Psoriatic Arthritis
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- WHO—Health topics A–Z(2024)
- NHS—Health A to Z(2024)
- CDC—Health topics(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Psoriasis-Arthritis (kurz PsA) ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die bei Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) auftreten kann. Das bedeutet, dass das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Gelenke angreift, was zu Schwellungen, Schmerzen und Steifheit führt. Die Erkrankung betrifft oft auch die Haut und die Nägel.
Wichtige Fakten
- Psoriasis-Arthritis ist eine chronische Erkrankung – sie bleibt meist ein Leben lang bestehen, kann aber gut behandelt werden.
- Etwa jeder dritte Mensch mit Schuppenflechte entwickelt im Laufe des Lebens eine Psoriasis-Arthritis.
- Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen, am häufigsten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.
- Eine frühzeitige Behandlung kann Gelenkschäden verhindern und die Lebensqualität verbessern.
Psoriasis-Arthritis ist nicht selten. In Deutschland sind schätzungsweise 200.000 bis 400.000 Menschen betroffen. Allerdings wird die Erkrankung manchmal nicht rechtzeitig erkannt.
Psoriasis-Arthritis betrifft vor allem Menschen, die bereits an Schuppenflechte leiden (Hautveränderungen). Sie kann aber auch ohne Hautprobleme auftreten. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig. Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen, am häufigsten zwischen 30 und 50 Jahren.
Symptome
- Plötzliche, unerträgliche Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken mit hohem Fieber und allgemeinem Unwohlsein – das kann auf eine Gelenkentzündung mit Infektion hindeuten
- Atemnot oder Brustschmerzen – diese können Zeichen einer schweren Entzündung oder eines Herzproblems sein
- Wenn Sie plötzlich Sehstörungen, starke Kopfschmerzen oder Lähmungserscheinungen bemerken
- ⚠Sehr starke Gelenkschwellung, die sich innerhalb weniger Stunden entwickelt
- ⚠Fieber über 38,5 °C zusammen mit Gelenkschmerzen
- ⚠Wenn Sie wegen der Schmerzen das Gelenk gar nicht mehr bewegen können
- ⚠Anhaltende Sehstörungen oder Augenschmerzen (kann auf eine Entzündung der Augen hindeuten)
Häufige Symptome
- Schmerzen, Schwellungen und Steifheit in Gelenken (besonders an Fingern, Zehen, Knien, Knöcheln oder Wirbelsäule)
- Morgensteifigkeit: Die Gelenke sind morgens besonders steif und werden im Laufe des Tages beweglicher
- Daktylitis: Komplette Schwellung eines Fingers oder Zehs („Wurstfinger“ oder „Wurstzehe“)
- Schmerzen an den Sehnenansätzen: Entzündung dort, wo Sehnen und Bänder am Knochen ansetzen (z. B. Fersenschmerz oder Schmerz an der Achillessehne)
- Nagelveränderungen: Kleine Grübchen oder Ablösungen der Finger- oder Zehennägel
- Rückenschmerzen und Steifheit in der Wirbelsäule, besonders nach Ruhephasen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern tritt die Erkrankung seltener auf, aber wenn, dann oft an größeren Gelenken wie Knien oder Füßen
- Kinder können zusätzlich zu Gelenkschmerzen auch Fieber, Müdigkeit oder Wachstumsstörungen haben
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben oft mehrere Gelenke betroffen, aber die Symptome können weniger typisch sein
- Schmerzen und Steifheit werden manchmal fälschlich als normale Altersbeschwerden (Arthrose) gedeutet
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man nimmt an, dass eine Fehlregulation des Immunsystems eine Rolle spielt: Das Immunsystem greift fälschlicherweise die eigenen Gelenke und Sehnen an.
- Bei den meisten Menschen mit Psoriasis-Arthritis liegt eine Veranlagung (genetische Faktoren) vor. Bestimmte Gene (z. B. HLA-B27) erhöhen das Risiko.
- Auslöser können Infektionen, Verletzungen, Stress oder starke körperliche Belastung sein. Aber nicht jeder mit Veranlagung erkrankt.
Risikofaktoren
- Bestehende Schuppenflechte (Psoriasis) – das größte Risiko
- Familiäre Vorbelastung: Wenn nahe Verwandte (Eltern, Geschwister) Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis haben
- Übergewicht: Erhöht die Belastung der Gelenke und fördert Entzündungen
- Rauchen: Kann das Risiko für Psoriasis und damit auch für Psoriasis-Arthritis erhöhen
- Bestimmte Infektionen, die das Immunsystem fordern
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neu auftretende Gelenkschmerzen, Schwellungen oder Steifheit haben, die länger als zwei Wochen anhalten
- Wenn Sie bereits eine Schuppenflechte haben und plötzlich Gelenkbeschwerden bekommen
- Wenn Sie typische Symptome wie „Wurstfinger“ oder Fersenschmerzen bemerken
- Wenn Sie Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl zusammen mit Gelenkbeschwerden haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Lassen Sie Ihre Gelenke regelmäßig kontrollieren, wenn Sie an Schuppenflechte leiden – auch wenn Sie noch keine Beschwerden haben.
