Keratoconus im Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Keratokonus ist eine Augenerkrankung, bei der die Hornhaut – die durchsichtige Schicht vor der Pupille – dünner wird und sich kegelförmig nach vorne wölbt. Das verändert die Form der Hornhaut und führt zu verschwommenem oder verzerrtem Sehen.
Wichtige Fakten
- Keratokonus beginnt meist in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter.
- Die Erkrankung schreitet oft über mehrere Jahre fort und kann das Sehen stark beeinträchtigen.
- Behandlungen können helfen, die Sehqualität zu verbessern, eine Operation wird erst bei fortgeschrittenem Verlauf empfohlen.
Keratokonus ist eher selten. Schätzungsweise betrifft er etwa 1 von 2000 Menschen. Viele Fälle sind mild und bleiben unerkannt.
Keratokonus tritt häufiger bei jungen Menschen auf, meist beginnt er zwischen dem 10. und 25. Lebensjahr. Er kann beide Geschlechter betreffen, kommt aber häufiger bei Männern vor. Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen (z. B. Down-Syndrom) oder einer familiären Vorbelastung sind häufiger betroffen.
Symptome
- Plötzlicher starker Schmerz im Auge.
- Plötzliche Verschlechterung des Sehvermögens innerhalb weniger Minuten oder Stunden.
- Lichtblitze oder plötzlicher Schatten im Sichtfeld – dies kann auf einen Hornhautriss hindeuten.
- ⚠Wenn sich die Sehkraft innerhalb weniger Tage stark verschlechtert.
- ⚠Wenn Sie nach einem Stoß oder einer Verletzung am Auge plötzlich einen weißen Fleck auf der Hornhaut sehen.
Häufige Symptome
- Verschwommenes oder verzerrtes Sehen, besonders beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern.
- Häufiger Wechsel der Brille oder Kontaktlinsen, da sich die Sehstärke verändert.
- Lichtempfindlichkeit oder Blendungsgefühle, vor allem nachts.
- Doppelbilder auf einem Auge (Monokulare Diplopie).
Symptome bei Kindern
- Verschlechterung der Schulleistungen durch Sehprobleme.
- Häufiges Augenreiben.
- Probleme beim Lesen an der Tafel oder beim Erkennen von Verkehrsschildern.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen kann der Keratokonus stabil bleiben, aber durch Altersveränderungen (z. B. Grauer Star) verschlimmert sich das Sehen oft.
- Trockene Augen oder Reizungen können zusätzlich auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man vermutet eine Kombination aus erblichen Faktoren (Veranlagung) und Umweltfaktoren.
- Häufiges und kräftiges Reiben der Augen wird als wichtiger Auslöser gesehen.
- Eine Bindegewebsschwäche in der Hornhaut führt dazu, dass diese dünner wird und sich wölbt.
Risikofaktoren
- Familienmitglieder mit Keratokonus (Eltern, Geschwister).
- Chronisches Reiben der Augen – z. B. durch Allergien (Heuschnupfen) oder Trockenheit.
- Bestimmte Erkrankungen wie Down-Syndrom, Schlafapnoe oder Ehlers-Danlos-Syndrom.
- Junges Alter (Häufung bei Teenagern und jungen Erwachsenen).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich das Sehen innerhalb weniger Tage verschlechtert oder starke Lichtblitze auftreten.
- Bei plötzlichen Augenschmerzen oder einem Gefühl von Druck im Auge.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bemerken, dass Ihre Sehstärke sich häufig ändert, gehen Sie zum Augenarzt.
- Auch wenn Sie nur leichte Symptome haben, sollten Sie regelmäßig zur Vorsorge gehen (mindestens alle ein bis zwei Jahre).
Diagnose
Der Augenarzt stellt die Diagnose mit speziellen Untersuchungen. Zuerst wird die Hornhaut unter einer Spaltlampe (Mikroskop) betrachtet. Dann wird die Krümmung der Hornhaut mit einem Computer gemessen – das ist die sogenannte Hornhauttopografie.
Mögliche Untersuchungen
- Spaltlampenuntersuchung – der Arzt betrachtet die Hornhaut mit einem Mikroskop.
- Hornhauttopografie – ein Scanner erstellt eine Karte der Hornhautkrümmung.
