Niereninfektion (Pyelonephritis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Bei schweren, sich verschlechternden oder lebensbedrohlichen Symptomen sofort ärztliche Hilfe suchen.
Übersicht
Eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist eine Infektion der Niere und des Nierenbeckens. Sie wird meist durch Bakterien verursacht, die aus der Harnröhre oder Blase in die Niere aufsteigen. Die Erkrankung ist ernst, aber bei rechtzeitiger Behandlung gut heilbar.
Wichtige Fakten
- Häufigste Ursache sind Bakterien aus dem Darm (Escherichia coli).
- Frauen sind etwa fünfmal häufiger betroffen als Männer.
- Unbehandelt kann eine Nierenbeckenentzündung zu Narbenbildung in der Niere oder einer Blutvergiftung führen.
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 100 von 100.000 Menschen an einer Nierenbeckenentzündung. Sie ist eine der häufigsten schweren bakteriellen Infektionen in der Nephrologie.
Besonders häufig tritt sie bei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren auf. Auch Menschen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit einem geschwächten Immunsystem sind häufiger betroffen.
Symptome
- Fieber über 39 °C mit starkem Schüttelfrost
- Extreme, nicht nachlassende Schmerzen im Rücken oder Bauch
- Übelkeit und Erbrechen, sodass kein Trinken möglich ist
- Sichtbares Blut im Urin
- Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Ohnmacht
- ⚠Leichtes Fieber (unter 39 °C) mit Rückenschmerzen
- ⚠Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- ⚠Häufiger Harndrang ohne Fieber
- ⚠Allgemeines Krankheitsgefühl und Kopfschmerzen
Häufige Symptome
- Fieber, oft mit Schüttelfrost
- Schmerzen im Rücken oder in der Seite (Flankenschmerz)
- Übelkeit und Erbrechen
- Häufiger Harndrang
- Brennendes Gefühl beim Wasserlassen
- Trüber oder übelriechender Urin
Symptome bei Kindern
- Fieber, das ohne erkennbare Ursache wiederkehrt
- Durchfall und Erbrechen
- Nahrungsverweigerung
- Ungewöhnliche Unruhe oder Müdigkeit
- Einnässen, obwohl das Kind schon trocken war
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Verhaltensänderung
- Verschlechterung des Allgemeinzustands ohne klares Fieber
- Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme
- Inkontinenz (unwillkürlicher Harnabgang)
- Allgemeine Schwäche und Teilnahmslosigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, meist Escherichia coli (E.coli), steigen aus der Harnröhre oder Blase in die Nieren auf.
- Seltener gelangen Bakterien über die Blutbahn direkt in die Niere.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht (kürzere Harnröhre erleichtert Bakterien den Aufstieg)
- Harnwegsinfektionen in der Vorgeschichte
- Verwendung eines Blasenkatheters (Dauerkatheder)
- Schwangerschaft
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Harnabflussstörungen, zum Beispiel Nierensteine oder eine vergrößerte Prostata
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Medikamente oder Erkrankungen)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 38,5 °C
- Bei starken Rückenschmerzen
- Bei Übelkeit oder Erbrechen, die das Trinken erschweren
- Bei sichtbarem Blut im Urin
- Bei Verwirrtheit oder starker Schwäche
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei leichten Schmerzen beim Wasserlassen oder häufigem Harndrang ohne Fieber
- Wenn die Beschwerden länger als einen Tag anhalten
- Zur Verlaufskontrolle nach einer Behandlung mit Antibiotika
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose anhand Ihrer Symptome, einer körperlichen Untersuchung und eines Urintests. Die Behandlung folgt den aktuellen Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Mögliche Untersuchungen
- Urintest (Streifentest auf weiße Blutkörperchen, Nitrit und Eiweiß)
- Urinkultur (zum Nachweis des genauen Bakterientyps)
- Blutuntersuchung (Entzündungswerte wie CRP und Kreatinin)
- Ultraschall der Nieren und Harnwege
- In manchen Fällen: Computertomographie (CT) oder eine spezielle Röntgenaufnahme (Miktionszysturethrogramm)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei Verdacht auf eine Nierenbeckenentzündung werden Sie nach Ihren Symptomen und Ihrer Krankengeschichte befragt. Sie geben eine Urinprobe ab, die meist noch in der Praxis untersucht wird. Oft wird auch Blut abgenommen. Der Arzt tastet mit den Händen Ihre Nierengegend ab. Bei Bedarf wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Die Auswertung der Urinkultur dauert ein bis zwei Tage.
