Hypothyroidism
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- WHO—Health topics A–Z(2024)
- NHS—Health A to Z(2024)
- CDC—Health topics(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hypothyreose (auch Schilddrüsenunterfunktion genannt) bedeutet, dass Ihre Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone produziert. Diese Hormone steuern Ihren Energiehaushalt, Ihren Stoffwechsel und viele Körperfunktionen – daher führt ein Mangel oft zu einer Verlangsamung des gesamten Körpers.
Wichtige Fakten
- Die Erkrankung ist gut behandelbar – mit täglichen Hormontabletten lässt sich der Mangel ausgleichen.
- Ohne Behandlung kann die Unterfunktion zu Müdigkeit, Gewichtszunahme und anderen Beschwerden führen.
- Eine unbehandelte schwere Unterfunktion ist selten, aber lebensbedrohlich (Myxödem-Koma) – dann sofort den Notruf 112 wählen.
Ja, die Schilddrüsenunterfunktion ist eine der häufigsten Hormonstörungen. In Deutschland sind etwa 5 von 100 Erwachsenen betroffen, Frauen etwa fünfmal häufiger als Männer.
Betroffen sind vor allem Frauen ab 40 Jahren, aber auch jüngere Menschen und Männer. Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen (z. B. Typ-1-Diabetes, Zöliakie) haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Plötzliche Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
- Sehr langsame Herzfrequenz unter 40 Schläge pro Minute
- Unterkühlung trotz normaler Umgebungstemperatur
- Schwere Kurzatmigkeit
- Krampfanfälle
- ⚠Starke, anhaltende Müdigkeit, die den Alltag unmöglich macht
- ⚠Sehr trockene, schuppige Haut mit Hautrissen
- ⚠Neue oder sich verschlechternde depressive Symptome
- ⚠Schluckbeschwerden oder Druckgefühl im Hals (mögliche Schilddrüsenvergrößerung)
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme trotz normaler Ernährung
- Kälteempfindlichkeit
- Trockene, spröde Haut und Haare
- Verstopfung
- Muskelschwäche
- Depressive Verstimmung
- Konzentrationsstörungen („Brain Fog“)
- Langsamer Puls (Bradykardie)
- Heisere Stimme
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung (zu klein für das Alter)
- Müdigkeit und verminderte Aktivität
- Schwierigkeiten in der Schule (Langsamkeit, Konzentrationsprobleme)
- Verzögerte Pubertät
- Häufige Verstopfung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verstärkte Müdigkeit und Schwäche
- Gedächtnisprobleme (oft fälschlich als Demenz gedeutet)
- Gewichtszunahme
- Kälteempfindlichkeit
- Chronische Verstopfung
- Muskelschmerzen
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis (das Immunsystem greift die Schilddrüse an)
- Jodmangel (in Deutschland selten dank Jodsalz, aber weltweit häufig)
- Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion (z. B. nach Operation oder Radiojodtherapie)
- Bestrahlung im Halsbereich (z. B. bei Krebsbehandlung)
- Entfernung der Schilddrüse (Operation)
- Angeborene Schilddrüsenunterfunktion (selten, wird beim Neugeborenen-Screening entdeckt)
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter über 40 Jahre
- Familienangehörige mit Schilddrüsenerkrankungen
- Andere Autoimmunerkrankungen (z. B. Typ-1-Diabetes, rheumatoide Arthritis)
- Jodmangel in der Ernährung
- Bestimmte Medikamente (z. B. Lithium, Amiodaron – fragen Sie Ihren Arzt)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher Verschlechterung Ihres Allgemeinzustands (Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen – Notruf 112)
- Sehr langsame Herzfrequenz (unter 50 Schläge pro Minute) oder Ohnmachtsanfälle
- Starke Müdigkeit, die Sie nicht mehr aus dem Bett kommen lässt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltende Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Kältegefühl ohne erkennbaren Grund
- Veränderungen an Haut, Haaren oder Nägeln
- Stimmungstief, das länger als zwei Wochen anhält
- Familienplanung oder Schwangerschaft (eine Unterfunktion muss gut eingestellt sein)
- Regelmäßige Vorsorge, falls in Ihrer Familie Schilddrüsenerkrankungen bekannt sind
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine Blutuntersuchung gestellt. Ihr Arzt wird die Schilddrüsenstimulierende Hormon (TSH) und die freien Schilddrüsenhormone (fT3, fT4) messen. Bei erhöhtem TSH und niedrigen fT4-Werten liegt eine Unterfunktion vor. Oft wird auch nach Antikörpern gesucht, die auf Hashimoto-Thyreoiditis hinweisen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: TSH, fT4, ggf. fT3 und Schilddrüsenantikörper (TPO-Ak, Tg-Ak)
- Ultraschall der Schilddrüse (um Größe und Struktur zu beurteilen)
- Bei Auffälligkeiten: Szintigrafie (nur bei Knoten oder Überfunktion – nicht routinemäßig bei Unterfunktion)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch beginnt mit einem Gespräch über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte. Dann wird Blut abgenommen – das ist schnell und fast schmerzfrei. Möglicherweise müssen Sie einige Tage auf die Ergebnisse warten. Die Ultraschalluntersuchung ist schmerzlos und dauert etwa 10–15 Minuten. Experten empfehlen, bei Verdacht auf Schilddrüsenerkrankungen die Leitlinien der AWMF zu beachten – Ihr Arzt ist damit vertraut.
Behandlung
Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion besteht darin, die fehlenden Hormone durch ein synthetisches Schilddrüsenhormon zu ersetzen. Das ist eine Hormonersatztherapie, die Sie ein Leben lang durchführen müssen. Die Dosis wird individuell angepasst, bis Ihre Werte im Normalbereich liegen. Mit der richtigen Einstellung können Sie vollkommen beschwerdefrei sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihr Hormonpräparat jeden Morgen auf nüchternen Magen (mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück) mit einem Glas Wasser ein.
