Osteoarthritis hip
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Hüftgelenksarthrose ist eine Verschleißerkrankung des Hüftgelenks. Dabei nutzt sich der schützende Knorpel, der die Knochen im Gelenk polstert, mit der Zeit ab. Das führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Wichtige Fakten
- Arthrose ist keine normale Abnutzung, sondern eine aktive Erkrankung des Gelenks.
- Die Hüfte ist eines der am häufigsten von Arthrose betroffenen Gelenke.
- Eine frühzeitige Behandlung kann die Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern.
Ja, Hüftarthrose ist eine sehr häufige Erkrankung, besonders bei Menschen über 50 Jahren. Schätzungsweise jeder zehnte Mensch über 60 hat Beschwerden durch eine Hüftarthrose.
Hüftarthrose tritt häufiger bei älteren Menschen auf, kann aber auch jüngere Erwachsene betreffen, zum Beispiel nach Verletzungen oder bei angeborenen Fehlstellungen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Übergewicht und bestimmte Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit erhöhen das Risiko.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen in der Hüfte oder im Bein, die auch in Ruhe nicht nachlassen
- Das Bein ist kürzer oder nach außen verdreht – das kann auf einen Oberschenkelhalsbruch hinweisen
- Das Bein fühlt sich taub an oder Sie können es nicht bewegen
- Zeichen einer Infektion: Rötung, Überwärmung, Fieber und starke Schwellung im Hüftbereich
- ⚠Schmerzen, die nach einem Sturz oder Unfall auftreten und das Gehen unmöglich machen
- ⚠Plötzliche Schwellung der Hüfte ohne erkennbare Ursache
- ⚠Starke Bewegungseinschränkung, die innerhalb weniger Tage aufgetreten ist
Häufige Symptome
- Schmerzen in der Leiste, im Gesäß oder an der Außenseite des Oberschenkels, besonders beim Treppensteigen oder nach längerem Sitzen
- Anlaufschmerzen: Die Hüfte fühlt sich morgens oder nach Ruhephasen steif an und wird erst nach einigen Schritten besser
- Eingeschränkte Beweglichkeit, z.B. das Bein nicht mehr gut anziehen oder seitlich abspreizen können
- Ein knirschendes oder knallendes Geräusch bei Bewegung im Hüftgelenk
- Schmerzen, die in den Oberschenkel oder bis zum Knie ausstrahlen können
Symptome bei Kindern
- Kinder mit Hüftarthrose sind sehr selten. Falls doch, äußert sich das oft in einem Hinken oder Schonhaltung nach Belastung.
- Sie klagen möglicherweise über Schmerzen im Hüft- oder Kniebereich, die sie nicht genau benennen können.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schmerzen auch in Ruhe oder nachts, die den Schlaf stören können
- Stärkere Steifheit am Morgen, die länger als 30 Minuten anhalten kann
- Zunehmende Schwierigkeiten beim Gehen und bei alltäglichen Verrichtungen wie Schuhe anziehen oder aufstehen
- Unsicherer Gang und erhöhtes Sturzrisiko
Ursachen
Hauptursachen
- Der genaue Grund für Hüftarthrose ist nicht immer bekannt. Meist spielen mehrere Faktoren zusammen.
- Die Hauptursache ist eine Überlastung oder Fehlbelastung des Hüftgelenks über viele Jahre, z.B. durch Übergewicht, einseitige Bewegungen oder angeborene Hüftdysplasie.
- Auch Verletzungen wie Hüftgelenksverrenkungen oder Brüche können eine Arthrose auslösen.
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Weibliches Geschlecht
- Übergewicht (Adipositas) – jedes Kilo mehr belastet die Hüfte zusätzlich
- Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Hüfte (z.B. Hüftdysplasie, Hüftkopfnekrose)
- Berufliche Tätigkeiten mit schwerem Heben und Tragen oder langes Stehen
- Sportarten mit hoher Gelenkbelastung wie Fußball, Gewichtheben oder Marathonlauf
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Gicht
- Genetische Veranlagung – Arthrose tritt in manchen Familien gehäuft auf
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie einen Sturz hatten und die Hüfte stark schmerzt und sich nicht mehr belasten lässt
- Bei plötzlicher Schwellung, Rötung oder Überwärmung der Hüfte
- Wenn Sie das Bein plötzlich nicht mehr bewegen können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Hüftschmerzen länger als zwei Wochen anhalten, auch wenn Sie sich schonen
- Bei zunehmender Steifheit oder Bewegungseinschränkung, die den Alltag beeinträchtigt
- Wenn Sie nachts aufwachen wegen der Schmerzen
- Wenn Sie trotz Hausmitteln (Wärme, leichte Bewegung) keine Besserung spüren
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin stellt die Diagnose in der Regel durch ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Dabei wird die Beweglichkeit der Hüfte getestet, der Gang beurteilt und nach Schmerzpunkten getastet.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgen der Hüfte: Zeigt den Knochen und den Gelenkspalt – bei Arthrose ist der Spalt verengt und es können Knochenanbauten (Osteophyten) zu sehen sein.
- Ultraschall: Kann Flüssigkeitsansammlungen oder Entzündungen im Gelenk zeigen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Macht Weichteile wie Knorpel und Bänder sichtbar. Wird seltener benötigt, etwa bei unklaren Befunden.
