Hyperglykämie (hoher Blutzucker)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Bei schweren, sich verschlechternden oder lebensbedrohlichen Symptomen sofort ärztliche Hilfe suchen.
Übersicht
Hyperglykämie bedeutet zu viel Zucker (Glukose) im Blut. Das passiert, wenn der Körper den Zucker nicht richtig in die Zellen transportieren kann. Es ist ein typisches Merkmal von Diabetes.
Wichtige Fakten
- Hyperglykämie ist ein zentrales Anzeichen von Diabetes.
- Unbehandelt kann sie zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen.
- Durch gute Einstellung und einen gesunden Lebensstil kann man sie meist vermeiden oder gut in den Griff bekommen.
Ja, Hyperglykämie ist sehr häufig, vor allem bei Menschen mit Diabetes. Auch bei schweren Erkrankungen oder starkem Stress kann der Blutzucker vorübergehend ansteigen.
Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 sind besonders betroffen. Auch bei Infektionen, Operationen oder starkem Stress kann der Blutzucker bei jedem Menschen kurzfristig ansteigen.
Symptome
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Fruchtiger Atemgeruch (wie Aceton)
- Schnelle, tiefe Atmung
- Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Blutzuckerwerte über 300 mg/dl (16,6 mmol/l), die nicht sinken
- ⚠Anhaltende starke Übelkeit oder Erbrechen
- ⚠Verwirrtheit oder Benommenheit
- ⚠Starke Schmerzen im Bauchbereich
Häufige Symptome
- Starker Durst
- Häufiges Wasserlassen, besonders nachts
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Verschwommenes Sehen
- Trockene Haut oder Juckreiz
- Gewichtsverlust ohne ersichtlichen Grund
Symptome bei Kindern
- Ähnliche Symptome wie bei Erwachsenen: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit
- Bettnässen (auch bei zuvor trockenen Kindern)
- Gewichtsverlust trotz normalen Essens
- Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Desorientierung
- Schwindel oder Stürze
- Das Durstgefühl kann vermindert sein, daher wird zu wenig getrunken
- Trockene, rissige Haut
- Erhöhte Infektanfälligkeit (z. B. Harnwegsinfekte)
Ursachen
Hauptursachen
- Zu wenig Insulin im Körper (bei Diabetes Typ 1)
- Insulin wirkt nicht ausreichend (Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetes)
- Zu große Mahlzeiten mit vielen Kohlenhydraten
- Infektionen, Verletzungen oder Operationen
- Vergessene oder zu geringe Dosis von blutzuckersenkenden Medikamenten
- Starker emotionaler oder körperlicher Stress
Risikofaktoren
- Übergewicht oder starkes Übergewicht (Adipositas)
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Zucker und Fett
- Familienmitglieder mit Diabetes
- Bestimmte Volksgruppen (z. B. Menschen mit südeuropäischer oder asiatischer Abstammung)
- Älteres Alter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Blutzuckerwerten dauerhaft über 300 mg/dl (16,6 mmol/l)
- Wenn Sie die oben genannten Notfallsymptome wie Erbrechen oder Verwirrtheit bemerken
- Bei starker Müdigkeit oder Sehstörungen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn bei Ihnen neu Diabetes festgestellt wurde, sollten Sie regelmäßig Ihre Werte kontrollieren lassen
- Vorsorgetermine zur Überprüfung von Blutzucker und Langzeitwert (HbA1c)
- Falls Sie Ihren Blutzucker selbst messen und auffällige Werte feststellen
Diagnose
Die Diagnose wird durch Blutuntersuchungen gestellt: entweder durch eine einfache Blutzuckermessung (nüchtern oder nach dem Essen) oder durch den Langzeitwert HbA1c, der den durchschnittlichen Blutzucker der letzten zwei bis drei Monate anzeigt.