- Pachymetrie – Messung der Hornhautdicke.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern etwa 20 bis 30 Minuten. Manchmal werden Augentropfen verwendet, die die Pupille weiten. Danach kann das Sehen vorübergehend verschwommen sein. Fahren Sie dann nicht selbst Auto.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. In frühen Stadien reichen oft Brillen oder weiche Kontaktlinsen. Bei Fortschreiten kommen spezielle Kontaktlinsen (z. B. harte oder geformte Linsen) oder ein Verfahren zur Hornhautverfestigung (Cross-Linking) in Frage. In fortgeschrittenen Fällen kann eine Hornhauttransplantation notwendig sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Vermeiden Sie kräftiges Reiben der Augen – das kann die Erkrankung verschlechtern.
- Tragen Sie eine Sonnenbrille, um Blendung zu vermeiden.
- Verwenden Sie befeuchtende Augentropfen (künstliche Tränen), wenn Ihre Augen trocken sind – achten Sie auf konservierungsmittelfreie Tropfen, wenn Sie Kontaktlinsen tragen.
Medizinische Behandlungen
Der Augenarzt kann je nach Verlauf ein Verfahren namens Cross-Linking (Hornhautvernetzung) vorschlagen. Dabei wird die Hornhaut mit speziellem Vitamin B2 und UV-Licht behandelt, um sie zu stabilisieren. Das stoppt oft das Fortschreiten. Bei fortgeschrittener Erkrankung kommen spezielle Kontaktlinsen (z. B. sklerale Linsen) oder eine Hornhautteiltransplantation infrage. Ihr Arzt wird Sie über die Vor- und Nachteile aufklären.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird empfohlen, wenn die Behandlung mit Brillen oder Kontaktlinsen nicht mehr ausreicht, um gutes Sehen zu erreichen, oder wenn die Hornhaut sehr dünn wird und reißt. Die häufigste OP ist eine partielle Hornhauttransplantation.
Leben mit der Erkrankung
Mit Keratokonus können Sie die meisten Aktivitäten wie Lesen, Autofahren (mit geeigneter Sehhilfe) und Arbeiten am Bildschirm fortsetzen. Wichtig ist eine gute Beleuchtung und regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie Ihre Sehhilfe konsequent, besonders beim Führen von Fahrzeugen.
- Schützen Sie Ihre Augen vor Wind und trockener Luft.
- Verzichten Sie auf Aktivitäten, bei denen die Augen stark beansprucht oder gerieben werden (z. B. bestimmte Sportarten ohne Schutz).
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät für Keratokonus. Eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen (insbesondere Vitamin A und C) unterstützt die allgemeine Augengesundheit. Sport ist in der Regel möglich, aber bei Kontaktsport sollten Sie eine Schutzbrille tragen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Sehverschlechterung kann belastend sein und zu Ängsten führen, vor allem wenn Sie auf das Führen von Fahrzeugen oder die Berufswahl achten müssen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder suchen Sie psychologische Beratung, wenn die Belastung groß ist.
Vorbeugung
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich, da die Veranlagung vererbt werden kann. Sie können jedoch das Risiko verringern, indem Sie das Reiben der Augen vermeiden (vor allem bei Allergien). Behandeln Sie Allergien rechtzeitig.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Keratokonus.
Früherkennungsprogramme
Wenn in Ihrer Familie Keratokonus vorkommt, lassen Sie Ihre Augen regelmäßig (alle ein bis zwei Jahre) beim Augenarzt untersuchen. Eine Früherkennung kann den Verlauf günstig beeinflussen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreiten der Hornhautverkrümmung bis zur starken Sehbehinderung.
- Narbenbildung auf der Hornhaut, die die Sicht dauerhaft trübt.
- Akuter Hornhautriss mit plötzlichem Sehverlust (selten, aber Notfall).
Langzeitprognose
Mit modernen Behandlungen können die meisten Menschen mit Keratokonus ein gutes Sehvermögen erhalten. Die Erkrankung stabilisiert sich oft nach einigen Jahren. Selbst wenn eine Operation nötig wird, sind die Erfolgsaussichten heute sehr gut. Bleiben Sie in regelmäßiger augenärztlicher Kontrolle und suchen Sie frühzeitig Hilfe – das ist der beste Weg, um langfristig gut zu sehen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) · Deutschland
- Arbeitskreis Kontaktlinsen und Hornhaut (AKK) · Deutschland
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.