Nephrotic syndrome overview
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das nephrotische Syndrom ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Zustand, bei dem die Nieren zu viel Eiweiß (Protein) über den Urin verlieren. Dieser Eiweißverlust führt zu Schwellungen im Körper, vor allem an Augen, Füßen und Knöcheln. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Filter der Nieren (Glomeruli) geschädigt sind.
Wichtige Fakten
- Das nephrotische Syndrom ist ein Symptomkomplex, der auf eine Nierenschädigung hinweist.
- Es kann in jedem Alter auftreten, bei Kindern und Erwachsenen.
- Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln.
- Viele Betroffene erreichen mit der richtigen Therapie eine Remission (vorübergehende oder dauerhafte Besserung).
Das nephrotische Syndrom ist insgesamt selten. Es tritt bei etwa 2 bis 7 von 100.000 Kindern und bei etwa 3 von 100.000 Erwachsenen pro Jahr auf.
Es kann Menschen jeden Alters betreffen. Bei Kindern ist die häufigste Form die Minimalveränderungs-Glomerulonephritis (MCD). Bei Erwachsenen sind andere Nierenerkrankungen, Diabetes oder Autoimmunerkrankungen oft die Ursache.
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder starke Kurzatmigkeit (möglicherweise Flüssigkeit in der Lunge)
- Schmerzen in der Brust, Beinschwellung oder plötzliche Beinschmerzen (können auf ein Blutgerinnsel hinweisen)
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost (Zeichen einer schweren Infektion)
- ⚠Zunehmende Schwellungen, die nicht nachlassen
- ⚠Deutlich weniger Urin als üblich
- ⚠Starke Bauchschmerzen oder Übelkeit
- ⚠Anzeichen einer Infektion wie Fieber, Rötung oder Schwellung an der Haut
Häufige Symptome
- Schwellungen (Ödeme) an Augenlidern, Füßen, Knöcheln und manchmal im ganzen Körper
- Schaumiger Urin (durch den Eiweißverlust)
- Gewichtszunahme durch Flüssigkeitseinlagerung
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Schwellungen um die Augen, besonders morgens
- Geschwollene Beine und Füße
- Verminderter Appetit, Reizbarkeit
- Wenig Urin oder dunkler Urin
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stärkere Schwellungen, die länger anhalten
- Kurzatmigkeit bei Belastung (durch Flüssigkeit in der Lunge)
- Erhöhtes Risiko für Infektionen und Blutgerinnsel
- Verschlechterung der Nierenfunktion
Ursachen
Hauptursachen
- Primäre Nierenerkrankungen (idiopathisch), bei denen die Ursache unbekannt ist, z.B. Minimalveränderungs-Glomerulonephritis (MCD), fokal-segmentale Glomerulosklerose (FSGS), membranöse Nephropathie
- Sekundäre Ursachen: Diabetes mellitus, Lupus erythematodes, bestimmte Infektionen (z.B. Hepatitis B, HIV), Medikamente, Krebserkrankungen
Risikofaktoren
- Bestehende Nierenerkrankungen
- Autoimmunerkrankungen (z.B. Lupus)
- Diabetes mellitus
- Bestimmte Infektionen
- Familienanamnese (seltene erbliche Formen)
- Bestimmte Ethnizität (z.B. höheres Risiko für FSGS bei Menschen afrikanischer Abstammung)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Anzeichen einer schweren Infektion (Fieber, Schüttelfrost)
- Bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerzen
- Bei starken Bauchschmerzen
- Bei deutlicher Abnahme der Urinmenge
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unerklärliche Schwellungen an Augen, Füßen oder Knöcheln bemerken
- Wenn Ihr Urin schaumig wird
- Wenn Sie anhaltende Müdigkeit oder Gewichtszunahme ohne ersichtlichen Grund haben
- Wenn Sie bereits an Diabetes oder Bluthochdruck leiden und diese Symptome neu auftreten
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine Kombination aus Urin- und Bluttests gestellt. Zeigt der Urin große Mengen Eiweiß und das Blut niedrige Eiweißwerte (Albumin) sowie hohe Cholesterinwerte, ist das nephrotische Syndrom wahrscheinlich. Manchmal ist eine Nierenbiopsie (Gewebeprobe der Niere) nötig, um die genaue Ursache zu finden.
Mögliche Untersuchungen
- Urinuntersuchung (Urin-Stix oder 24-Stunden-Sammelurin) auf Eiweiß
- Blutuntersuchung: Albumin, Cholesterin, Kreatinin
- Nierenbiopsie (Gewebeprobe)
- Weitere Tests je nach Verdacht auf zugrundeliegende Erkrankungen (z.B. Antikörpertests bei Autoimmunerkrankungen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Zunächst wird Ihr Hausarzt Sie untersuchen und bei Verdacht an einen Nierenspezialisten (Nephrologen) überweisen. Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei, eine Nierenbiopsie erfolgt unter örtlicher Betäubung. Nach der Diagnose wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Behandlung
Die Behandlung des nephrotischen Syndroms richtet sich nach der Ursache und zielt darauf ab, die Eiweißausscheidung im Urin zu reduzieren, Schwellungen zu verringern, Komplikationen vorzubeugen und die Nierenfunktion zu erhalten. Die Therapie kann Medikamente, Ernährungsumstellungen und engmaschige Kontrollen umfassen.
