Mittelohrentzündung mit Erguss
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Otitis media mit Erguss (OME) ist eine Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr, ohne dass eine akute Infektion vorliegt. Diese Flüssigkeit kann das Hören beeinträchtigen, verursacht aber normalerweise keine Schmerzen.
Wichtige Fakten
- OME ist sehr häufig bei Kindern, kann aber auch Erwachsene betreffen.
- Die Flüssigkeit im Mittelohr kann zu vorübergehendem Hörverlust führen.
- In vielen Fällen verschwindet OME von selbst ohne Behandlung.
Ja, Otitis media mit Erguss ist eine der häufigsten Ohrenerkrankungen bei Kindern. Auch bei Erwachsenen tritt sie auf, oft nach einer Erkältung oder bei Allergien.
Besonders häufig betrifft OME Kinder unter 6 Jahren, aber auch Erwachsene mit Eustachischer Röhrenfunktionsstörung, Allergien oder nach einer Mittelohrentzündung.
Symptome
- Plötzliche starke Ohrenschmerzen mit Fieber und Ausfluss aus dem Ohr (mögliche akute Mittelohrentzündung mit Komplikationen)
- Plötzlicher kompletter Hörverlust auf einem Ohr
- Starker Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen
- ⚠Anhaltender Hörverlust über mehrere Wochen, der den Alltag beeinträchtigt
- ⚠Gleichgewichtsstörungen, die zu Stürzen führen
- ⚠Ohrendruck, der mit starken Kopfschmerzen oder Fieber einhergeht
Häufige Symptome
- Vermindertes Hörvermögen (als ob man unter Wasser hört)
- Gefühl von Druck oder Völlegefühl im Ohr
- Leichtes Knacken oder Knistern im Ohr beim Schlucken
- Gelegentlich Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
Symptome bei Kindern
- Schwierigkeiten beim Hören, z. B. wenn das Kind nicht reagiert, wenn es gerufen wird
- Sprachverzögerung oder undeutliche Aussprache
- Häufiges Nachfragen oder lautes Stellen des Fernsehers
- Ohrenschmerzen treten meist nicht auf; stattdessen Unruhe oder Konzentrationsprobleme
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Hörverlust, der wie eine allmähliche Verschlechterung wirkt
- Gefühl von Ohrenschmalzpfropf, obwohl das Ohr sauber ist
- Gleichgewichtsprobleme oder Schwindel, besonders beim Bücken
Ursachen
Hauptursachen
- Funktionsstörung der Eustachischen Röhre (Verbindung zwischen Mittelohr und Rachen), die den Druckausgleich behindert
- Nach einer Erkältung oder Grippe, wenn Schleim die Röhre verstopft
- Allergische Reaktionen, die die Schleimhäute anschwellen lassen
Risikofaktoren
- Kindesalter (unter 6 Jahren) – enge und noch nicht vollständig entwickelte Eustachische Röhre
- Krippen- oder Kitabesuch – höhere Ansteckungsgefahr mit Erkältungen
- Passivrauchen oder Rauchen in der Umgebung
- Flaschenfütterung statt Stillen – Stillen stärkt die Abwehrkräfte
- Allergien wie Heuschnupfen oder Hausstaubmilbenallergie
- Anatomische Besonderheiten wie Gaumenspalte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Erhebliche Hörminderung, besonders bei Kindern, die die Sprachentwicklung beeinträchtigen könnte
- Gleichgewichtsstörungen oder Stürze aufgrund von Ohrendruck
- Anhaltender Ohrendruck über mehr als 2–3 Monate
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Leichtes Völlegefühl im Ohr ohne Schmerzen – das ist meist harmlos und klingt von selbst ab
- Einmalige Kontrolle beim HNO-Arzt, wenn Sie oder Ihr Kind oft Ohrdruck haben
- Bei Kindern mit häufigen Erkältungen: regelmäßige Ohrenkontrolle alle paar Monate
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin schaut mit einem Otoskop (Lichtinstrument) ins Ohr, um die Flüssigkeit hinter dem Trommelfell zu erkennen. Oft sieht das Trommelfell dann stumpf oder gelblich aus.