- Vermeiden Sie die gleichzeitige Einnahme von kalzium- oder eisenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln, da diese die Aufnahme beeinträchtigen. Warten Sie mindestens 4 Stunden Abstand.
- Lassen Sie Ihre Schilddrüsenwerte regelmäßig (alle 6–12 Monate) vom Arzt kontrollieren.
- Achten Sie auf Veränderungen Ihres Befindens – bei Anzeichen einer Über- oder Unterdosierung (z. B. Herzrasen oder verstärkte Müdigkeit) sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt.
Medizinische Behandlungen
Die Standardbehandlung ist die orale Gabe eines synthetischen Schilddrüsenhormons (L-Thyroxin). Die Dosierung wird an Ihr Gewicht, Ihr Alter und Ihre Blutwerte angepasst. Nach einer Einstellungsphase (meist einige Wochen bis Monate) werden Sie regelmäßig kontrolliert. Bei Patienten mit begleitenden Herzerkrankungen wird die Dosis vorsichtig gesteigert. Die Therapie ist lebenslang, aber Sie können ein völlig normales Leben führen. Eine Operation ist nur bei sehr großen Knoten oder wenn die Schilddrüse auf die Luftröhre drückt, notwendig – dies ist aber selten der Fall.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird in der Regel nicht zur Behandlung einer einfachen Unterfunktion durchgeführt. Sie kann jedoch nötig sein, wenn die Schilddrüse stark vergrößert ist (Kropf) oder wenn Krebszellen entdeckt wurden. In diesen Fällen besprechen Chirurgen und Endokrinologen gemeinsam das Vorgehen.
Leben mit der Erkrankung
Die Behandlung mit Hormonersatz ist einfach und sicher. Sie nehmen täglich eine Tablette ein und lassen regelmäßig Ihre Blutwerte kontrollieren. Nach der optimalen Einstellung werden Sie sich meist wieder ganz normal fühlen. Viele Menschen vergessen nach einiger Zeit, dass sie eine Schilddrüsenerkrankung haben – die Tablette wird zur Routine.
Tipps für den Alltag
- Feste Einnahmezeiten für Ihre Hormontablette (z. B. direkt nach dem Aufstehen).
- Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Jod (z. B. Seefisch, Jodsalz).
- Vermeiden Sie übermäßige Mengen an Soja, Ballaststoffen und Walnüssen zur gleichen Zeit wie die Tablette (sie können die Aufnahme stören).
- Regelmäßige Bewegung fördert den Stoffwechsel und Ihr Wohlbefinden.
- Stressmanagement: Yoga, Meditation oder Spaziergänge können helfen.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist nicht nötig, aber achten Sie darauf, ausreichend Jod zu sich zu nehmen (die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 200 Mikrogramm pro Tag für Erwachsene). Gut geeignet sind Seefisch, Milchprodukte und Jodsalz. Vermeiden Sie jedoch extrem jodreiche Nahrungsergänzungsmittel ohne ärztliche Rücksprache. Bewegung ist uneingeschränkt möglich – sobald Ihre Werte eingestellt sind, haben Sie wieder die volle Energie dafür.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann zu Antriebslosigkeit, Depressivität und Konzentrationsstörungen führen. Viele Menschen fühlen sich leer oder hoffnungslos. Das Wichtigste: Mit der richtigen Behandlung bessern sich diese Symptome meist wieder. Sollten depressive Gefühle bestehen bleiben, scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen – Psychotherapie oder Beratung kann zusätzlich helfen. Bei akuten Krisen rufen Sie die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117.
Vorbeugung
In den meisten Fällen lässt sich eine Schilddrüsenunterfunktion nicht verhindern – besonders die autoimmune Form (Hashimoto) ist genetisch bedingt. Sie können jedoch dafür sorgen, dass Ihr Körper ausreichend mit Jod versorgt ist. Jodmangel ist in Deutschland durch Jodsalz selten, aber achten Sie auf eine bewusste Ernährung. Halten Sie Ihr Immunsystem durch einen gesunden Lebensstil stabil.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Screening auf Schilddrüsenunterfunktion für alle ist nicht empfohlen. Allerdings wird bei Neugeborenen (U2-Untersuchung) routinemäßig ein Bluttest auf angeborene Unterfunktion durchgeführt. Bei Risikopersonen (z. B. Frauen mit Kinderwunsch, Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen) ist eine frühzeitige Blutkontrolle sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Kropf (Vergrößerung der Schilddrüse) – kann zu Schluck- und Atembeschwerden führen
- Herzprobleme: verlangsamter Herzschlag, Herzinsuffizienz, erhöhtes Risiko für Arteriosklerose
- Psychische Veränderungen: schwere Depression, Verwirrtheit, Gedächtnisverlust
- Unfruchtbarkeit und erhöhtes Risiko für Fehlgeburten bei Frauen
- Seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation: Myxödem-Koma – mit Unterkühlung, Bewusstseinsstörung und Atemstillstand (Notruf 112!)
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Hormonersatztherapie ist die Prognose ausgezeichnet. Die meisten Menschen führen ein völlig normales Leben ohne Einschränkungen. Wichtig ist, die Tabletten regelmäßig einzunehmen und die Blutwerte im Auge zu behalten. Die Lebenserwartung ist nicht verkürzt. Ja, es ist eine lebenslange Erkrankung, aber sie ist heute sehr gut beherrschbar – und das gibt Hoffnung.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Schilddrüsenbundesverband e.V. ↗ · Deutschland
- Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.