Präeklampsie: Warnsignale in der Schwangerschaft erkennen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Präeklampsie ist eine Erkrankung, die in der zweiten Schwangerschaftshälfte auftreten kann. Dabei steigt der Blutdruck der Schwangeren an und es kann Eiweiß im Urin gefunden werden. Die Krankheit betrifft die Blutgefäße und kann Organe wie Leber und Nieren belasten.
Wichtige Fakten
- Betrifft etwa 5–7 von 100 Schwangeren.
- Tritt meist nach der 20. Schwangerschaftswoche auf.
- Früherkennung senkt das Risiko schwerer Komplikationen.
Präeklampsie ist nicht sehr häufig, aber eine der wichtigsten Schwangerschaftskomplikationen. Sie tritt bei etwa 5 von 100 Schwangeren auf.
Betroffen sind vor allem Schwangere, die zum ersten Mal schwanger sind, sowie Frauen mit Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Übergewicht oder Mehrlingsschwangerschaften. Auch Frauen über 35 Jahre haben ein etwas erhöhtes Risiko.
Symptome
- Starke Kopfschmerzen, die nicht nachlassen
- Sehstörungen wie plötzliches Verschwimmen oder Lichtblitze
- Krampfanfälle
- Starke Oberbauchschmerzen
- Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- ⚠Anzeichen wie geschwollene Hände/Füße in Kombination mit Kopfschmerzen
- ⚠Plötzliche starke Gewichtszunahme (über 1 kg pro Woche)
- ⚠Blutdruckmessung über 140/90 mmHg – sofort Arzt oder Hebamme kontaktieren
Häufige Symptome
- Stark anschwellende Hände, Füße oder das Gesicht (Ödeme)
- Kopfschmerzen, die nicht verschwinden
- Sehstörungen wie Flimmern, Doppelbilder oder Lichtempfindlichkeit
- Übelkeit oder Schmerzen im rechten Oberbauch
- Plötzliche Gewichtszunahme
- Kurzatmigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man geht von einer Störung der Plazenta (Mutterkuchen) aus, die die Blutgefäße der Mutter beeinflusst.
- Eine fehlerhafte Entwicklung der Blutgefäße in der Plazenta führt zu Durchblutungsstörungen und Entzündungsreaktionen im Körper der Mutter.
Risikofaktoren
- Erste Schwangerschaft
- Bestehender Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen
- Mehrlingsschwangerschaft (Zwillinge, Drillinge)
- Übergewicht (BMI über 30)
- Alter über 35 Jahre
- Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft
- Diabetes oder Autoimmunerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blutdruck über 140/90 mmHg zu Hause gemessen
- Plötzliche starke Schwellungen an Händen, Füßen oder Gesicht
- Kopfschmerzen, die mit Paracetamol nicht besser werden (dieses Medikament ist in der Schwangerschaft erlaubt, aber bitte Rücksprache halten)
- Sehstörungen jeglicher Art
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Hebamme sind wichtig. Der Blutdruck wird bei jedem Termin gemessen, und der Urin wird auf Eiweiß getestet.
Diagnose
Die Diagnose wird durch regelmäßige Messungen von Blutdruck und Urin im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge gestellt. Bei Verdacht auf Präeklampsie werden weitere Untersuchungen durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung: wiederholt über mehrere Stunden
- Urintest: Nachweis von Eiweiß (Proteinurie)
- Blutuntersuchung: Kontrolle von Leber- und Nierenwerten sowie Blutplättchen
- Ultraschall: Wachstum und Fruchtwassermenge des Kindes prüfen
- Doppler-Sonografie: Durchblutung der Plazenta und Nabelschnur
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Frauenarzt oder Ihre Klinik wird Sie engmaschig überwachen. Das kann bedeuten, dass Sie häufiger zur Kontrolle müssen oder sogar stationär aufgenommen werden. Ihr Baby wird ebenfalls regelmäßig überwacht.
