operation ist die Trabekulektomie, bei der ein künstlicher Abfluss für die Augenflüssigkeit geschaffen wird.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit Offenwinkelglaukom können ein normales Leben führen. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt. Mit einer guten Behandlung bleibt die Sehfähigkeit oft lange erhalten. Falls Ihr Sichtfeld eingeschränkt ist, können Sie beim Autofahren in speziellen Prüfungen zeigen, ob Sie noch fahrtauglich sind (dies wird in Deutschland von den Behörden geprüft).
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Ihre Medikamente konsequent – auch wenn Sie nichts spüren.
- Tragen Sie mit, wann Ihre nächste Augenarztkontrolle ansteht, und halten Sie diese ein.
- Sorgen Sie für gute Beleuchtung – das erleichtert das Sehen.
- Informieren Sie Ihre Familie und Freunde über Ihre Erkrankung, damit sie Verständnis für Ihre Seheinschränkungen haben.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die allgemeine Gesundheit – ein direkter Einfluss auf den Augeninnendruck ist aber nicht belegt. Moderate Bewegung (z. B. Spazierengehen, Schwimmen) ist empfehlenswert. Verzichten Sie auf sehr anstrengende Übungen mit starkem Pressen oder Kopf-unter-Stellungen (z. B. Kopfstand im Yoga), da diese den Augendruck kurzzeitig erhöhen können. Rauchen sollten Sie vermeiden, da es die Sehnervendurchblutung verschlechtern kann.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Glaukom kann verunsichern. Die Angst vor dem Verlust der Sehkraft belastet viele Betroffene. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren (ihre Behandlung) und bei Bedarf psychologische Unterstützung zu suchen. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt oder einem Psychotherapeuten kann helfen.
Vorbeugung
Ein Offenwinkelglaukom lässt sich nicht sicher verhindern. Aber Sie können das Risiko senken, indem Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes gut behandeln lassen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind der beste Schutz – denn je früher ein Glaukom erkannt wird, desto besser kann man es behandeln.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Glaukom.
Früherkennungsprogramme
Ab dem 40. Lebensjahr empfiehlt die AWMF-Leitlinie eine regelmäßige Glaukom-Vorsorgeuntersuchung durch den Augenarzt, vor allem wenn Risikofaktoren vorliegen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Untersuchung in der Regel nicht als Routine – fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach den Kosten (oft ca. 20–30 €).
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Einschränkung des Gesichtsfeldes – zunächst an den Seiten, später zentral.
- Erhöhtes Sturz- und Unfallrisiko durch eingeschränkte räumliche Wahrnehmung.
- Im Endstadium vollständiger Verlust des Sehvermögens (Erblindung).
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung können Sie das Fortschreiten der Erkrankung oft über viele Jahre aufhalten. Die meisten Menschen mit Glaukom bleiben zeitlebens sehfähig. Ein positiver Umgang mit der Erkrankung und regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt geben Ihnen die beste Chance, Ihre Sehkraft zu erhalten. Die Medizin entwickelt sich stetig weiter – es gibt Grund zur Hoffnung.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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