Lyme-Borreliose
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Bei schweren, sich verschlechternden oder lebensbedrohlichen Symptomen sofort ärztliche Hilfe suchen.
Übersicht
Lyme-Borreliose, kurz Borreliose, ist eine bakterielle Infektion, die durch den Stich einer bestimmten Zeckenart übertragen wird. Die Bakterien (Borrelien) können verschiedene Organe befallen, vor allem die Haut, Gelenke, das Nervensystem und das Herz. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika führt in der Regel zur vollständigen Heilung.
Wichtige Fakten
- Die Borreliose ist in Deutschland die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung.
- Ein frühes Zeichen ist oft eine Wanderröte (Erythema migrans) – eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle.
- Unbehandelt kann die Borreliose zu Spätfolgen wie Gelenkentzündungen oder Nervenschäden führen, ist aber in jedem Stadium behandelbar.
Ja, Borreliose kommt in ganz Deutschland vor, besonders in südlichen und östlichen Bundesländern sowie in Laub- und Mischwäldern. Jährlich erkranken schätzungsweise einige Zehntausend Menschen daran.
Grundsätzlich kann jeder, der sich in Zeckengebieten im Freien aufhält, betroffen sein – besonders häufig sind Kinder und ältere Erwachsene, aber auch Personen, die viel im Garten arbeiten, wandern oder joggen.
Symptome
- Plötzliche Lähmung oder Schwäche einer Körperhälfte
- Starke Brustschmerzen, Herzrasen oder Atemnot
- Plötzliche starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit und hohem Fieber
- Verschwommene Sprache oder Doppelbilder
- ⚠Wanderröte oder ein anderer Hautausschlag nach einem Zeckenstich
- ⚠Grippeähnliche Symptome (Fieber, Kopfschmerzen) innerhalb von 6 Wochen nach einem Zeckenstich
- ⚠Einseitige Gesichtslähmung („herabhängender Mundwinkel“)
- ⚠Anhaltende Gelenkschwellung oder -schmerzen
Häufige Symptome
- Wanderröte (Erythema migrans): eine sich ausbreitende, ringförmige Rötung um die Zeckenstichstelle, die meist nach 3–30 Tagen auftritt.
- Grippeähnliche Symptome ohne Erkältung: Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen.
- Schwellung und Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken (oft im Knie).
- Nervenbeteiligung: Lähmungen im Gesicht (sogenannte Facialisparese), Kribbeln oder Taubheitsgefühl, starke Kopfschmerzen.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigt sich die Wanderröte oft auffälliger und kann auch im Gesicht auftreten.
- Häufig sind Fieber, Müdigkeit und eine starke Abgeschlagenheit – die Kinder wirken „wie krank“.
- In seltenen Fällen kann es zu einer Hirnhautentzündung mit Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Erbrechen kommen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen zeigen seltener eine klassische Wanderröte, sondern eher unspezifische Symptome wie allgemeine Schwäche, Verwirrtheit oder Gelenkbeschwerden.
- Häufiger sind Nervenbeteiligungen, die sich durch Missempfindungen, Lähmungen oder Gedächtnisstörungen äußern.
- Die Erkrankung kann bei älteren Erwachsenen schwerer verlaufen, insbesondere bei bereits bestehenden Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herzkrankheiten.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Borreliose wird durch Bakterien der Gruppe Borrelia burgdorferi sensu lato verursacht.
- Die Übertragung erfolgt durch den Stich einer infizierten Zecke, meist des gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus).
- Die Zecke muss mehrere Stunden saugen, um die Bakterien zu übertragen – je früher sie entfernt wird, desto geringer ist das Risiko.
Risikofaktoren
- Aufenthalt in Wäldern, hohen Gräsern oder Unterholz – besonders in der warmen Jahreszeit von März bis Oktober.
- Kontakt zu Haustieren, die sich in der Natur bewegen (z. B. Hunde, die Zecken mit nach Hause bringen).
- Fehlender oder unzureichender Zeckenschutz (z. B. keine lange Kleidung, kein Insektenschutzmittel).
- Verzögerte oder falsche Zeckenentfernung (z. B. Quetschen der Zecke).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Auftreten einer Wanderröte oder anderen Hautveränderungen nach einem Zeckenstich.
- Wenn grippeähnliche Symptome nach einem Zeckenstich auftreten.
- Bei Lähmungen, Taubheitsgefühl oder starken Kopfschmerzen nach einem Zeckenstich.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nach einem Zeckenstich ohne Symptome ist ein Arztbesuch nicht dringend nötig, aber Sie sollten die Stelle beobachten.
- Wenn Sie unsicher sind, ob die Zecke ganz entfernt wurde oder die Rötung länger als eine Woche anhält.
Diagnose
Die Diagnose einer Borreliose wird in der Regel anhand der typischen Symptome gestellt – insbesondere der Wanderröte. Bei unklaren oder späteren Beschwerden werden Bluttests durchgeführt, um Antikörper gegen Borrelien nachzuweisen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Antikörper (ELISA-Test), der nach etwa 2–4 Wochen positiv wird.
- Bestätigungstest (Western-Blot), wenn der ELISA-Test auffällig ist.