Mögliche Untersuchungen
- Otoskopie: Betrachten des Trommelfells und des Gehörgangs
- Tympanometrie: Ein kleines Gerät misst, wie gut das Trommelfell vibriert – bei Flüssigkeit zeigt es eine flache Kurve
- Hörtest (Audiometrie): Besonders bei Kindern wird das Hörvermögen mit Kopfhörern geprüft
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Meist wird eine Tympanometrie durchgeführt, bei der Sie oder Ihr Kind ein leises Summen im Ohr hören. Der Arzt entscheidet dann, ob abgewartet werden kann oder eine Behandlung nötig ist.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Dauer und den Beschwerden. Oft wird zunächst abgewartet, da viele Fälle von selbst ausheilen. Bei anhaltenden Problemen gibt es nicht-medikamentöse Maßnahmen und in manchen Fällen einen kleinen operativen Eingriff.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken und die Nase freihalten – das hilft, die Eustachische Röhre zu öffnen
- Bei Babys: Beim Füttern aufrechte Position, um Milch nicht ins Ohr fließen zu lassen
- Bei älteren Kindern und Erwachsenen: Kaugummi kauen oder Schluckübungen machen, um Druckausgleich zu fördern
- Rauchfreie Umgebung schaffen – Passivrauchen verschlimmert OME
- Bei Allergien: Allergene meiden, z. B. durch regelmäßiges Lüften oder allergendichte Bettwäsche
Medizinische Behandlungen
Medikamente werden bei OME ohne akute Infektion in der Regel nicht empfohlen. Antibiotika helfen nicht, da es sich meist nicht um eine bakterielle Infektion handelt. Abschwellende Nasensprays oder Antiallergika können die Belüftung der Eustachischen Röhre verbessern. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird mit Ihnen besprechen, ob dies in Ihrem Fall sinnvoll ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Flüssigkeit länger als 3–4 Monate besteht und zu Hörverlust führt, besonders bei Kindern, kann ein kleiner Eingriff in Betracht gezogen werden: Dabei wird eine winzige Röhre (Paukenröhrchen) durch das Trommelfell gelegt, um die Flüssigkeit abfließen zu lassen. Bei Erwachsenen mit anhaltenden Problemen kann auch eine Operation zur Erweiterung der Eustachischen Röhre helfen.
Leben mit der Erkrankung
Mit OME können die meisten Menschen ihren Alltag normal gestalten. Bei Kindern sollten Eltern aufmerksam sein, ob das Kind schlechter hört – dann hilft es, deutlich zu sprechen und Blickkontakt zu halten. Für Erwachsene ist es wichtig, bei anhaltendem Hörverlust das Ohr nicht mit Wattestäbchen zu reinigen, um das Trommelfell nicht zu verletzen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Nasenpflege, z. B. mit Nasenspülungen bei Neigung zu Allergien oder Erkältungen
- Vermeiden von Rauch und Schadstoffen in der Luft
- Beim Fliegen oder Tauchen: Druckausgleichstechniken anwenden (Gähnen, Schlucken, Kaugummi)
- Bei Kindern: Nach dem Baden oder Schwimmen Ohren vorsichtig mit einem Handtuch trocken tupfen
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse unterstützt das Immunsystem. Bewegung an der frischen Luft ist in Ordnung. Solange keine Schmerzen oder Schwindel auftreten, gibt es keine Einschränkungen. Bei starkem Schwindel ist jedoch Vorsicht geboten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltender Hörverlust kann zu Frustration und Konzentrationsschwierigkeiten führen, besonders bei Kindern in der Schule. Auch Erwachsene können sich isoliert fühlen, wenn Gespräche anstrengend sind. Es ist wichtig, mit dem Arzt oder der Ärztin über diese Belastungen zu sprechen. Bei Kindern kann eine frühzeitige Förderung des Sprechens und Hörens helfen.
Vorbeugung
Nicht immer, aber Sie können das Risiko senken: Stillen in den ersten Lebensmonaten stärkt die Abwehrkräfte und fördert die richtige Entwicklung der Ohrtrompete. Vermeiden Sie Passivrauchen und sorgen Sie für eine gute Luftqualität zu Hause.
Impfungen
Die Pneumokokken-Impfung und die Grippeschutzimpfung können schwere Mittelohrentzündungen verhindern, die manchmal zu OME führen. Fragen Sie Ihren Kinderarzt oder Ihre Hausärztin, welche Impfungen empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Bei Kindern mit häufigem Ohrdruck oder Hörproblemen empfiehlt die AWMF-Leitlinie regelmäßige Hörtests. Bei Risikokindern (z. B. mit Gaumenspalte) wird ein Hörscreening bereits im Säuglingsalter durchgeführt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronischer Hörverlust, der die Sprachentwicklung bei Kindern beeinträchtigen kann
- Wiederkehrende akute Mittelohrentzündungen
- Veränderungen am Trommelfell (z. B. Einziehen oder Vernarbung), die dauerhaft das Hören beeinträchtigen
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den allermeisten Fällen sehr gut. Bei Kindern gehen über 90 % der OME-Fälle innerhalb eines Jahres von selbst zurück. Bei anhaltenden Problemen stehen wirksame Behandlungen zur Verfügung. Auch nach einer Operation erholen sich die meisten Kinder und Erwachsenen gut und können wieder normal hören.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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