Übelkeit
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Übelkeit ist ein unangenehmes Gefühl im Magen, das oft mit dem Drang einhergeht, sich übergeben zu müssen. Sie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das viele verschiedene Ursachen haben kann – von harmlosen Magenverstimmungen bis hin zu ernsteren Erkrankungen.
Wichtige Fakten
- Übelkeit ist ein häufiges Symptom, das die meisten Menschen mindestens einmal im Leben erleben.
- Sie kann durch Reizung des Brechzentrums im Gehirn oder durch Signale aus dem Magen-Darm-Trakt ausgelöst werden.
- In den meisten Fällen ist Übelkeit harmlos und klingt von selbst wieder ab.
Ja, Übelkeit gehört zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch. Schätzungsweise jeder zweite Erwachsene hat mindestens einmal im Monat mit Übelkeit zu kämpfen.
Übelkeit kann Menschen jeden Alters betreffen – vom Säugling bis zum älteren Menschen. Besonders häufig tritt sie bei Schwangeren (Übelkeit am Morgen), nach Operationen (Narkose), bei Migräne oder im Rahmen von Magen-Darm-Infekten auf.
Symptome
- Plötzlich einsetzende Übelkeit mit starken Kopfschmerzen, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen (Hinweis auf Schlaganfall)
- Übelkeit mit starken Brustschmerzen, Atemnot oder Schweißausbruch (Hinweis auf Herzinfarkt)
- Übelkeit nach einer Kopfverletzung (Hinweis auf Hirndruck)
- Übelkeit mit hohem Fieber und steifem Nacken (Hinweis auf Meningitis)
- ⚠Übelkeit mit starken Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Übelkeit mit Erbrechen von Blut oder kaffeesatzartigem Erbrochenem
- ⚠Übelkeit bei bekannter Vergiftung oder Einnahme unbekannter Substanzen
- ⚠Übelkeit mit Zeichen einer schweren Dehydrierung (trockene Zunge, eingefallene Augen, kaum Urin)
Häufige Symptome
- Unangenehmes, flaues Gefühl im Oberbauch
- Drang, sich übergeben zu müssen
- Vermehrter Speichelfluss
- Blässe, Schwitzen
- Leichter Schwindel oder Benommenheit
Symptome bei Kindern
- Kinder können Übelkeit oft nicht genau beschreiben – sie wirken unruhig, weinerlich oder blass.
- Häufig begleitet von Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen.
- Bei Kleinkindern kann Übelkeit auch durch Aufregung oder Reisekrankheit ausgelöst werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft eine verminderte Empfindung für Übelkeit, daher kann ein ernsteres Problem unbemerkt bleiben.
- Übelkeit kann bei ihnen durch Medikamente, Kreislaufprobleme oder Grunderkrankungen wie Diabetes oder Parkinson verursacht werden.
- Bei älteren Menschen kann Übelkeit auch ein Zeichen für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt sein – besonders wenn sie plötzlich auftritt.