Behandlung
Die Behandlung hängt vom Schweregrad und dem Fortschritt der Schwangerschaft ab. Das Ziel ist, die Gesundheit von Mutter und Kind so gut wie möglich zu schützen. Eine vollständige Heilung der Präeklampsie tritt erst nach der Geburt ein.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhe und Entlastung, möglichst wenig Stress
- Tägliche Blutdruckmessung zu Hause (mit einem geeigneten Gerät, Anleitung durch Fachpersonal)
- Beobachten und Dokumentieren von Symptomen (Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwellungen)
- Ausreichend Flüssigkeit trinken, aber keine salzreiche Ernährung
- Kein Alkohol, kein Rauchen (auch nicht in der Schwangerschaft sowieso)
Medizinische Behandlungen
Bei leichtem Verlauf kann eine Überwachung zu Hause oder im Krankenhaus ausreichen. Der Arzt kann Medikamente zur Blutdrucksenkung verschreiben (keine Namen nennen). Bei schwerer Präeklampsie oder wenn das Kind gefährdet ist, wird eine Lungenreifebehandlung für das Baby gegeben und die Geburt eingeleitet. In sehr schweren Fällen muss die Schwangerschaft vorzeitig beendet werden – das ist dann die sicherste Lösung für beide.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (Kaiserschnitt) ist dann nötig, wenn die Geburt nicht auf natürlichem Weg sicher eingeleitet werden kann. Auch bei schweren Formen der Präeklampsie, bei denen eine schnelle Entbindung erforderlich ist, wird ein Kaiserschnitt durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Wenn bei Ihnen eine Präeklampsie diagnostiziert wird, kann das sehr belastend sein. Sie müssen sich viel Ruhe gönnen und die Anweisungen Ihres medizinischen Teams genau befolgen. Planen Sie regelmäßige Kontrolltermine ein und scheuen Sie sich nicht, bei Symptomen sofort zu reagieren.
Tipps für den Alltag
- Viel Ruhe, möglichst im Liegen (Seitenlage entlastet die Blutgefäße)
- Stress vermeiden
- Auf Vorzeichen achten und bei Veränderungen handeln
- Körperliche Anstrengung reduzieren
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz wird empfohlen. Trinken Sie ausreichend Wasser. Leichte Bewegung wie Spazierengehen kann in Absprache mit dem Arzt sinnvoll sein, aber bei Blutdruckanstiegen eher vermeiden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Präeklampsie kann Angst und Unsicherheit auslösen. Viele Schwangere machen sich Sorgen um ihr Baby und um sich selbst. Es ist wichtig, mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder einer Fachperson darüber zu sprechen. Bei starker Belastung können Sie sich auch an eine psychologische Beratung wenden.
Vorbeugung
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht. Aber eine gute Schwangerschaftsvorsorge mit regelmäßigen Blutdruck- und Urinkontrollen hilft, Probleme früh zu erkennen. Bei erhöhtem Risiko kann Ihr Arzt vorbeugend niedrig dosierte Blutdrucksenker verschreiben oder die Einnahme von Calcium und Vitamin D ab der Frühschwangerschaft empfehlen. Besprechen Sie die Möglichkeiten mit Ihrer Frauenärztin.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland ist das Screening auf Präeklampsie Teil der Mutterschaftsrichtlinien. Ihr Frauenarzt misst bei jeder Vorsorgeuntersuchung den Blutdruck und testet den Urin auf Eiweiß. Zusätzlich kann eine Risikoeinschätzung mithilfe von Ultraschall und Blutwerten im ersten Trimester erfolgen. Diese Untersuchungen sind freiwillig und sollten mit dem Arzt besprochen werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Krampfanfälle (Eklampsie)
- Schädigung von Leber und Nieren
- Blutgerinnungsstörungen (HELLP-Syndrom)
- Plazentaablösung (vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens)
- Wachstumsverzögerung des ungeborenen Kindes
- Frühgeburt
Langzeitprognose
Mit frühzeitiger Erkennung und guter Betreuung ist die Prognose für Mutter und Kind in den meisten Fällen gut. Die Präeklampsie verschwindet nach der Geburt meist vollständig. Auch wenn die Schwangerschaft belastend war, haben Sie gute Chancen, dass alles gut ausgeht. Vertrauen Sie auf Ihre Ärzte und Hebammen und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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