Xerostomie (Mundtrockenheit)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Xerostomie, umgangssprachlich Mundtrockenheit, bedeutet, dass der Mund nicht genug Speichel produziert. Speichel befeuchtet den Mund, hilft beim Kauen und Schlucken und schützt die Zähne. Wenn zu wenig Speichel da ist, fühlt sich der Mund trocken und klebrig an.
Wichtige Fakten
- Mundtrockenheit ist keine Krankheit, sondern ein Symptom – oft ausgelöst durch Medikamente oder bestimmte Erkrankungen.
- Die Beschwerden können das Essen, Sprechen und Schlucken erschweren.
- Unbehandelt erhöht Mundtrockenheit das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen.
Ja, Mundtrockenheit ist sehr häufig, vor allem bei älteren Menschen. Schätzungsweise jeder fünfte Erwachsene leidet zeitweise darunter.
Mundtrockenheit kann in jedem Alter auftreten, betrifft aber besonders ältere Menschen, Personen mit bestimmten Grunderkrankungen (z. B. Sjögren-Syndrom, Diabetes) und Menschen, die viele Medikamente einnehmen.
Symptome
- Mundtrockenheit geht mit plötzlicher Verwirrtheit, Fieber oder starkem Schwindel einher – das kann auf eine ernste Austrocknung hindeuten. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- ⚠Starke Schmerzen im Mund oder Rachen
- ⚠Schlucken ist kaum noch möglich – Sie können keine Flüssigkeit mehr aufnehmen
- ⚠Es bilden sich offene Stellen oder Geschwüre im Mund
Häufige Symptome
- Trockenes, klebriges Gefühl im Mund
- Vermehrtes Durstgefühl
- Schwierigkeiten beim Kauen, Schlucken oder Sprechen
- Rissige oder brennende Zunge
- Trockene Lippen und Mundwinkel
- Gestörter Geschmackssinn oder metallischer Geschmack
- Schlechter Atem
Symptome bei Kindern
- Klagen über trockenen Mund
- Häufigeres Trinken
- Schwierigkeiten beim Essen trockener Nahrung
- Vielleicht verstärkte Reizbarkeit oder Schlafstörungen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stärkere Trockenheit durch viele Medikamente
- Erhöhtes Risiko für Zahnprobleme und Prothesenunverträglichkeit
- Häufigere Schluckbeschwerden
- Mögliche Mundinfektionen (z. B. Pilzinfektionen)
Ursachen
Hauptursachen
- Medikamente: Viele Arzneimittel (z. B. gegen Bluthochdruck, Allergien, Depressionen) können als Nebenwirkung Mundtrockenheit verursachen.
- Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom, bei dem das Immunsystem die Speicheldrüsen angreift.
- Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich, die die Speicheldrüsen schädigen kann.
- Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Parkinson oder HIV/AIDS.
- Lebensstilfaktoren: Rauchen, Alkohol, viel Koffein.
- Psychische Belastung oder Angstzustände können die Speichelproduktion verringern.
Risikofaktoren
- Älter werden
- Einnahme von mehreren Medikamenten gleichzeitig (Polypharmazie)
- Rauchen oder regelmäßiger Alkoholkonsum
- Mundatmung (z. B. bei verstopfter Nase)
- Bestimmte Erkrankungen (Diabetes, Rheuma, Schilddrüsenprobleme)
- Chemotherapie oder Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zusätzlich zur Mundtrockenheit starke Schmerzen, Fieber oder Schluckbeschwerden haben.
- Wenn Sie abnehmen, weil das Essen zu schwer fällt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Mundtrockenheit länger als zwei Wochen anhält und Sie den Alltag beeinträchtigt.
- Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen und die Trockenheit neu aufgetreten ist.
- Wenn Sie häufiger Karies oder Zahnfleischprobleme bemerken.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin (in der Regel Hals-Nasen-Ohren-Arzt/-ärztin oder Zahnarzt/-ärztin) stellt die Diagnose durch ein Gespräch und eine gründliche Untersuchung von Mund, Zähnen und Speicheldrüsen.
Mögliche Untersuchungen
- Sialometrie: Messung der Speichelmenge (z. B. durch eine einfache Sammelmethode).
- Speichel-pH-Test: um den Säuregrad des Speichels zu bestimmen.
- Bildgebung: Ultraschall oder MRT der Speicheldrüsen, wenn eine Erkrankung vermutet wird.
