Spannungspneumothorax verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Spannungspneumothorax ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem sich Luft im Brustkorb zwischen Lunge und Brustwand ansammelt und nicht entweichen kann. Diese Luft drückt auf die Lunge und das Herz, sodass die betroffene Person kaum noch atmen kann. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Wichtige Fakten
- Ein Spannungspneumothorax entsteht meist durch eine Verletzung oder Lungenerkrankung.
- Die Symptome treten plötzlich auf und verschlechtern sich rasch.
- Ohne sofortige Behandlung kann es zu Kreislaufversagen und Herzstillstand kommen.
Ein Spannungspneumothorax ist selten. Es handelt sich um eine Sonderform des Pneumothorax, der insgesamt nicht häufig vorkommt.
Betroffen sein können Menschen jeden Alters. Besonders gefährdet sind Menschen mit Verletzungen des Brustkorbs, mit Lungenerkrankungen wie COPD oder nach medizinischen Eingriffen an der Lunge. Auch junge, schlanke Männer haben ein erhöhtes Risiko für einen Spontanpneumothorax, der sich zu einem Spannungspneumothorax entwickeln kann.
Symptome
- Plötzlich einsetzende starke Atemnot
- Brustschmerzen, die in den Arm oder Rücken ausstrahlen
- Blaue Lippen oder Fingernägel
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Anzeichen eines Schocks: kalter Schweiß, schneller Puls, niedriger Blutdruck
- ⚠Leichte Atemnot oder Brustschmerzen, die nicht weggehen
- ⚠Husten mit Blut
- ⚠Fieber nach einer Brustverletzung
Häufige Symptome
- Plötzlich auftretende scharfe Schmerzen auf einer Brustseite
- Starke Atemnot
- Schnelle, flache Atmung
- Blässe oder bläuliche Verfärbung der Lippen und Fingernägel (Zyanose)
- Beschleunigter Puls
- Niedriger Blutdruck
- Angstgefühl oder Unruhe
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern äußert sich der Spannungspneumothorax durch plötzliche Atemnot, Husten und Unruhe.
- Das Kind kann blass oder blau um den Mund werden.
- Es verweigert möglicherweise zu essen oder zu trinken.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Symptome weniger deutlich sein.
- Statt heftiger Schmerzen kann es zu Verwirrtheit, Schwäche oder einem schnellen Puls kommen.
- Atemnot ist oft das Hauptsymptom.
Ursachen
Hauptursachen
- Verletzung der Brustwand (z. B. durch Unfall, Stich, Rippenbruch)
- Lungenkrankheiten wie COPD, Asthma oder Emphysem
- Spontaner Pneumothorax bei Risikopersonen (z. B. schlanke, große Männer)
- Medizinische Eingriffe wie Lungenbiopsie oder Beatmung
Risikofaktoren
- Rauchen
- Männliches Geschlecht und schlanker Körperbau
- Bisheriger Pneumothorax
- Bindegewebserkrankungen (z. B. Marfan-Syndrom)
- Bestimmte Lungenerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher starker Atemnot oder Brustschmerzen sofort den Notruf 112 wählen
- Nach einer Brustverletzung mit Atemnot in die Notaufnahme
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie leichte, wiederkehrende Brustschmerzen oder Atemnot haben, die Sie bisher nicht abklären ließen
- Wenn Sie zu Risikogruppen gehören (z. B. Raucher mit COPD) und über Atemprobleme sprechen möchten
Diagnose
Die Diagnose wird in der Notaufnahme gestellt. Der Arzt oder die Ärztin hört die Lunge ab, misst Sauerstoffwerte und macht eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Manchmal ist auch eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomografie (CT) nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgen-Thorax (Röntgen des Brustkorbs)
- Blutgasanalyse (Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut)
- Ultraschall der Lunge
- CT-Untersuchung bei unklarem Befund
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung geht schnell, denn es ist ein Notfall. Sie werden gebeten, für das Röntgen still zu liegen. Wenn ein Spannungspneumothorax vorliegt, leitet der Arzt sofort die Behandlung ein.
Behandlung
Ein Spannungspneumothorax muss sofort behandelt werden. Die eingeschlossene Luft muss aus dem Brustkorb abgelassen werden, damit sich die Lunge wieder ausdehnen kann und Herz und Kreislauf entlastet werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Sofort den Notruf 112 wählen
- In eine bequeme Sitzposition bringen – nicht hinlegen
- Beruhigend auf die Person einwirken
- Keine eigenständigen Maßnahmen wie Nadelstiche oder Druckverbände versuchen – das ist gefährlich
Medizinische Behandlungen
Im Krankenhaus wird zunächst mit einer Nadel oder einem Katheter (dünnen Schlauch) über einen kleinen Schnitt zwischen den Rippen die Luft abgelassen. Danach wird meist eine Thoraxdrainage gelegt – ein Schlauch, der für einige Tage im Brustkorb verbleibt, um weitere Luft entweichen zu lassen. Die Drainage wird mit einem Unterdruckgerät verbunden. Seltener kann eine Operation nötig sein, wenn die Luft immer wieder neu eintritt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt infrage, wenn der Spannungspneumothorax nach einer Drainage immer wieder auftritt oder die Ursache eine dauerhafte Lungenschädigung ist. Dabei werden die Lungenbläschen versiegelt (Pleurodese) oder der Defekt operativ verschlossen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Spannungspneumothorax müssen Sie sich schonen. In den ersten Wochen sollten Sie körperliche Anstrengung vermeiden. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird mit Ihnen besprechen, wann Sie wieder arbeiten oder Sport treiben können.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – Rauchen erhöht das Rückfallrisiko deutlich
- Vermeiden Sie Pressatmung (z. B. schweres Heben) in der Erholungsphase
- Achten Sie auf Symptome wie erneute Atemnot
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung und leichte Bewegung wie Spazierengehen fördern die Heilung. Vermeiden Sie intensiven Sport und Heben schwerer Lasten für mindestens 4–6 Wochen. Ihr Arzt sagt Ihnen, wann Sie wieder aktiv werden können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Spannungspneumothorax ist ein einschneidendes Erlebnis. Viele Menschen fühlen sich danach ängstlich oder verunsichert. Das ist normal. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle, wenn die Angst Sie belastet.
Vorbeugung
Nicht jeder Spannungspneumothorax ist vermeidbar. Sie können das Risiko jedoch senken, indem Sie nicht rauchen, Lungenerkrankungen frühzeitig behandeln lassen und bei Risikoberufen (z. B. Tauchen) Sicherheitsmaßnahmen einhalten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Routinescreening auf Spannungspneumothorax. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko (z. B. nach erstem Pneumothorax) kann der Arzt regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfehlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lebensbedrohlicher Schock
- Herzstillstand
- Schwere Unterversorgung der Organe mit Sauerstoff
- Dauerhafte Lungenschädigung
Langzeitprognose
Wird ein Spannungspneumothorax rechtzeitig behandelt, ist die Prognose sehr gut. Die meisten Menschen erholen sich vollständig. Allerdings besteht ein gewisses Rückfallrisiko, vor allem bei Rauchern und Menschen mit bestimmten Lungenerkrankungen. Mit einer gesunden Lebensweise und ärztlicher Nachsorge können Sie das Risiko jedoch deutlich senken.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.