- Blutuntersuchung: Um andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen, wie rheumatoide Arthritis oder Gicht.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch dauert etwa 15–30 Minuten. Sie werden gebeten, sich zu entkleiden (mindestens die Hüfte freizumachen). Möglicherweise werden kleine Bewegungen der Hüfte geprüft, die etwas unangenehm sein können. Danach bespricht der Arzt die Ergebnisse und empfiehlt die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung einer Hüftarthrose zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Meist werden verschiedene Maßnahmen kombiniert – von Selbsthilfe über Physiotherapie bis hin zu Medikamenten oder einer Operation in schweren Fällen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegung in Maßen: Regelmäßige, gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken helfen, die Gelenke geschmeidig zu halten.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme entspannt die Muskulatur und lindert Steifheit; Kälte hilft bei akuten Schmerzen und Schwellungen.
- Gewicht reduzieren: Schon wenige Kilo weniger entlasten die Hüfte spürbar.
- Alltag anpassen: Höhere Stühle, Toilettensitzerhöhungen oder ein Schuhanzieher können helfen.
- Hilfsmittel nutzen: Ein Gehstock in der Hand der gesunden Seite entlastet die betroffene Hüfte.
Medizinische Behandlungen
Ärztliche Behandlungsmöglichkeiten umfassen Schmerzmittel, die die Beschwerden lindern, sowie entzündungshemmende Medikamente. Diese werden immer in Absprache mit dem Arzt eingenommen. Physiotherapie und Krankengymnastik helfen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu erhalten. In manchen Fällen wird eine Spritze ins Gelenk erwogen, um die Beschwerden vorübergehend zu lindern. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und die AWMF-Leitlinie empfehlen als ersten Schritt nicht-operative Maßnahmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (Hüftendoprothese – künstliches Hüftgelenk) kommt in Frage, wenn die konservative Behandlung nicht mehr ausreicht, die Schmerzen dauerhaft stark sind und die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist. Die Entscheidung wird gemeinsam mit dem Chirurgen oder der Chirurgin getroffen. In der Regel wird die Operation erst bei fortgeschrittener Arthrose empfohlen.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit einer Hüftarthrose erfordert oft etwas Planung. Hören Sie auf Ihren Körper: Machen Sie regelmäßig Pausen, vermeiden Sie einseitige Belastungen und gönnen Sie sich ausreichend Schlaf. Mit der Zeit finden Sie heraus, welche Bewegungsarten Ihnen guttun und welche eher schaden.
Tipps für den Alltag
- Aktive Erholung: Wechseln Sie zwischen Bewegung und Ruhe – leichte Aktivitäten wie Yoga oder Tai-Chi können die Beweglichkeit fördern.
- Stress vermeiden: Entspannungstechniken wie Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, die Schmerzwahrnehmung zu verbessern.
- Sozial bleiben: Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus (Selbsthilfegruppen) – das kann sehr entlastend sein.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann dazu beitragen, Entzündungen im Körper zu reduzieren. Omega-3-Fettsäuren (z.B. aus Leinöl, Fisch) sind ebenfalls empfehlenswert. Bewegung ist das A und O: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Hüftmuskulatur (unter Anleitung eines Physiotherapeuten) verbessern die Stabilität und verringern Schmerzen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können die Stimmung beeinträchtigen und zu Frustration oder Niedergeschlagenheit führen. Es ist wichtig, auch die seelische Seite ernst zu nehmen. Wenn die Gedanken sich immer wieder um die Schmerzen drehen oder Sie sich zurückziehen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. In akuten Krisen hilft die Telefonseelsorge (kostenlos, 24/7).
Vorbeugung
Hüftarthrose lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können das Risiko senken: Halten Sie ein gesundes Körpergewicht, bewegen Sie sich regelmäßig und vermeiden Sie Überlastungen. Achten Sie auf gute Haltung und nutzen Sie ergonomische Hilfsmittel bei der Arbeit. Wenn Sie bereits eine Hüftfehlstellung haben, fragen Sie Ihren Arzt nach frühzeitigen Maßnahmen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Arthrose. Bleiben Sie aber mit Ihren Standardimpfungen auf dem neuesten Stand, da Infektionen eine Arthrose verschlechtern können.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Vorsorgeuntersuchung für Hüftarthrose. Bei angeborenen Hüftfehlstellungen (Hüftdysplasie) werden Babys routinemäßig per Ultraschall untersucht. Lassen Sie bei gehäuften Fällen in der Familie oder anhaltenden Beschwerden eine fachärztliche Abklärung durchführen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmender Knorpelverlust und Verschlechterung der Arthrose
- Ständige Schmerzen, die die Lebensqualität stark einschränken und zu Schonhaltungen führen
- Muskelschwund (Muskelatrophie) durch fehlende Bewegung
- Versteifung des Hüftgelenks (Kontraktur)
- Vermehrte Belastung anderer Gelenke (Knie, Wirbelsäule) mit Risiko für weitere Arthrosen
- Psychische Belastung durch chronische Schmerzen und eingeschränkte Mobilität
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Behandlung und einer aktiven Lebensweise lässt sich die Arthrose meist gut in den Griff bekommen. Viele Menschen bleiben lange beschwerdearm. Wenn die konservative Behandlung nicht mehr ausreicht, kann ein künstliches Hüftgelenk (Hüftendoprothese) die Schmerzen beseitigen und die Beweglichkeit wiederherstellen – die Erfolgsaussichten sind sehr gut. Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2026
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