Ursachen
Hauptursachen
- Magen-Darm-Infektionen (Viren, Bakterien)
- Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Schmerzmittel, Antibiotika, Chemotherapie)
- Reisekrankheit (Übelkeit durch Bewegung)
- Schwangerschaft (besonders im ersten Trimester)
- Migräne
- Essstörungen oder übermäßiges Essen
- Psychische Belastung (Stress, Angst, Panik)
- Erkrankungen der inneren Organe (z. B. Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse)
Risikofaktoren
- Schwangerschaft
- Reisen (besonders mit Auto, Schiff oder Flugzeug)
- Einnahme von Medikamenten, die Übelkeit verursachen können
- Magen-Darm-Infekte in der Umgebung
- Stress, Angst oder Depression
- Essen von verdorbenen oder ungewohnten Speisen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Übelkeit mit starken Bauchschmerzen, Erbrechen von Blut oder Teerstuhl
- Übelkeit bei Säuglingen oder Kleinkindern, die länger als 6 Stunden anhält
- Übelkeit mit Anzeichen einer schweren Austrocknung (kein Urin über 8 Stunden, trockene Schleimhäute, Verwirrtheit)
- Übelkeit nach einem Sturz oder Unfall
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Übelkeit, die länger als eine Woche anhält, ohne erkennbare Ursache
- Übelkeit in der Schwangerschaft, die die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt
- Übelkeit, die regelmäßig auftritt (z. B. jeden Morgen oder nach bestimmten Mahlzeiten)
- Übelkeit mit ungewolltem Gewichtsverlust
Diagnose
Der Arzt wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese) und Sie nach den Begleitumständen, anderen Symptomen und Vorerkrankungen fragen. Eine körperliche Untersuchung des Bauches und ggf. des restlichen Körpers schließt sich an. Anhand dieser Informationen kann der Arzt entscheiden, ob weitere Untersuchungen nötig sind.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung (z. B. auf Entzündungswerte, Leber- oder Nierenwerte)
- Urinuntersuchung (z. B. bei Verdacht auf Nierensteine oder Harnwegsinfekt)
- Ultraschall des Bauches (zur Beurteilung von Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse)
- Bei anhaltender Übelkeit oder Verdacht auf Magen-Darm-Erkrankung: Magenspiegelung (Gastroskopie)
- Bei Schwangerschaft: Schwangerschaftstest und ggf. Ultraschall
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose richtet sich nach der vermuteten Ursache. Meist reichen das Gespräch und die körperliche Untersuchung aus. Falls nötig, überweist der Arzt Sie zu einem Facharzt (z. B. Gastroenterologe, Neurologe oder Gynäkologe). Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und erfordern keine besondere Vorbereitung, außer bei einer Magenspiegelung, für die Sie nüchtern sein müssen.
Behandlung
Die Behandlung der Übelkeit richtet sich nach der Ursache. In vielen Fällen kann die Übelkeit durch einfache Maßnahmen gelindert werden, bis sie von selbst nachlässt. Bei ernsteren Erkrankungen ist die Behandlung der Grunderkrankung entscheidend.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie klare Flüssigkeiten in kleinen Schlucken (z. B. Wasser, Kräutertee, Brühe) – gegen Austrocknung.
- Essen Sie leichte, fettarme Speisen wie Zwieback, Salzstangen, Reis oder Bananen.
- Vermeiden Sie starke Gerüche, fetthaltiges oder scharfes Essen.
- Legen Sie sich hin oder setzen Sie sich bequem hin – Bewegung kann Übelkeit verstärken.
- Frische Luft oder ein kühles Tuch auf die Stirn können wohltuend sein.
- Bei Reisekrankheit: Setzen Sie sich nach vorne, schauen Sie auf einen festen Punkt (Horizont).
- Langsam essen und gründlich kauen – zu schnelles Essen kann Übelkeit auslösen.
Medizinische Behandlungen
Falls die Übelkeit trotz Hausmitteln nicht nachlässt oder die Ursache behandelt werden muss, kann der Arzt Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika) verschreiben. Diese werden je nach Auslöser als Tablette, Zäpfchen oder Spritze gegeben. Wichtig: Nehmen Sie solche Mittel nur nach Rücksprache mit einem Arzt ein, da sie Nebenwirkungen haben können. Bei Übelkeit durch Chemotherapie gibt es spezielle Behandlungsschemata, die Ihr Onkologe mit Ihnen bespricht. Bei Schwangerschaftsübelkeit ist besondere Vorsicht geboten – hier können Vitamine oder bestimmte Medikamente in Absprache mit dem Frauenarzt helfen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur dann nötig, wenn die Übelkeit durch eine behandelbare Grunderkrankung verursacht wird, die operiert werden muss, wie z. B. Gallensteine, ein Darmverschluss oder eine Blinddarmentzündung. Die Entscheidung zur Operation trifft der Chirurg nach sorgfältiger Abwägung.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Übelkeit immer wiederkehrt, kann sie den Alltag einschränken. Planen Sie Ihre Mahlzeiten bewusst: essen Sie kleinere Portionen, aber dafür öfter am Tag. Führen Sie ein Tagebuch, um Auslöser zu erkennen. Nehmen Sie sich Zeit zum Ausruhen, wenn es nötig ist. Tauschen Sie sich mit Ihrem Arzt aus, um die Ursache zu finden und zu behandeln.