- Suchen Sie bei anhaltenden Rückenschmerzen oder Morgensteifigkeit einen Arzt auf, auch wenn keine Schuppenflechte bekannt ist.
- Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie Nagelveränderungen bemerken, die nicht auf Verletzungen zurückgehen.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einem Facharzt für Rheumatologie oder einem Hautarzt (Dermatologen) gestellt. Der Arzt stellt eine gründliche Diagnose anhand Ihrer Beschwerden, einer körperlichen Untersuchung und verschiedenen Tests. Es gibt keinen einzelnen Test, der die Erkrankung sicher nachweist.
Mögliche Untersuchungen
- Anamnese (ausführliches Gespräch): Der Arzt fragt nach Ihren Symptomen, nach Schuppenflechte in der Familie, nach früheren Hautausschlägen und nach Gelenkbeschwerden.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet die Gelenke ab, prüft die Beweglichkeit und achtet auf Schwellungen, Rötungen oder Überwärmung.
- Blutuntersuchungen: z. B. auf Entzündungswerte (CRP, BSG) und Rheumafaktor (um andere rheumatische Erkrankungen auszuschließen).
- Bildgebung: Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) können zeigen, ob die Gelenke bereits geschädigt sind oder ob eine Entzündung vorliegt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzlos. Bei einer Blutabnahme kann es zu einem kurzen Pieks kommen. Der Arzt wird Sie durch den gesamten Ablauf führen. In manchen Fällen kann es hilfreich sein, Sie gleichzeitig von einem Hautarzt und einem Rheumatologen untersuchen zu lassen – das nennt man interdisziplinäre Zusammenarbeit. Nach den Ergebnissen bespricht der Arzt mit Ihnen die Befunde und leitet die nächsten Schritte ein.
Behandlung
Die Behandlung der Psoriasis-Arthritis zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu stoppen und die Gelenke vor dauerhaften Schäden zu schützen. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) haben Leitlinien zur Behandlung dieser Erkrankung veröffentlicht. Die Therapie wird individuell angepasst – je nach Schwere der Erkrankung und betroffener Gelenke. Eine Kombination aus Medikamenten (medikamentöse Therapie), Bewegung und Selbsthilfemaßnahmen ist oft am besten.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegung: Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung (z. B. Schwimmen, Radfahren, Spazierengehen) hält die Gelenke beweglich und stärkt die Muskulatur.
- Wärme und Kälte: Wärmepackungen können steife Gelenke lockern, Kälteanwendungen (z. B. Kühlpads) lindern akute Schwellungen.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet die Gelenke zusätzlich – eine Gewichtsabnahme kann die Beschwerden deutlich verbessern.
- Schutz der Gelenke: Vermeiden Sie Überlastung; nutzen Sie Hilfsmittel wie ergonomische Griffe oder Polster.
- Stressabbau: Entspannungsübungen, Yoga oder Meditation können helfen, Schübe zu reduzieren.
Medizinische Behandlungen
Bei der medikamentösen Therapie gibt es verschiedene Ansätze. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, welche Option am besten zu Ihnen passt. Dazu gehören entzündungshemmende Medikamente (NSAR), die Schmerzen und Schwellungen reduzieren. Bei mittelschweren bis schweren Verläufen kommen krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs) zum Einsatz, die das Immunsystem regulieren. Für Menschen mit schwerer Form stehen Biologika oder zielgerichtete synthetische Medikamente zur Verfügung – diese werden in der Regel als Spritze oder Infusion verabreicht und blockieren bestimmte Entzündungsbotenstoffe. Ihr Arzt wird die Therapie regelmäßig überprüfen und anpassen. Bitte nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Anweisung.
Wann kommt eine Operation infrage?
In sehr seltenen und schweren Fällen, wenn ein Gelenk durch die Entzündung stark zerstört ist und konservative Behandlungen nicht mehr helfen, kann ein Gelenkersatz (z. B. Hüft- oder Kniegelenkersatz) notwendig werden. Auch das lindert Schmerzen und verbessert die Beweglichkeit.