- Bei Verdacht auf Nervenbeteiligung: Untersuchung der Nervenflüssigkeit (Liquorpunktion).
- In seltenen Fällen: Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Haut oder Gelenkflüssigkeit.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt oder die Ärztin wird Sie zu Ihrem Zeckenstich und möglichen Symptomen befragen. Bei einem typischen Hautausschlag reicht oft die körperliche Untersuchung. Falls nötig, wird Blut abgenommen. Die Ergebnisse der Blutuntersuchung kommen meist innerhalb weniger Tage – aber beachten Sie: In den ersten Wochen nach der Infektion können die Tests noch negativ sein, auch wenn eine Borreliose vorliegt.
Behandlung
Die Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen. Die meisten Menschen werden vollständig gesund, auch wenn die Behandlung erst in einem späteren Stadium erfolgt.
Selbsthilfe zu Hause
- Entfernen Sie die Zecke sofort: Mit einer Pinzette oder Zeckenkarte möglichst nah an der Haut greifen und gerade herausziehen – nicht drehen oder mit Öl bestreichen.
- Reinigen Sie die Stichstelle mit Desinfektionsmittel.
- Ruhen Sie sich bei Fieber und Gliederschmerzen aus.
- Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, die entweder als Tabletten oder in schweren Fällen als Infusion verabreicht werden. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung – typischerweise 2 bis 4 Wochen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird das für Sie passende Antibiotikum auswählen. Brechen Sie die Einnahme nicht eigenmächtig ab, auch wenn es Ihnen schon besser geht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt bei der Borreliose nicht zum Einsatz.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit einer Borreliose werden nach der Behandlung schnell wieder gesund. Bei manchen können jedoch noch Wochen oder Monate lang Symptome wie Müdigkeit, Gelenkschmerzen oder Konzentrationsstörungen bestehen bleiben (Post-Borreliose-Syndrom). Das ist belastend, aber in der Regel vorübergehend.
Tipps für den Alltag
- Gönnen Sie sich nach einer Erkrankung ausreichend Ruhe und steigern Sie Ihre Aktivitäten langsam.
- Beobachten Sie Ihre Symptome und dokumentieren Sie sie für den nächsten Arztbesuch.
- Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt über mögliche Folgesymptome und wann Sie sich erneut vorstellen sollten.
- Vermeiden Sie Stress so gut es geht – das kann helfen, Beschwerden zu lindern.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und leichte Bewegung an der frischen Luft können dazu beitragen, das Immunsystem zu unterstützen. Vermeiden Sie anstrengenden Sport, solange Sie unter Fieber oder Entzündungen leiden. Bei anhaltenden Gelenkschmerzen sind sanfte Bewegungen wie Spazierengehen oder Radfahren empfehlenswert – hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Borreliose, besonders wenn sie länger anhält, kann verunsichern und belasten. Sorgen, Angst vor Spätfolgen und die anhaltende Müdigkeit sind verständlich. Es ist wichtig, darüber zu sprechen – mit Familie, Freunden oder einer psychologischen Beratungsstelle. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Ja, die beste Vorbeugung ist der Schutz vor Zeckenstichen. Dazu gehören: lange Kleidung und geschlossene Schuhe in der Natur, ein Insektenschutzmittel auf unbedeckte Haut auftragen, nach dem Aufenthalt im Freien den Körper gründlich nach Zecken absuchen und die Zecke sofort entfernen.
Impfungen
In Deutschland ist kein Impfstoff gegen Borreliose zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) und die AWMF-Leitlinien empfehlen daher die genannten Schutzmaßnahmen.
Früherkennungsprogramme
Eine Vorsorgeuntersuchung auf Borreliose ohne Symptome wird nicht empfohlen. Wenn Sie einen Zeckenstich hatten, reicht es, die Stelle zu beobachten und bei Anzeichen einer Borreliose rechtzeitig zum Arzt zu gehen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Gelenkentzündungen (Lyme-Arthritis): Schwellungen und Schmerzen, vor allem in den großen Gelenken wie dem Knie.
- Nervenbeteiligung: Lähmungen, Missempfindungen, Gedächtnisstörungen bis hin zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis).
- Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Herzrhythmusstörungen, die zu Schwindel und Atemnot führen können.
- Hautveränderungen: In seltenen Fällen bilden sich blaurote Knoten (Acrodermatitis chronica atrophicans) an den Extremitäten.
Langzeitprognose
Die Borreliose ist in den allermeisten Fällen gut behandelbar. Mit Antibiotika heilt die Infektion meist komplett aus – selbst in späteren Stadien. Spätschäden wie Gelenk- oder Nervenprobleme können bei frühzeitiger Behandlung vermieden werden. Ein kleiner Teil der Betroffenen leidet noch Monate nach der Behandlung an Beschwerden, aber auch diese bessern sich in der Regel mit der Zeit. Wichtig ist: Lassen Sie sich nicht entmutigen und suchen Sie bei anhaltenden Symptomen ärztliche Hilfe.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. ↗ · Deutschland
- Bundesministerium für Gesundheit – Infos zu Borreliose ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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