Tipps für den Alltag
- Stressabbau: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Meditation können helfen.
- Ausreichend Schlaf: Ein fester Schlafrhythmus stabilisiert den Körper.
- Vermeiden Sie Rauchen und Alkohol, da beides Übelkeit auslösen oder verstärken kann.
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, aber nicht direkt nach dem Essen.
Ernährung und Bewegung
Eine leichte, ausgewogene Ernährung ist wichtig. Verzichten Sie auf fettige, stark gewürzte oder sehr süße Speisen. Ingwer, Fenchel- oder Pfefferminztee können beruhigend auf den Magen wirken. Bewegung in moderatem Tempo (Spazierengehen, Yoga) kann die Verdauung anregen, während anstrengender Sport die Übelkeit verschlechtern kann.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständige Übelkeit kann sehr belastend sein – sie macht Angst vor dem nächsten Anfall, beeinträchtigt soziale Kontakte und kann zu Niedergeschlagenheit führen. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Wenn die Übelkeit seelisch bedingt ist, kann eine Psychotherapie helfen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen (z. B. in Selbsthilfegruppen) unterstützt viele Menschen.
Vorbeugung
Nicht jede Übelkeit ist vermeidbar, aber Sie können das Risiko senken: Achten Sie auf eine schonende Ernährung, vermeiden Sie verdorbene Lebensmittel, waschen Sie regelmäßig Ihre Hände (Schutz vor Magen-Darm-Infekten). Bei Reisekrankheit kann es helfen, sich im Fahrzeug nach vorne zu setzen und den Blick auf den Horizont zu richten. Menschen mit Migräne können vorbeugende Medikamente einnehmen – sprechen Sie mit Ihrem Neurologen. Gegen Übelkeit in der Schwangerschaft können kleine, häufige Mahlzeiten und Ingwerpräparate helfen – fragen Sie Ihren Frauenarzt.
Impfungen
Gegen einige Erreger, die Durchfall und Übelkeit verursachen (z. B. Rotaviren, Noroviren), gibt es Impfungen. Die Rotavirus-Impfung wird für Säuglinge empfohlen. Ältere Menschen oder Reisende sollten über eine Impfung gegen Hepatitis A und Typhus nachdenken – lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine speziellen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Übelkeit. Allerdings können regelmäßige Gesundheitschecks (z. B. beim Hausarzt) dabei helfen, Grunderkrankungen wie Diabetes, Leber- oder Gallenprobleme frühzeitig zu erkennen, die Übelkeit verursachen können.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydrierung) durch Flüssigkeitsmangel, besonders bei längerem Erbrechen
- Elektrolytstörungen (z. B. Kaliummangel), die Herzrhythmusstörungen verursachen können
- Mangelernährung und Gewichtsverlust bei anhaltender Übelkeit
- Erhöhtes Verletzungsrisiko durch Stürze bei Schwäche oder Schwindel
Langzeitprognose
In den allermeisten Fällen ist Übelkeit ein vorübergehendes Problem und klingt von selbst wieder ab. Wenn eine behandlungsbedürftige Ursache vorliegt, verschwindet das Gefühl meist mit der Behandlung der Grunderkrankung. Bei chronischer Übelkeit können Sie durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt sowie durch Änderungen des Lebensstils viel erreichen. Bleiben Sie zuversichtlich: Die meisten Menschen finden einen Weg, mit der Übelkeit umzugehen oder sie zu überwinden.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Bundesverband der Gastroenterologen Deutschlands ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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