Leben mit der Erkrankung
Mit Psoriasis-Arthritis zu leben bedeutet, auf die Signale Ihres Körpers zu achten. Wechseln Sie zwischen Aktivität und Ruhe. Planen Sie Tätigkeiten ein, die Ihnen Freude machen, aber gönnen Sie sich auch Pausen. Mit einem guten Umgang und Unterstützung können Sie die meisten Dinge weiterhin tun.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie in Bewegung – aber übertreiben Sie es nicht. Hören Sie auf Ihren Körper.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z. B. Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Leinöl).
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum – beides kann Entzündungen fördern.
- Schützen Sie Ihre Haut vor Sonnenbrand, aber genießen Sie moderate Sonneneinstrahlung, die oft die Psoriasis verbessert.
- Pflegen Sie Ihre Nägel gut, da sie bei Psoriasis brüchig sein können.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle „Anti-Entzündungs-Diät“ gibt es nicht, aber eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und gesunden Fetten kann helfen, Entzündungen zu verringern. Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel und viel Zucker. Bewegung ist sehr wichtig: Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga halten Sie fit, ohne die Gelenke zu überlasten. Dehnübungen verbessern die Beweglichkeit. Besprechen Sie Ihren Trainingsplan mit einem Physiotherapeuten oder Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung wie Psoriasis-Arthritis kann auch die Seele belasten. Schmerzen, Einschränkungen und manchmal auch sichtbare Hautveränderungen können zu Angst, Traurigkeit oder sozialem Rückzug führen. Das ist ganz normal. Suchen Sie sich Unterstützung – bei Freunden, Familie oder in Selbsthilfegruppen. Wenn die Belastung zu groß wird, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zu suchen, z. B. bei einer psychologischen Beratungsstelle. In akuten Krisen hilft die Telefonseelsorge (kostenlos, 24 Stunden, Telefon 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222).
Vorbeugung
Da die genauen Ursachen nicht vollständig bekannt sind, lässt sich Psoriasis-Arthritis nicht sicher verhindern. Allerdings können Sie das Risiko für einen Schub und schwere Verläufe senken: gesunder Lebensstil, Vermeidung von Rauchen, ausreichend Bewegung, Gewichtskontrolle und frühzeitige Behandlung von Schuppenflechte. Wenn Sie bereits an Schuppenflechte leiden, lassen Sie Ihre Gelenke regelmäßig untersuchen – das hilft, eine beginnende Arthritis früh zu erkennen und zu behandeln.
Impfungen
Lassen Sie sich regelmäßig impfen (z. B. gegen Grippe und Pneumokokken), da viele Medikamente gegen Psoriasis-Arthritis das Immunsystem schwächen. Besprechen Sie den Impfplan mit Ihrem Arzt. Bei einigen Impfungen (z. B. Lebendimpfstoffen) ist besondere Vorsicht geboten – Ihr Arzt berät Sie.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie an Psoriasis leiden, sollten Sie einmal jährlich einen Hautarzt aufsuchen. Der Hautarzt kann Sie auch auf Gelenkprobleme ansprechen. Bei Familienmitgliedern von Betroffenen reicht es, aufmerksam auf Symptome zu achten und bei Beschwerden früh einen Arzt aufzusuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Gelenkschäden: Ohne Behandlung können die Gelenke versteifen und sich verformen – bis hin zur Bewegungseinschränkung.
- Entzündungen an anderen Stellen: Die Entzündung kann auf Sehnen, Bänder, Augen (Uveitis) oder die Wirbelsäule übergreifen.
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) – durch die chronische Entzündung im Körper.
- Psychische Belastung: Die chronischen Schmerzen und die sichtbare Hauterkrankung können zu Depressionen und Angststörungen führen.
Langzeitprognose
Die Psoriasis-Arthritis ist eine ernste Erkrankung, aber heute gibt es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Viele Menschen erreichen mit der richtigen Therapie eine deutliche Linderung der Symptome und können ein erfülltes Leben führen. Eine frühzeitige Behandlung ist entscheidend, um langfristige Gelenkschäden zu vermeiden. Bleiben Sie in engem Austausch mit Ihrem Behandlungsteam, informieren Sie sich über neue Therapien und nutzen Sie Unterstützungsangebote. Sie sind nicht allein – und mit der richtigen Hilfe können Sie viel erreichen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- International Federation of Psoriasis Associations (IFPA) ↗
- Psoriasis and Psoriatic Arthritis Alliance (PAPAA) ↗
Lokale Organisationen
- Deutscher Psoriasis Bund e.V. (DPB) ↗ · Deutschland
- Rheuma-Liga Deutschland e.V. ↗ · Deutschland
- AWMF-Leitlinie Psoriasis-Arthritis ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.