Selbsthilfe zu Hause
- Salzarme Ernährung, um Schwellungen zu reduzieren
- Tägliches Wiegen, um Flüssigkeitseinlagerungen zu erkennen
- Ausreichend Ruhe und körperliche Schonung bei starken Schwellungen
- Vermeiden von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, da sie die Nieren belasten können
- Infektionen vorbeugen (z.B. durch Händewaschen, Impfungen)
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung erfolgt nach aktuellen medizinischen Leitlinien (z.B. AWMF-Leitlinien). Dazu können Kortikosteroide oder andere Immunsuppressiva gehören, um Entzündungen in den Nieren zu unterdrücken. Diuretika (Entwässerungstabletten) können gegen Schwellungen eingesetzt werden. Medikamente, die den Blutdruck senken und die Eiweißausscheidung reduzieren (ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker), werden häufig empfohlen. Bei erhöhten Cholesterinwerten können lipidsenkende Medikamente zum Einsatz kommen. Welche Medikamente im Einzelfall geeignet sind, entscheidet Ihr Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist in der Regel nicht notwendig. In schweren Fällen mit Nierenversagen kann eine Dialyse (Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation erforderlich werden.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit nephrotischem Syndrom erfordert regelmäßige Arztbesuche, die Einnahme von Medikamenten nach Anweisung und die Beachtung von Ernährungshinweisen. Es ist wichtig, auf Veränderungen des Körpers zu achten (z.B. zunehmende Schwellungen, Gewichtszunahme) und bei Fragen oder Problemen den Arzt zu kontaktieren.
Tipps für den Alltag
- Salzarme Kost (weniger als 5 Gramm Salz pro Tag)
- Ausreichend Flüssigkeit – aber nach ärztlicher Anweisung, manchmal ist eine begrenzte Flüssigkeitszufuhr nötig
- Regelmäßige Bewegung, angepasst an das Befinden
- Vermeiden von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum
- Gute Hygiene, um Infektionen vorzubeugen
Ernährung und Bewegung
Eine salzarme Ernährung hilft, Schwellungen zu reduzieren. Der Eiweißbedarf kann individuell unterschiedlich sein – Ihr Arzt oder Ernährungsberater kann Ihnen genaue Empfehlungen geben. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist förderlich, bei starken Schwellungen oder Müdigkeit ist Schonung angebracht.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung wie das nephrotische Syndrom kann psychisch belastend sein. Ängste, Veränderungen des Körperbildes und die Abhängigkeit von Behandlungen sind normal. Es ist wichtig, diese Gefühle zu besprechen – mit dem Arzt, Angehörigen oder einer psychologischen Beratung. Bei akuten psychischen Krisen (z.B. Suizidgedanken) wenden Sie sich sofort an die Telefonseelsorge (112) oder einen psychiatrischen Notdienst.
Vorbeugung
Nicht alle Formen des nephrotischen Syndroms lassen sich verhindern, da die Ursachen oft unbekannt sind. Sie können jedoch das Risiko senken, indem Sie zugrunde liegende Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck gut behandeln lassen und nierenschädigende Substanzen (z.B. bestimmte Schmerzmittel) vermeiden.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken impfen, da Infektionen das nephrotische Syndrom verschlimmern können. Besprechen Sie weitere Impfungen mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein routinemäßiges Urinscreening ist nur für Personen mit erhöhtem Risiko (z.B. Diabetes, Bluthochdruck, familiäre Nierenerkrankungen) sinnvoll. Ihr Hausarzt kann dies im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung durchführen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Nierenschädigung bis hin zum Nierenversagen
- Erhöhtes Infektionsrisiko (z.B. Bauchfellentzündung, Lungenentzündung)
- Blutgerinnsel (Thrombosen, Lungenembolie)
- Starker Flüssigkeitsmangel (Hypovolämie)
- Hohe Cholesterinwerte mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung ist die Prognose in vielen Fällen gut. Besonders bei Kindern mit Minimalveränderungs-Glomerulonephritis kommt es oft zu einer vollständigen Remission. Bei Erwachsenen hängt der Verlauf von der zugrunde liegenden Ursache ab. In schweren Fällen kann die Nierenfunktion dauerhaft eingeschränkt sein, doch moderne Therapien können das Fortschreiten verlangsamen. Ihr Behandlungsteam wird Sie engmaschig begleiten, um Komplikationen zu vermeiden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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