- Blutuntersuchung: Suche nach Grunderkrankungen wie Sjögren-Syndrom oder Diabetes.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch ist meist unkompliziert. Sie werden nach Ihren Beschwerden, Medikamenten und Vorerkrankungen gefragt. Anschließend folgt eine schmerzlose Untersuchung. Manchmal sind weitere Tests nötig, um die Ursache zu finden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Ziel ist es, die Speichelproduktion anzuregen, den Mund zu befeuchten und Beschwerden zu lindern. Oft helfen bereits einfache Maßnahmen.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie über den Tag verteilt ausreichend Wasser (am besten zuckerfreie Getränke).
- Kauen Sie zuckerfreien Kaugummi oder lutschen Sie zuckerfreie Bonbons – das regt die Speichelproduktion an.
- Befeuchten Sie die Raumluft, z. B. mit einem Luftbefeuchter im Schlafzimmer.
- Putzen Sie Ihre Zähne regelmäßig mit fluoridhaltiger Zahnpasta und verwenden Sie Mundspüllösungen ohne Alkohol.
- Vermeiden Sie Rauchen, Alkohol und stark zuckerhaltige Lebensmittel.
- Verwenden Sie bei Bedarf Speichelersatzmittel (z. B. Sprays oder Gele aus der Apotheke).
Medizinische Behandlungen
Bei anhaltenden Beschwerden kann der Arzt Medikamente verschreiben, die die Speichelproduktion anregen (sogenannte Speichelstimulanzien). Auch Mundspülungen mit speziellen Wirkstoffen können helfen. Wichtig: Keine rezeptfreien Mittel ohne ärztliche Absprache einnehmen. Liegt eine Grunderkrankung zugrunde (z. B. Sjögren-Syndrom), wird diese behandelt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist in der Regel nicht notwendig. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn die Speicheldrüsen stark geschädigt sind, kann ein chirurgischer Eingriff (z. B. Umlagerung von Speichelgang) erwogen werden. Ihr Arzt wird mit Ihnen alle Optionen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ihren Alltag mit ausreichend Trinkpausen. Halten Sie immer eine Wasserflasche griffbereit. Kauen Sie nach den Mahlzeiten zuckerfreien Kaugummi. Achten Sie auf eine gute Mundhygiene – Ihre Zähne und Ihr Zahnfleisch werden es Ihnen danken.
Tipps für den Alltag
- Reduzieren Sie Koffein, Alkohol und Nikotin – sie trocknen den Mund zusätzlich aus.
- Schlafen Sie mit einem Luftbefeuchter im Raum, besonders im Winter.
- Vermeiden Sie zu lange Gespräche in trockener Luft oder bei langer Autofahrt ohne Pause.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie weiche, feuchte Speisen (z. B. Suppen, Eintöpfe, Joghurt). Vermeiden Sie trockene, krümelige Lebensmittel (z. B. trockenes Brot, Kekse). Trinken Sie vor und während der Mahlzeiten kleine Schlucke Wasser. Regelmäßige Bewegung ist gut, aber achten Sie darauf, genug zu trinken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Mundtrockenheit kann sehr unangenehm sein und das soziale Leben beeinträchtigen – etwa beim Essen mit anderen oder beim Sprechen. Das ist verständlich. Wenn die Beschwerden Sie psychisch belasten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Es gibt Hilfsangebote, auch Gesprächstherapie kann helfen, mit der Belastung umzugehen.
Vorbeugung
Nicht immer, aber Sie können das Risiko senken, indem Sie auf eine gute Mundhygiene achten, ausreichend trinken, Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden und Medikamente regelmäßig mit dem Arzt überprüfen lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Vermehrte Karies und Zahnverlust durch fehlenden Schutzspeichel.
- Zahnfleischentzündungen und Parodontitis.
- Mundpilzinfektionen (z. B. Soor).
- Schwierigkeiten beim Essen, die zu Gewichtsverlust und Mangelernährung führen können.
- Eingeschränkte Lebensqualität durch ständiges Trockenheitsgefühl.
Langzeitprognose
Mundtrockenheit ist meist gut behandelbar. Mit einfachen Maßnahmen und der richtigen medizinischen Betreuung lassen sich die Beschwerden deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern. Auch wenn die Ursache nicht immer vollständig beseitigt werden kann, gibt es heute viele Wege, gut mit dem Symptom zu leben – Sie müssen sich nicht hilflos fühlen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- AWMF-Leitlinie „Mundtrockenheit (Xerostomie)“ ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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