Behandlung
Die Behandlung einer Nierenbeckenentzündung erfolgt in der Regel mit einem vom Arzt verschriebenen Antibiotikum. In leichten Fällen können Sie die Tabletten zu Hause einnehmen. Bei schweren Fällen oder wenn Sie nicht schlucken können, ist eine Behandlung im Krankenhaus mit Antibiotika über die Vene (Infusion) nötig. Trinken Sie viel und schonen Sie sich.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken – mindestens 2 bis 3 Liter pro Tag, vor allem Wasser oder Kräutertee
- Bettruhe oder zumindest körperliche Schonung
- Wärmflasche oder Kirschkernkissen auf den Rücken legen (lindert Schmerzen)
- Auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke verzichten
Medizinische Behandlungen
Der Arzt verordnet ein Antibiotikum, das genau gegen die Bakterien wirkt. Sie müssen die Tabletten über einen Zeitraum von 7 bis 14 Tagen einnehmen – auch wenn es Ihnen schon früher besser geht. Bei starken Schmerzen kann der Arzt ein schmerzlinderndes Medikament empfehlen. In schweren Fällen oder bei Komplikationen erfolgt die Behandlung im Krankenhaus mit Antibiotika über die Vene.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn ein Nierenstein den Harnabfluss blockiert. Dann muss der Stein entfernt werden, zum Beispiel mittels Stoßwellentherapie (ESWL) oder einem endoskopischen Eingriff.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Nierenbeckenentzündung sollten Sie sich ausruhen, bis das Fieber weg ist und Sie sich wieder kräftig fühlen. Trinken Sie weiterhin ausreichend. Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten für mindestens eine Woche. Nehmen Sie die gesamte Antibiotikabehandlung ein, auch wenn die Symptome nachlassen.
Tipps für den Alltag
- Täglich 2 bis 3 Liter Flüssigkeit trinken
- Regelmäßig auf die Toilette gehen – nicht einhalten
- Nach dem Geschlechtsverkehr die Blase entleeren
- Auf gute Intimhygiene achten (von vorne nach hinten abwischen)
- Auf übermäßige Intimhygiene (Spülungen, aggressive Seifen) verzichten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt Ihr Immunsystem. Vermeiden Sie zu viel Salz, da dies die Nieren belasten kann. Leichte Bewegung – wie Spazierengehen – ist nach Abklingen der Symptome erlaubt. Vermeiden Sie jedoch anstrengenden Sport bis Sie sich vollständig erholt haben.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Nierenbeckenentzündung ist eine ernste Erkrankung, die verständlicherweise Ängste auslösen kann. Viele Menschen fühlen sich nach der Infektion erschöpft und emotional belastet. Es ist wichtig, sich Zeit zur Erholung zu nehmen und mit dem Arzt über Ihre Gefühle zu sprechen. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit kann eine psychologische Beratung hilfreich sein.
Vorbeugung
Eine Nierenbeckenentzündung lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko kann durch einige Maßnahmen deutlich gesenkt werden: ausreichend trinken, regelmäßig die Blase entleeren, auf gute Intimhygiene achten und Harnwegsinfekte frühzeitig behandeln lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Narbenbildung am Nierengewebe (führt zu dauerhaften Nierenschäden)
- Nierenabszess (Eiteransammlung in der Niere)
- Blutvergiftung (Sepsis) – das Bakterien gelangen in den Blutkreislauf
- Akutes Nierenversagen
Langzeitprognose
Bei rechtzeitiger Behandlung heilt eine Nierenbeckenentzündung in den allermeisten Fällen vollständig aus. Komplikationen treten nur selten auf. Bleiben Sie mit Ihrem Arzt in Kontakt und nehmen Sie die empfohlenen Nachuntersuchungen wahr. Mit der richtigen Behandlung haben Sie eine sehr gute Prognose.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Nierenstiftung ↗ · Deutschland
- Bundesverband Niere e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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