Osteoarthritis knee
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Kniearthrose (auch Gonarthrose genannt) ist eine Erkrankung, bei der der Knorpel im Kniegelenk allmählich abgenutzt wird. Knorpel ist das glatte, elastische Gewebe, das die Knochenenden polstert. Ohne diesen Schutz reiben die Knochen aneinander, was Schmerz, Steifheit und Bewegungseinschränkung verursacht.
Wichtige Fakten
- Arthrose ist keine 'normale' Abnutzung im Alter, sondern eine aktive Erkrankung des Gelenks.
- Bewegung und Gewichtskontrolle sind die wirksamsten Maßnahmen zur Verlangsamung des Fortschreitens.
- Schmerzmittel und Wärme-/Kälteanwendungen können die Symptome lindern, aber nicht die Ursache beseitigen.
Ja, Kniearthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit. In Deutschland sind etwa 5 Millionen Menschen betroffen, vor allem ab dem 50. Lebensjahr.
Besonders häufig tritt sie bei Menschen über 50 Jahren auf, aber auch jüngere Personen können betroffen sein, zum Beispiel nach Verletzungen oder durch besondere Belastungen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Symptome
- Plötzliche, starke Schwellung und Rötung mit Fieber – das kann ein Anzeichen für eine Gelenkentzündung (z. B. bakterielle Infektion) sein. Rufen Sie den Notruf 112.
- Unfähigkeit, das Knie zu bewegen oder zu belasten nach einem Sturz oder Unfall. Rufen Sie den Notruf 112.
- ⚠Starke Schmerzen, die sich mit Ruhe oder einfachen Schmerzmitteln nicht bessern.
- ⚠Plötzliche Schwellung ohne ersichtlichen Grund.
- ⚠Gefühl von Instabilität oder Einknicken des Knies.
Häufige Symptome
- Schmerzen im Knie, besonders bei Belastung (Treppensteigen, langes Gehen)
- Morgendliche Steifheit von weniger als 30 Minuten
- Schwellung des Knies nach Aktivität
- Knacken oder Knirschen bei Bewegung (Krepitation)
- Eingeschränkte Beweglichkeit, z. B. Beugen oder Strecken wird schwerer
Symptome bei Kindern
- Kniearthrose bei Kindern ist sehr selten und meist die Folge einer Verletzung oder einer angeborenen Gelenkfehlstellung. Symptome sind dann ähnlich: Schmerz, Schwellung, eingeschränkte Bewegung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen treten oft zusätzlich Gangunsicherheit, Müdigkeit in den Beinen und eine zunehmende Schwierigkeit, aus dem Sitzen aufzustehen, auf. Die Schmerzen können auch in Ruhe oder nachts auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Alterungsprozess mit allmählichem Knorpelverschleiß
- Übergewicht, das das Kniegelenk stark belastet
- Frühere Knieverletzungen (Meniskusriss, Kreuzbandriss)
- Fehlstellungen der Beine (X- oder O-Beine)
- Erbliche Veranlagung
Risikofaktoren
- Älter als 50 Jahre
- Weibliches Geschlecht
- Übergewicht (Adipositas)
- Berufliche Tätigkeiten mit häufiger Kniebelastung (z. B. Fliesenleger, Bergleute)
- Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko (Fußball, Skifahren)
- Gelenkerkrankungen wie Rheuma oder Gicht
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher, starker Schwellung und Rötung mit Fieber
- Nach einem Sturz oder Unfall mit Schwellung und Bewegungseinschränkung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Knieschmerzen länger als zwei Wochen anhalten
- Wenn die Schmerzen den Alltag beeinträchtigen (Treppen, Gehen, Schlaf)
- Wenn Sie morgens regelmäßig eine Steifheit von mehr als 30 Minuten haben
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose meist aufgrund der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Er tastet das Knie ab, prüft die Beweglichkeit und die Stabilität. Zusätzlich wird nach früheren Verletzungen und nach familiären Belastungen gefragt.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenbild des Knies (zeigt Gelenkspaltverschmälerung, Knochenanbauten)
- Häufig ist keine weitere Bildgebung nötig. Bei unklaren Fällen kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) erfolgen, um auch Weichteile wie Knorpel und Menisken zu beurteilen.
- Eine Blutuntersuchung dient zum Ausschluss von entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und ihrem allgemeinen Gesundheitszustand befragen. Die körperliche Untersuchung umfasst das Betrachten und Abtasten des Knies, sowie Bewegungstests. Meist kann die Diagnose schon beim ersten Besuch gestellt werden. Bei Bedarf wird ein Röntgen veranlasst. Einen spezifischen Test zur Früherkennung von Arthrose gibt es nicht, aber die Röntgenuntersuchung kann den Gelenkzustand gut darstellen.