Mögliche Untersuchungen
- Nüchternblutzucker (Blutzucker nach mindestens acht Stunden ohne Essen)
- Oraler Glukosetoleranztest (OGTT): Trinken einer Zuckerlösung, danach mehrfache Blutzuckermessung
- HbA1c (Glykohämoglobin) – durchschnittlicher Blutzucker der letzten Wochen
- Gelegentlich: Blutzuckertagesprofil (mehrere Messungen an einem Tag)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Zuerst führt Ihr Arzt ein Gespräch über Ihre Beschwerden und Risiken. Danach wird Blut abgenommen, meist aus der Armvene. Die Ergebnisse sind meist nach einigen Tagen da. Vereinbaren Sie einen Folgetermin, um die Werte zu besprechen und eine Behandlung – falls nötig – einzuleiten.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist es, den Blutzucker auf einen gesunden Wert zu senken und Langzeitschäden zu vermeiden. Die Behandlung umfasst eine Kombination aus Lebensstiländerungen, Blutzuckermessung und Medikamenten. Welche Medikamente infrage kommen, hängt von der Art des Diabetes und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Blutzuckermessungen (mit dem Blutzuckermessgerät, das Sie von Ihrem Arzt bekommen)
- Ausreichend trinken – am besten Wasser oder ungesüßte Tees
- Kohlenhydratzufuhr anpassen (weniger Zucker, mehr Vollkornprodukte)
- Mehr Bewegung – auch 30-minütige Spaziergänge senken den Blutzucker
- Stress abbauen durch Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation
Medizinische Behandlungen
Bei Diabetes Typ 1 ist die Behandlung mit Insulin lebensnotwendig. Bei Diabetes Typ 2 kommen zunächst häufig Tabletten zum Einsatz, die die Insulinempfindlichkeit verbessern oder die Zuckeraufnahme im Darm verringern. In manchen Fällen wird auch Insulin gespritzt. Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen die für Sie passende Therapie festlegen. Nehmen Sie Ihre Medikamente immer genau nach Anweisung ein und lassen Sie sich nicht von fremden Empfehlungen verunsichern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Hyperglykämie an sich nicht nötig. Sie kann jedoch bei Komplikationen wie diabetischen Fußgeschwüren oder Durchblutungsstörungen erforderlich werden.
Leben mit der Erkrankung
Sie werden lernen, Ihren Blutzucker im Auge zu behalten. Dazu gehört regelmäßiges Messen, das Führen eines Blutzuckertagebuchs und die Anpassung von Essen, Bewegung und Medikamenten. Viele Menschen führen trotz Diabetes ein völlig normales Leben.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Blutzuckertagebuch (z. B. auch per App) – das hilft, Muster zu erkennen
- Planen Sie Ihre Mahlzeiten voraus und achten Sie auf gleichmäßige Kohlenhydratzufuhr
- Bewegen Sie sich täglich – am besten an der frischen Luft
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum
- Suchen Sie sich Unterstützung bei Diabetesberaterinnen oder in Selbsthilfegruppen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten, magerem Eiweiß und gesunden Fetten ist die Basis. Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke und stark verarbeitete Lebensmittel. Regelmäßige Bewegung – mindestens 30 Minuten pro Tag – verbessert die Insulinwirkung und senkt den Blutzucker. Jede Form von Bewegung ist gut: Gehen, Radfahren, Schwimmen oder sanftes Krafttraining.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die ständige Beschäftigung mit dem Blutzucker kann belastend sein. Viele Menschen fühlen sich ängstlich oder genervt. Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus – das entlastet. Bei starker Belastung sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, z. B. eine psychologische Beratung.
Vorbeugung
Bei Diabetes Typ 1 kann man nicht vorbeugen. Bei Diabetes Typ 2 kann ein gesunder Lebensstil (Normalgewicht, ausreichend Bewegung, ausgewogene Ernährung) das Risiko deutlich senken oder den Ausbruch um Jahre verzögern. Auch wenn bereits eine Hyperglykämie aufgetreten ist, können Sie durch die oben genannten Maßnahmen die Werte verbessern.
Impfungen
Gegen Hyperglykämie selbst gibt es keine Impfung. Es ist jedoch wichtig, sich gegen Grippe und Lungenentzündung impfen zu lassen, da Infekte den Blutzucker in die Höhe treiben können. Besprechen Sie die empfohlenen Impfungen mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Vorsorgeuntersuchungen auf Diabetes sind empfehlenswert: ab 45 Jahren (bei Risikofaktoren früher) wird alle drei Jahre der Blutzucker gemessen. Bei ersten Anzeichen einer Hyperglykämie sollte eine Abklärung erfolgen. Die AWMF-Leitlinien empfehlen ein strukturiertes Screening für Risikogruppen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall)
- Nierenschädigung (diabetische Nephropathie) bis hin zur Dialysepflicht
- Augenschäden (diabetische Retinopathie) bis zur Erblindung
- Nervenschäden (Polyneuropathie) mit Kribbeln oder Schmerzen in den Beinen
- Fußprobleme (diabetischer Fuß) mit Geschwüren und Infektionen
- Akute Notfälle wie diabetische Ketoazidose (Übersäuerung) oder hyperosmolares Koma
Langzeitprognose
Mit einer guten Blutzuckerkontrolle und einem gesunden Lebensstil können Sie das Risiko für Komplikationen erheblich senken. Viele Menschen mit Diabetes leben lange und beschwerdefrei. Bleiben Sie in regelmäßiger ärztlicher Betreuung und nutzen Sie die vielfältigen Unterstützungsangebote. Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut – Sie müssen nicht verzweifeln.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Diabetes Hilfe – Stiftung ↗ · Deutschland
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ↗ · Deutschland
- Diabetes-KIDS e.V. (für Kinder und Jugendliche) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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