Behandlung
Die Behandlung der Kniearthrose zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und das Fortschreiten zu verlangsamen. In leichten bis mittelschweren Fällen stehen nicht-operative Maßnahmen im Vordergrund. Erst wenn diese nicht mehr ausreichen, kommt eine Operation infrage.
Selbsthilfe zu Hause
- Gewichtsabnahme bei Übergewicht – jedes Kilo weniger entlastet das Knie um das Vierfache
- Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung (Schwimmen, Radfahren, Spazierengehen)
- Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur (vorderer und hinterer Muskel)
- Wärmeanwendungen bei Steifheit (Wärmflasche, warmes Bad) – Kälte bei akuter Entzündung (Kühlpack, Eisbeutel, aber nicht direkt auf die Haut)
- Vermeiden von einseitigen Belastungen und Überlastung
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann nicht-medikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie, Einlagen oder Orthesen empfehlen. Bei stärkeren Schmerzen kommen entzündungshemmende Mittel als Tabletten oder Salben, sowie Schmerzmittel zum Einsatz – immer in Absprache mit dem Arzt. In manchen Fällen wird eine Injektion von Kortison oder Hyaluronsäure in das Gelenk erwogen. Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln wie Glucosamin oder Chondroitin ist wissenschaftlich umstritten und sollte mit dem Arzt besprochen werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn konservative Maßnahmen nach Monaten keine ausreichende Besserung bringen und die Lebensqualität stark eingeschränkt ist, kann eine Operation erwogen werden. Dazu gehören gelenkerhaltende Eingriffe wie die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) oder umstellende Operationen, sowie der Gelenkersatz (Knieprothese). Die Entscheidung trifft der Orthopäde gemeinsam mit dem Patienten.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag mit Kniearthrose ist es wichtig, auf ein gleichmäßiges Bewegungsprogramm zu achten. Planen Sie regelmäßige Pausen ein und wechseln Sie zwischen Belastung und Entlastung. Verwenden Sie bei Bedarf Gehhilfen wie einen Stock (in der Hand auf der gesunden Seite). Passen Sie Ihr Zuhause an: Stühle mit Armlehnen, erhöhter Toilettensitz, rutschfeste Unterlagen.
Tipps für den Alltag
- Gewicht normalisieren
- Gelenkschonende Sportarten (Schwimmen, Wassergymnastik, Radfahren, Walking)
- Muskeltraining für die Beine
- Stressabbau durch Entspannungstechniken
- Rauchen aufgeben (Nikotin verschlechtert die Durchblutung des Gelenks)
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann entzündungshemmend wirken. Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Fisch, Leinöl) werden häufig empfohlen. Bewegung ist die wichtigste Therapie: Täglich 20-30 Minuten moderate Bewegung, wie ein flotter Spaziergang, helfen, die Gelenkfunktion zu erhalten. Krafttraining an den Beinen entlastet das Knie.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen können die Stimmung und Lebensqualität beeinträchtigen. Viele Menschen fühlen sich frustriert oder ängstlich. Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen – durch Gespräche mit vertrauten Personen, einer Selbsthilfegruppe oder einem Psychologen. Kognitive Verhaltenstherapie speziell für chronische Schmerzpatienten kann sehr hilfreich sein.
Vorbeugung
Kniearthrose lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken: durch ein normales Körpergewicht, regelmäßige Bewegung (nicht überlastend), Vermeidung von Gelenkverletzungen (gute Ausrüstung beim Sport) und frühzeitige Behandlung von Fehlstellungen oder Muskelschwächen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung kann die Arthrose fortschreiten, der Knorpel immer weiter abnehmen, bis schließlich Knochen auf Knochen reibt. Das führt zu chronischen Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Deformierung des Gelenks (Achsenfehlstellung). Auch die Muskulatur um das Knie kann abschwächen (Muskelatrophie).
Langzeitprognose
Die Prognose der Kniearthrose ist individuell sehr unterschiedlich. Viele Menschen können mit nicht-operativen Maßnahmen lange gut leben. Ein konsequentes Selbstmanagement – Bewegung, Gewichtskontrolle, Schmerzmanagement – kann das Fortschreiten oft verlangsamen. In fortgeschrittenen Fällen kann ein künstliches Kniegelenk die Lebensqualität deutlich verbessern. Es gibt keinen Grund, die Hoffnung aufzugeben; mit der richtigen Unterstützung können die meisten Betroffenen aktiv bleiben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2026
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